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Titel: Bünker: „Religiöse Überzeugungen sind persönlich – aber nicht privat“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 26.6.2018

Predigt in Augsburg zur Erinnerung an die Confessio Augustana

An den Auftrag, den eigenen Glauben in der Öffentlichkeit zu leben, erinnerte Bischof Michael Bünker im Rahmen eines Festgottesdiensts im Gedenken an die Confessio Augustana am Sonntag, 24. Juni, in Augsburg. Gerade in Zeiten bedrohter demokratischer Grundhaltungen gelte dieses öffentliche Bekenntnis besonders für ProtestantInnen: „Die Demokratie ist da und dort brüchig, manchmal auch gefährdet. Gerade Evangelische können hier etwas Wichtiges beitragen, die Öffentlichkeit des Glaubens als wichtiges demokratisches Gut, als hohen Wert zu leben. Religiöse Überzeugungen sind ganz persönlich – aber sie sind nicht nur privat.“ Die Confessio Augustana bzw. das Augsburger Bekenntnis von 1530 gilt als eine wesentliche Grundlage des lutherischen Glaubens. Die 28 Artikel thematisieren grundlegende Fragen von Glauben und Glaubenspraxis wie Gott, die Beichte oder den freien Willen.

„Grundlage der Evangelischen in ganz Europa“

In seiner Predigt vor den Festgästen erinnerte Bünker an die historische Wirkmächtigkeit des Augsburger Bekenntnisses trotz seiner ursprünglichen Ablehnung am Reichstag zu Augsburg 1530: „Wir wissen: Es ist nicht zur Einigung gekommen. Der Reichstag lehnt das Bekenntnis ab. Es ist gescheitert. Aber auf einem anderen Feld war es erfolgreich: Es wurde zur Grundlage der Evangelischen in ganz Europa. Es blieb nicht verborgen, es wurde offenbar. Es blieb nicht im Geheimen, sondern man konnte es wissen. Was insgeheim weitergesagt wurde, das war nun von den Dächern, öffentlich, zu vernehmen.“

„Glaubensfreiheit kein für alle Zeiten gesicherter Besitz“

Bünker ging auch auf die Entwicklung des Protestantismus in Österreich ein, die er als Beispiel für die Einschränkung der Freiheit, den eigenen Glauben öffentlich zu bekunden, hervorhob. Sehr bald sei das Bekenntnis auch dort aufgenommen worden, die Mehrheit der Bevölkerung Ende des 16. Jahrhunderts bereits evangelisch gewesen. Die von den katholischen Kaisern betriebene Gegenreformation – der Versuch, das Land „wieder katholisch zu machen“ – mit der Vertreibung zehntausender Evangelischer war die Folge. „Heute kommen uns diese Konflikte vielleicht fremd und im wahrsten Sinn weit hergeholt vor. Wir leben nicht im Jahr 1530. Kein Kaiser fragt nach unserem Glauben.“ Niemand müsse in Europa seine Heimat wegen des Glaubens verlassen, da die Staaten Glaubens- und Religionsfreiheit garantierten. „Aber das ist nicht selbstverständlich und kein für alle Zeiten gesicherter Besitz“, erinnerte Bünker. Es sei darum wichtig, „aus unserem Glauben das Miteinander in der Gesellschaft, in der Nachbarschaft, in der der Stadt und im Land“ zu gestalten.

Die von Philipp Melanchthon verfasste Confessio Augustana („Augsburger Bekenntnis“) wurde am 25. Juni 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg Kaiser Karl V. vorgelegt. Der Reichstag lehnte das Bekenntnis ab, woraufhin sich protestantische Fürsten und Städte zum Schmalkaldischen Bund gegen den katholischen Kaiser zusammenschlossen.
Verfasst am: 27.06.18, 13:22
Titel: Pfarre wieder fix besetzt
Autor: MB
Quelle: https://www.noen.at/gmuend vom 22.6.2018

Vikariatszeit vorbei: Dišlere-Musta zur evangelischen Pfarrerin bestellt. Sie wird evangelische Gemeinde Gmünd-Waidhofen mit 1. September eigenverantwortlich übernehmen.

Nach drei Jahren Mitverwaltung durch die Horner Pfarrerin Birgit Schiller hat die Evangelische Pfarrgemeinde A.u.H.B. Gmünd-Waidhofen mit Sitz in Gmünd seit wenigen Tagen wieder eine eigene Pfarrerin: Die bisherige Vikarin Dace Dišlere-Musta wurde durch Oberkirchenrätin Ingrid Bachler ins Pfarramt ordiniert.

Die 48-Jährige blickt auf ein „sehr emotionales Ereignis“ zurück, aus gutem Grund: „Ich habe genau 25 Jahre auf die Ordination gewartet!“ Sie hatte in den 1990er Jahren in ihrer lettischen Heimat – wo der Protestantismus die mitgliederstärkste religiöse Bewegung ist – die Ausbildung begonnen. In der Zeit schaffte die lettische evangelische Kirche aber die Ordination von Frauen zu Pfarrerinnen ab. Also arbeitete die zweifache Mutter als ausgebildete Theologin jahrelang als Seelsorgerin in Spitälern und Gefängnissen, ehe sie mit ihrer Familie auswanderte und in Gmünd landete, um ihren Berufswunsch tatsächlich noch zu realisieren. Hier durchlief Dišlere-Musta seit 2015 alle Stationen am Weg zur Pfarrerin bis zur Ordination.

Zur Feier in der „Kirche der Frohen Botschaft“ Waidhofen kamen nun zahlreiche Weggefährten auch aus anderen Pfarren. Das gute Nebeneinander der christlichen Konfessionen dokumentierte der Umstand, dass drei der vier Assistenten Katholiken sind – der Schremser Stadtpfarrer und Dechant Herbert Schlosser sowie die Gmünder Pfarrer Rudolf Wagner und Georg Kaps.

„Habe die Menschen hier schätzen gelernt“

Die Jungpfarrerin soll die Pfarre nun mit 1. September fix übernehmen, die offizielle Amtseinführung ist für 7. Oktober geplant. Sie war die einzige Bewerberin für die ausgeschriebene Stelle. Die Gemeindevertretung hat ihr aber nicht nur deshalb einstimmig das Vertrauen ausgesprochen, betont Kuratorin Solveig Gschaider, „weltliches“ Oberhaupt der Gemeinde: „Sie will gestalten, ihre Ideen und Erkenntnisse einbringen und neue Impulse setzen.“

Warum Dišlere-Musta angesichts ausgeschriebener Pfarren in ganz Österreich jene im Waldviertel mit nur knapp über 600 regional weit verstreuten Gläubigen übernehmen will?

„Von außen betrachtet gibt es vielleicht attraktivere Stellen“, sagt sie: „Ich habe aber in den drei Jahren die Menschen und die Mentalität hier schätzen gelernt, ich sehe eine gute Entwicklung der Region und der Pfarre.“ Dass die Zeit der Vakanz für ihre Ausbildung ohne Probleme bei Gottesdiensten, Taufen, Beerdigungen oder Veranstaltungen zum Reformationsjahr 2017 ablief, wertet sie als Bestätigung für den Zusammenhalt. Sie will das Angebot für Kinder, Jugendliche und Familien sowie musikalische Ereignisse in Predigtstationen forcieren, die Ökumene pflegen, und die Gemeinschaft durch Bibelkreise und weitere Arbeitskreise stärken.
Verfasst am: 25.06.18, 13:53