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Titel: Im Gespräch – „Welt ohne Gott?“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 14.8.2018

Julia Schnizlein über ein Leben in der Kirche

„Warum sollte ich Mitglied bleiben, wenn ich die Kirche nie von innen sehe? Warum sollte ich Beitrag zahlen, wenn ich nicht vorhabe, demnächst christlich zu heiraten – geschweige denn Kinder taufen zu lassen? Und sterben habe ich auch so schnell nicht vor…?“

Der junge Mann, der da neben mir saß, grinste mich freundlich an. Er hatte sich die Mühe gemacht, ein Gespräch zu suchen, statt einfach „Schluss zu machen“. Kurz und schmerzlos einen vorgefertigten Antrag auf Kirchenaustritt ausfüllen, unterschreiben, abschicken – Aus, Ende. Seinen Eltern müsste er ja nichts davon erzählen. Und sollte er die Kirche je brauchen, könnte er ja wieder eintreten.

Aber so einfach wollte er es sich nicht machen. Und so saß er neben mir, dieser junge Mann. Mitten in unserer schönen Lutherkirche. Der steinerne Jesus vor uns – die Hand zum Segen erhoben.

„Weil es um mehr geht“, sagte ich. „Es geht um mehr, als nur um uns selbst. Es geht nicht um Nutzen. Oder um Dienstleistung. Es geht um eine Vision. Eine Botschaft. Die Botschaft von einer besseren Welt. Einer Welt, in der Nächstenliebe nicht mit Schwäche gleichgesetzt wird. In der Mitgefühl nicht als ‚Gutmenschentum’ abgewertet wird. Einer Welt, in der wir einander wertschätzen, einander vergeben und Gemeinschaft leben – egal, woher wir kommen. In der niemand Angst haben muss, zu kurz zu kommen und weder Menschen noch andere Geschöpfe noch die Natur ausgebeutet werden. Es ist: Die Botschaft vom Reich Gottes.

Dafür wollen wir uns einsetzen. In unseren Gottesdiensten, im Religionsunterricht, im Gemeindeleben, in Seelsorge und Diakonie. Und wir tun das nicht, weil wir Sonntagvormittag zufälligerweise nichts Besseres zu tun haben. Wir tun das, weil wir glauben, dass die ganze Welt – und wir mit ihr – miteinander und mit Gott in Beziehung stehen. Dass wir kein Zufallsprodukt sind, das sich am Ende der Tage in Nichts auflöst. ‚Du bist gewollt, du wirst begleitet, du bist nicht allein, du wirst erwartet’, so hat die Theologin Susanne Heine die Essenz des christlichen Glaubens zusammengefasst. Und das gilt für jeden von uns.“

„Gibt es Gott denn wirklich?“, fragte er. „Der Glaube daran ist mindestens ebenso vernünftig, wie der Glaube, dass es nichts gibt“, sagte ich. „Wir wollen jedenfalls, dass die Menschen die Möglichkeit haben, von diesem Glauben zu erfahren. Und dafür brauchen wir Leute, die uns unterstützen. Ich glaube nicht, dass eine Welt ohne Kirche, ohne diese Institution, die sich für christliche Werte einsetzt, eine Bessere wäre.“

Er bedankte sich, warf dem steinernen Jesus einen kurzen Blick zu und ging. Ob er seine Kirchenmitgliedschaft aufkündigt, weiß ich nicht. Aber ich spüre, dass er eines Tages an diesen Ort zurückkehren wird – so oder so.

Julia Schnizlein, MA ist Vikarin in Wien-Währing. Kontakt: julia.schnizlein@lutherkirche.at

Jeden Sonntag sind Pfarrerin Maria Katharina Moser, Vikarin Julia Schnizlein und Pfarrerin Ingrid Tschank in der „Krone bunt“ – Kolumne „Im Gespräch“ zu lesen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von krone.at
Verfasst am: 16.08.18, 13:23
Titel: Diakonie schickt Postkarten an EU-Präsidentschaft
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 14.8.2018

Gleiche Behandlung von Sozialthemen und Binnenmarkt gefordert

Eine sommerliche Postkartenaktion mit Grüßen an die österreichische EU-Ratspräsidentschaft hat die Diakonie Österreich gestartet: „Ein Vogel fliegt nur mit zwei Flügeln“, „Europa wird sozial oder nicht mehr sein“, „Jedes Land kann etwas gut“, sind drei der Botschaften, die die evangelische NGO an die politischen EntscheidungsträgerInnen richtet.

„Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, Einsatz gegen Armut, Engagement für Pflege, Kinder, Kranke und Bildung wären doch gute Schwerpunktthemen für eine EU-Präsidentschaft“, kommentiert Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk den Hintergrund der Postkartenaktion. Gemeinsame europäische Initiativen für Soziales seien keine „kleinen“ Fragen. „Europas gebrochener Flügel muss dringend versorgt werden. In Wahrheit müssen wir gerade jetzt soziale Fragen in Europa groß machen. Und die Schlupflöcher, sich aus der gemeinsamen Verantwortung zu stehlen, klein.“ Die Sujets der Postkarten können unter https://diakonie.atheruntergeladen und in den sozialen Medien verbreitet werden.

Vier Forderungen an österreichische Ratspräsidentschaft

Bereits im Juni hatte sich die Diakonie mit einem vier Punkte umfassenden Forderungspaket an die österreichische EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte gewendet. Erstens, so die Diakonie, sollten Sozialschutz und soziale Rechte mit den Grundfreiheiten des Binnenmarkts gleichrangig behandelt werden. Zweitens seien gemeinsame Investitionen im Bildungs- und Pflegebereich zu tätigen. Schon 2012 hatte der damalige Kommissar Laszlo Andor ein Social Investment Package gefordert, um die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu mildern. „Zu Recht – denn die Beschäftigung im Sozialbereich wächst in den letzten Jahren unaufhörlich, und trägt so zum wirtschaftlichen Wohlstand in Europa bei“, so die Diakonie in einer Aussendung.

Drittens müssten Entscheidungen in Europa einen „sozialen Stresstest“ bestehen sowie die Einhaltung der europäischen Charta der Grundrechte eingefordert werden. Werden diese Grundrechte verletzt, müssten die vorgeschlagenen Maßnahmen zurückgenommen, abgefedert oder andere entwickelt werden. Viertens fordert die Diakonie wechselseitiges Lernen der Länder voneinander ein: „Jedes Land kann etwas gut.“ So wisse Dänemark mit seinen „family health nurses“ Soziales (Care) und Gesundheit (Cure) zu verbinden, Holland arbeite mit einem Chancenindex, um benachteiligte Schulstandorte zu stärken, Deutschland habe mit den „Frühen Hilfen“ ein Angebot für Kleinkinder aufgebaut.

Versammlung für soziales Europa

Zur Umsetzung all dieser Schritte solle ein Konvent für ein soziales Europa einberufen werden. Diese Versammlung hat die Aufgabe, Vorschläge zu entwickeln, wie in der EU Sozialschutz und soziale Rechte gestaltet, gesichert und zukunftsfähig weiter entwickelt werden können.
Verfasst am: 16.08.18, 13:21