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Titel: Bünker: "Eine Wirtschaft, die nicht dient, dient zu nichts"
Autor: MB
Quelle: www.kathpress.at vom 2.5.2019

Kongress christlicher Führungskräfte in Stift Göttweig eröffnet - Tagung von 2. bis 4. Mai zum Themenkreis "Das rechte Maß finden" - Evangelischer Bischof in Grußwort zur Eröffnung: "Nicht alles kommerzialisierbar"

Die Notwendigkeit des Gesprächs von Religion und Wirtschaft hat der evangelische Bischof Michael Bünker hervorgehoben. Es gelte dabei auch besonders den Blick dafür zu schärfen, was nicht kommerzialisierbar ist, so Bünker in seinem Grußwort bei der Eröffnung des bereits vierten Kongresses christlicher Führungskräfte am Donnerstagnachmittag in Stift Göttweig. Die Tagung steht unter dem Motto "Das rechte Maß finden". Bünker wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in der evangelischen Theologie der Begriff "Maßhalten" auch durch den Begriff der "Dienlichkeit" ersetzt wird. "Eine Wirtschaft, die nicht dient, dient zu nichts", so Bünker in Konsequenz daraus.

Anzusetzen sei in diesem Dienst bei den Schwächsten in der Gesellschaft, zeigte sich der evangelische Bischof überzeugt. Er brach zudem auch eine Lanze für den freien Sonntag und Feiertage. Die Zeit dürfe nicht ohne Ende kommerzialisiert werden.

Der Göttweiger Abt Columban Luser konnte als Hausherr der Veranstaltung gut 200 Teilnehmer begrüßen. Er mahnt in seinen Begrüßungsworten ein, dass in allen ethischen Diskussionen immer die unaufgebbare Würde des Menschen mitbedacht werden müsse.

Veranstalter des Kongresses, der bis Samstag anberaumt ist, ist das Forum christlicher Führungskräfte. Dieses verfolge vor allem drei Ziele, so Veit Schmid-Schmidsfelden, Unternehmer und Präsident des Forums: erstens den Dialog zwischen Wirtschaft und den Kirchen zu stärken, zweitens zur Auseinandersetzung mit den eigenen christlichen Wurzeln zu ermutigen und drittens zur konkreten Umsetzung von christlichen Werten in den Betrieben anzuregen.

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, mahnte in seinen Begrüßungsworten ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Selbstreflexion bei Unternehmern und Führungskräften ein. Die Frage nach dem rechten Maß führe sehr schnell auch zu grundsätzlichen Fragen nach mehr Gerechtigkeit.

Der Markt braucht Moral

Der ökonomische Markt könne und dürfe nicht moralfrei sein. Diese These vertrat der deutsche Philosoph und Politikwissenschaftler Julian Nida-Rümelin in seinem Eröffnungsvortrag. Ökonomische Märkte lebten schließlich von Voraussetzungen, die sie selbst nicht erzeugen könnten. Ja vielmehr: Ökonomische Märkte würden - auf sich selbst gestellt und ohne moralische, kulturelle bzw. soziale Bindung - sich selbst zerstören.

Nida-Rümelin unterstrich die Notwendigkeit einer vertrauensvollen und wahrhaftigen Kommunikation, ohne die erfolgreiches Wirtschaften letztlich nicht möglich sei. Misstrauenskulturen in Unternehmen würden unweigerlich in den Untergang führen. Moderne Ökonomie sei von funtionierender Kommunikation abhängig.

Der deutsche Philosoph zeigte sich zudem davon überzeugt, dass es weltweit eine Übereinstimmung an Werten und Normen gebe. So seien etwa auch die allgemeinen Menschenrechte keine rein westliche Errungenschaft sondern etwa auch massiv aus dem lateinamerikanischen bzw. indischen Raum eingemahnt worden.

Zum Verhältnis von Staat und Wirtschaft meinte Nida-Rümelin, dass der Staat umso stärker regulierend eingreifen müsse, je schwächer gemeinsame ethische Normen ausgebildet bzw. praktiziert würden und umgekehrt. Als die zwei großen "Erosionszonen", die gemeinsame Werte in der Wirtschaft bedrohten, nannte der Philosoph Entwicklungen auf den Finanzmärkten und im Bereich des Internets.

Vorträge und Workshops

Weitere Vorträge im Rahmen der Tagung halten bis Samstag u.a. Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser, Matthias Sutter, Direktor am Max-Planck-Institut in Bonn, der deutsche Wirtschaftspublizist Wolf Lotter und der frühere bayrische Benediktinermönch Anselm Bilgeri; weiters etwa auch Chris Lowney, früher Manager bei der US-Bank J.P. Morgan und inzwischen Leiter der "Christian Health Initiatives", einem Netzwerk aus über 100 kirchlichen Krankenhäusern in den USA. Kardinal Christoph Schönborn wird am Freitagabend einen inhaltlichen Impuls halten.

Workshops werden u.a von Sr. Beatrix Mayrhofer, Präsidentin der Vereinigung der Frauenorden Österreichs, AMS-Leiter Johannes Kopf, Caritas Wien-Generalsekretär Alexander Bodmann und Peter Böhler, Vorstand der Bank Schelhammer & Schattera geleitet. Den Abschlussgottesdienst am Samstag hält der Linzer Bischof Manfred Scheuer.

Der Kongress christlicher Führungskräfte wird zum vierten Mal veranstaltet. Das Forum christlicher Führungskräfte wurde 2013 gegründet. Getragen wird es von den Ordensgemeinschaften, der Katholischen Aktion, der Evangelischen Akademie Wien und der Industriellenvereinigung. (Infos: www.wertevollfuehren.at)
Verfasst am: 03.05.19, 09:50
Titel: Van der Bellen wieder Mitglied in evangelischer Kirche
Autor: MB
Quelle: www.orf.at vom 30.4.2019

Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist wieder Mitglied einer christlichen Kirche: „Ich bin heuer wieder in die evangelische Kirche des Augsburger Bekenntnisses eingetreten“, bekannte Van der Bellen in einem Interview mit den österreichischen Kirchenzeitungen.

Er revidierte damit einen Schritt, den er als junger Mann aus Ärger über seinen lokalen Pfarrer gesetzt hatte. In seiner politischen Laufbahn gab Van der Bellen mehrmals darüber Auskunft, nicht an einen persönlichen Gott zu glauben, zollte aber auch dem positiven Einfluss religiöser Überzeugungen auf das soziale Zusammenleben Respekt und äußerte Hochachtung gegenüber dem Evangelium und besonders der Bergpredigt.

Es sei denkbar, dass die eine oder andere Religion ausstirbt, meinte das Staatsoberhaupt im Interview mit allen Chefredakteuren der diözesanen Kirchenzeitungen. Aber dass Religiosität insgesamt aussterben könnte, glaube er nicht. „Dazu ist das Bedürfnis nach etwas zu groß, das zu erklären versucht, was Leben ist, woher es kommt und wohin wir nach dem Tod gehen.“ Auf die Frage nach einem Bedeutungsschwund des Christentums in Österreich verwies er auf „die mir so wichtige Botschaft des Neuen Testaments“: „Sich einigermaßen danach zu richten“ sei „nicht nur für Kirchenmitglieder geboten“, befand Van der Bellen.

Kontakt Politik-Religion wichtig

Über den Austausch zwischen den Religionsgemeinschaften und der Politik in Österreich sagte Van der Bellen: „Persönlich hatte ich viele gute Begegnungen, was vielleicht auch daran liegt, dass sich die Zusammensetzung der Bischofskonferenz heute von jener zu Zeiten Groers und Krenns unterscheidet.“ Mit deren jetzigem Vorsitzenden Kardinal Christoph Schönborn tausche er sich regelmäßig aus, weiters erwähnte Van der Bellen Gespräche mit dem evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker und jüngst ein Treffen mit Bischof Benno Elbs in Vorarlberg.

„Generell ist es wichtig, dass Politik und Religionsgemeinschaften Kontakt halten, und dass sich die Kirchen, Caritas und Diakonie zu sozialen Fragen zu Wort melden“, betonte der Bundespräsident. Die Kirchen hielten wie das Rote Kreuz und andere Organisationen das Ehrenamt hoch. „Ich möchte mir Österreich nicht ohne diesen unersetzlichen Einsatz vorstellen.“
Klimafrage für Junge zentral

Der Großteil des Interviews war indes politischen Themen wie Umweltschutz, Sozialpolitik und der bevorstehenden EU-Wahl gewidmet: Dass Kinder und Jugendliche freitags die Schule schwänzen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren, ist für Van der Bellen kein Problem. Es sei ganz wichtig, dass die Jugend bei diesem Thema „erwacht“ sei, und in zwei Schulstunden Versäumtes könne nachgelernt werden. „Bei der Klimakrise geht es dagegen um Prozesse, die man nicht umkehren kann“, so Van der Bellen. „Ich werde die schlimmsten Folgen nicht mehr erleben, für die jungen Menschen steht tausendmal mehr auf dem Spiel.“ Die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus erachtete der Bundespräsident als wertvollen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel.
„EU-Patriotismus“ nötig

Im Hinblick auf die am 26. Mai anstehende Wahl des EU-Parlaments unterstrich Van der Bellen, es sei wichtig, „die Menschen nicht nur über den Kopf anzusprechen, sondern einen Weg ins Herz zu finden“. Als „kopflastig“ stufte er Argumente ein wie jenes, dass nur die EU-Kommission internationale Konzerne davon abhalten könne, deren Marktmacht zu missbrauchen. „Wir brauchen dringend einen EU-Patriotismus“, erklärte Van der Bellen. Er verwies auf die labile weltpolitische Lage mit einer US-Regierung unter Donald Trump, die gezeigt habe, „wie schnell Freundschaften zugrunde gehen können“, mit dem „mit schwer einschätzbaren Risiken verbundenen“ Nachbarn Russland oder Fragen rund um Afrika oder China.
„Schwere Zweifel“ an neuer Sozialhilfe

Zum jüngst im Nationalrat beschlossenen und auch kirchlicherseits kritisierten Umbau der Mindestsicherung zur Sozialhilfe sagte Van der Bellen: „Es gehört nicht zu den angenehmsten Aufgaben eines Bundespräsidenten, Gesetze zu unterschreiben, bei denen er ganz andere Ansichten hat.“ Das sei bei der Indexierung der Familienbeihilfe der Fall gewesen, und auch jetzt bei der Sozialhilfe habe er „schwere Zweifel - Stichwort Kinderdiskriminierung“.

Kritik übte Van der Bellen auch daran, dass zuletzt 43 Prozent der Asylentscheidungen des zuständigen Bundesamts wieder aufgehoben wurden: „Wenn fast die Hälfte der Entscheidungen einer Behörde nicht hält, hat sie offensichtlich ein Qualitätsproblem.“ Freilich sei nicht jeder Fluchtgrund auch ein Asylgrund. „Mir ist auch klar, dass da nicht nur Heilige zu uns kommen wollen, wie auch unter uns Österreichern nicht nur Heilige leben“, so Van der Bellen zum Thema Asyl. Da seine eigenen Eltern dreimal geflüchtet seien bzw. sich aussiedeln ließen, habe er „einen besonderen Zugang zu dieser Frage“.
Österreichische Identität vielfältig

Vielfalt gehört nach der Überzeugung des Bundespräsidenten zur österreichischen Identität, Vorstellungen von ethnischer „Reinheit“ lägen ihm fern. „Meine Mutter kommt aus einer estnischen Familie, mein Vater ist kulturell Russe, von der Herkunft her aber Nordwesteuropäer“, legte Van der Bellen dar. „Wenn mich wer fragt, sage ich: Ich bin Kaunertaler, Tiroler, seit 40 Jahren Wiener, Österreicher und Europäer - und wo ist das Problem?“ Das letzte, was er sich wünsche, „wäre eine deutsche Volksgemeinschaft, wie sich das die Nazis vorgestellt haben“.

In diesem Zusammenhang bekannte sich Van der Bellen auch zum Schutz der kulturellen Vielfalt der Republik bzw. der heimischen Volksgruppen als Minderheiten: Das Wichtigste sei der Erhalt der Sprache. Der Bundespräsident äußerte etwa Genugtuung darüber, „dass der leidige Ortstafelstreit in Kärnten in den vergangenen Jahren bereinigt wurde“. Irritiert sei er, wenn man von „Kärntner Slowenen“ spreche, „ich rede lieber von slowenischsprachigen Kärntnern - oder kroatischsprachigen Burgenländern“. Van der Bellens Überzeugung: „Ohne diese Volksgruppen wäre Österreich jedenfalls ärmer.“

religion.ORF.at/KAP
Verfasst am: 30.04.19, 09:44