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Titel: 70 Jahre Staat Israel: Evangelischer Oberkirchenrat gratuliert
Autor: MB
Quelle: www.evang-wien.at vom 9.5.2018

Jeder Form des Antisemitismus entschieden entgegentreten – Hoffnung auf „sicheren und gerechten Frieden“ in Zukunft

Zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel hat der Evangelische Oberkirchenrat A. und H.B. den Bürgerinnen und Bürgern des Staates Israel gratuliert. In einer Erklärung, die in der Sitzung des Leitungsgremiums am Dienstag, 8. Mai, verabschiedet wurde, bekennt sich die Evangelische Kirche A. und H.B. in Österreich dazu, „auf Grund der bis in die jüngste Geschichte andauernden christlichen Judenfeindschaft am unermesslichen Leid des jüdischen Volkes mitschuldig geworden zu sein“. In der „Einsicht der eigenen Schuld wissen wir uns heute verpflichtet, jeder Form des Antisemitismus entschieden entgegenzutreten“, betont der Oberkirchenrat. Dass Jüdinnen und Juden im Staat Israel in Selbstbestimmung und Souveränität leben können, sei „auch für uns Christinnen und Christen ein Grund zur Freude“.

Zugleich erinnert das evangelische Leitungsgremium jedoch auch an eine Schattenseite der Staatsgründung. Während der sogenannten „Naqba“ („Katastrophe“) flohen 1948 rund 700.000 PalästinenserInnen aus dem damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina. Die Konflikte dauern bis heute an: „Der erhoffte Friede für alle Menschen in der Region konnte bis heute nicht erreicht werden und wird durch immer neue Gewalt, durch Abschottung voneinander und religiöse Überhöhung der eigenen Position noch schwieriger. Dennoch dürfen die Bemühungen um Frieden nicht aufgegeben werden.“

Als Voraussetzung für einen solchen Frieden sieht der Oberkirchenrat „die Anerkennung der Existenz des Staates Israel in gesicherten Grenzen und die uneingeschränkte Geltung der Menschenrechte. Ohne sie kann es keinen Frieden und Ausgleich mit den palästinensischen und arabischen Nachbarn geben.“ Besonders betont das kirchliche Leitungsgremium seine Unterstützung für „unsere christlichen Geschwister in Israel und Palästina.“ Sie würden seit Jahren gemeinsam mit jüdischen Friedensgruppen als Brückenbauer zwischen Völkern und Religionen fungieren.

„Wir hoffen und beten, dass der Staat Israel mit seinen Nachbarn, insbesondere mit dem palästinensischen Volk, in gegenseitiger Achtung des Heimatrechtes einen sicheren und gerechten Frieden findet, sodass Israelis und Palästinenser, Juden, Christen und Muslime miteinander in fruchtbringender Gemeinschaft und guter Nachbarschaft in Zukunft leben können“, heißt es abschließend in der Erklärung des Oberkirchenrates.

Der Evangelische Oberkirchenrat A. und H.B. ist das Exekutivorgan in der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche A. und H.B. in Österreich. Den Vorsitz führt der lutherische Bischof Michael Bünker, sein Stellvertreter ist der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld.

Am 14. Mai begeht Israel das 70-jährige Jubiläum seiner Staatsgründung 1948. Damals wurde Israel auf Basis des UN-Teilungsplanes für Palästina von 1947 proklamiert. Davor war das Gebiet des heutigen Israel seit 1920 auf Grund eines Völkerbund-Mandats von Großbritannien verwaltet worden. Neuzeitliche Bestrebungen nach einem eigenen israelischen Staat hatte es seit Ende des 19. Jahrhunderts gegeben.
Verfasst am: 09.05.18, 12:14
Titel: „SicherSein“: NGOs gegen Abschiebungen nach Afghanistan
Autor: MB
Quelle: https://www.evang-wien.at vom 9.5.2018

Chalupka: Abschiebungen wie in Deutschland aussetzen

Gemeinsam mit „Volkshilfe“, „Asylkoordination Österreich“ und weiteren Hilfsorganisationen startet die Diakonie Österreich die Kampagne „#SicherSein“ gegen Abschiebungen von Flüchtlingen nach Afghanistan. Die NGOs reagieren damit auf zunehmende Rückführungen von Einzelpersonen und Familien in das zentralasiatische Land, das im vergangenen Jahr die höchste Zahl an getöteten ZivilistInnen seit der vorübergehenden Vertreibung der Taliban 2001 aufwies. Heuer seien in der Hauptstadt Kabul bereits rund 400 Menschen bei Anschlägen getötet worden. Bei der Pressekonferenz zum Kampagnenauftakt am Dienstag, 8. Mai, in Wien sagte Volkshilfe-Direktor Erich Fenninger mit Verweis auf die Asylpolitik der Bundesregierung: „Wir wenden uns entschieden gegen das Geschäft mit der Verunsicherung. Wir wollen Sicherheit schaffen, für Österreicher, aber auch für die, die nach Österreich fliehen.“ Die Kampagne wolle erreichen, „dass Österreich kein trauriger Vorreiter in Sachen Abschiebung“ werde. „Wir sind viele und glauben an das Mögliche.“

Auch Diakonie-Direktor Michael Chalupka kritisierte, dass in Österreich „die Lage in Afghanistan derzeit völlig falsch eingeschätzt“ werde. Das zeige sich auch daran, dass viele Asylverfahren von Menschen aus Afghanistan zunächst negativ beschieden, diese Urteile aber in zweiter Instanz wieder aufgehoben würden. Chalupkas Appell an die Regierung: „Abschiebungen nach Afghanistan sollen wie in Deutschland ausgesetzt werden.“

Friederike Stahlmann, Afghanistan-Expertin vom Max-Planck-Institut in Halle, skizzierte die Lage in Afghanistan: „Am schlimmsten ist die Not in akut umkämpften Gebieten und Gegenden, wo Menschen Zuflucht zu humanitären Organisationen suchen. Kabul ist beides.“ Eine besondere Gefahr für Menschen, die nach einer Abschiebung nach Afghanistan zurückkehren, seien fehlende Netzwerke: „Wer keine Beziehungen hat, wird keine Chance haben.“ Das Risiko für Entführungen sei besonders hoch, außerdem würden nach Europa Geflüchtete von den Taliban als Glaubensabtrünnige gesehen. Abgeschobene hätten oft nur zwei Möglichkeiten: „Das Land wieder zu verlassen oder zu den Taliban überzulaufen.“

Ihre persönlichen Erfahrungen schilderten Erika Kudweis, Obfrau der Initiative PatInnen für alle, und Kabir Abbasi, ein junger Flüchtling aus Afghanistan, der seit zwei Jahren in Österreich lebt und eine Ausbildung zum technischen Zeichner macht. Kudweis sprach von einem Gefühl permanenter Angst: „Es geht uns PatInnen schlecht, weil es unseren Schützlingen schlecht geht, weil sie von Angst aufgefressen werden.“ Sie wolle nicht zulassen, „dass die Regierung durch ihr Wegsehen die Menschen krank“ mache.

Verlesen wurde auf der Pressekonferenz zum Kampagnenstart auch eine Grußbotschaft von Margit Fischer. Die in verschiedenen NGOs tätige Frau des ehemaligen Bundespräsidenten Heinz Fischer erinnerte daran „dass unsere Kinder in zehn oder zwanzig Jahren fragen werden, wie wir uns 2018 verhalten haben.“ Eine Grußbotschaft per Video kam von Schauspieler und Regisseur Karl Markovics.

Weitere Initiatoren der Kampagne neben Diakonie, Volkshilfe und Asylkoordination sind das Wiener „Integrationshaus“, das „Don Bosco Flüchtlingshilfswerk Austria“, „SOS Mitmensch“ und der Verein „Alpine Peace Crossing“. Unterstützung kommt unter anderem von „Amnesty International“ und dem Österreichischen Roten Kreuz. Weitere Informationen unter www.sichersein.at
Verfasst am: 09.05.18, 12:12