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Titel: Bünker betont gemeinsame Verantwortung von Juden und Christen
Autor: MB
Quelle: www.kathpress.at vom 31.10.2018

Evangelischer Bischof bei Radiogottesdienst zum Reformationstag aus Wien-Favoriten: "Unsere Religionen verpflichten uns, Fremde zu lieben, die Schöpfung zu bewahren und eine gerechte Gesellschaft zu gestalten" - Bischof erschüttert über Amoklauf im US-amerikanischen Pittsburgh

Auf die enge Verbindung von Christen und Juden hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker anlässlich des diesjährigen Reformationstages am Mittwoch hingewiesen. "Gemeinsam wollen wir - Juden und Christen - eine starke Stimme für die Menschenfreundlichkeit und für ein gutes Zusammenleben in der heutigen Gesellschaft sein", sagte Bünker im Rahmen eines live in den ORF-Radios übertragenen Gottesdienstes in der evangelischen Christuskirche in Wien-Favoriten. "Unsere Religionen verpflichten uns, Fremde zu lieben, die Schöpfung zu bewahren und eine gerechte Gesellschaft zu gestalten."

Damit nahm Bünker auch Bezug auf eine Erklärung, die der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und die Israelitische Kultusgemeinde Wien kürzlich veröffentlicht hatten, um an die nationalsozialistischen Novemberpogrome zu erinnern, die sich dieses Jahr zum 80. Mal jähren.

Der Apostel Paulus habe die Botschaft vermittelt, so Bünker in seiner Predigt, dass Christus für alle da sei: "Alle Unterschiede sind in ihm aufgehoben, alle religiösen, alle sozialen, alle ethnischen Unterschiede trennen nicht mehr. Auch die Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden sind für ihn aufgehoben." Dennoch habe Paulus sein Ziel nicht erreicht. Vielmehr habe sich das Christentum bald von seinen jüdischen Wurzeln gelöst, ein christlicher Antijudaismus sei entstanden, dem auch der Reformator Martin Luther verfiel. Historisch habe dieser christliche Antijudaismus in einen rassischen Antisemitismus geführt: "Deshalb wissen wir uns als Christinnen und Christen, als Kirche, auch mitschuldig und mitverantwortlich an dem Menschheitsverbrechen der Shoah, der millionenfachen Ermordung von jüdischen Frauen, Männern und Kindern im Nationalsozialismus."

Aufruf zur Wachsamkeit

Mit Blick auf die aktuellen Ereignisse im US-amerikanischen Pittsburgh, wo ein Amokläufer am Samstag elf Menschen während eines Gebets in einer Synagoge ermordet hatte, zeigte sich Bünker "erschüttert und empört, dass es auch heute wieder zu antisemitischen Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden kommt." Gleichzeitig rief er zur Wachsamkeit auf: "Es beginnt mit Worten, mit Naziliedern und Schmieraktionen und endet mit schrecklichen Taten." Abschließend forderte der Bischof "eine Kultur, die sich Ausgrenzung und Hass, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenstellt".

Gemeinsam mit Bischof Bünker feierten den Gottesdienst in der Christuskirche Ortspfarrer und Senior Michael Wolf und Pfarrerin Heike Wolf. Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Chor der Studienrichtung Kirchenmusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien unter der Leitung von Ingrun Fussenegger gestaltet.
Verfasst am: 05.11.18, 11:50
Titel: „Mechaye Hametim“: Christliches Pogromgedenken im November
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 30.10.2018

Ökumenischer Gottesdienst und „Nacht der Erinnerung“ in der Ruprechtskirche

Zum Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Novemberpogrome des Jahres 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Wien veranstalten auch heuer mehrere christliche und jüdische Organisationen gemeinsam unter dem Titel „Mechaye Hametim – Der die Toten auferweckt“ eine Reihe von „Bedenktagen“. In Erinnerung an die Ereignisse am 9. und 10. November vor 80 Jahren finden bis 21. November zahlreiche Veranstaltungen statt. Im Zentrum steht ein ökumenischer Gottesdienst am Freitag, 9. November (19 Uhr) in der Wiener Ruprechtskirche, an dem hochrangige Repräsentanten der Kirchen teilnehmen werden. Redebeiträge kommen von Bischof Michael Bünker und Vertretern der römisch-katholischen sowie der orthodoxen Kirche. Anschließend ist ein Schweigegang zum Mahnmal für die jüdischen Opfer der Shoah auf dem Judenplatz vorgesehen. In der Nacht vom 9. auf den 10. November waren im ganzen nationalsozialistischen Deutschland in einer geplanten Aktion Synagogen, jüdische Einrichtungen und Geschäfte zerstört sowie Jüdinnen und Juden getötet, verletzt oder verschleppt worden.

Evangelische Akademie: Zur Geschichte des christlichen Antisemitismus

Dem jahrhundertealten christlichen Antijudaismus ist eine Podiumsdiskussion unter dem Titel „Von Gottesmördern und Brunnenvergiftern“ gewidmet. Am Mittwoch, 6. November (19 Uhr), tauschen sich dazu im Wiener Albert-Schweitzer-Haus die evangelische Religionspädagogin Julia Spichal, der Wiener Judaistik-Professor Gerhard Langer sowie Nikolaus Rappert, Pfarrer der orthodoxen deutschsprachigen Gemeinde in Wien, aus; es moderiert Martin Jäggle vom christlich-jüdischen Koordinierungsausschuss. Im Blickfeld liegen laut Ankündigung sowohl die Wurzeln eines der „ältesten Vorverurteilungskomplexe“ als auch dessen Wiederaufleben in den gegenwärtig wieder zunehmenden Formen des Antisemitismus.

Über die beiden „unverwechselbaren Berufungen“ von ChristInnen und JüdInnen spricht Martin Jäggle dann am Donnerstag, 8. November, um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum der römisch-katholischen Pfarrgemeinde Gersthof. Der Wiener katholische Theologe wird dabei auf die jüdisch-orthodoxe Antwort auf das wegweisende Konzilsdokument „Nostra Aetate“ eingehen, die von einer internationalen orthodoxen rabbinischen Kommission 50 Jahre nach dessen Erscheinen im Jahr 1965 erarbeitet wurde.

Nacht der Erinnerung in der Ruprechtskirche

In der Nacht vom 9. auf den 10. November findet nach dem ökumenischen Gottesdienst in der Ruprechtskirche auch eine „Nacht der Erinnerung“ mit kulturellen Akzenten statt. Die ganze Nacht über soll in Texten, Musik und Stille der Gewalt vor 80 Jahren gedacht werden. Margarete Rabow zeigt ihren Film „66.000“ und spricht über ihr Projekt „Schreiben gegen das Vergessen“, bei dem die Namen der 66.000 österreichischen Schoah-Opfer in der Prater-Hauptallee mit Kreide aufgeschrieben wurden. Liedermacher Hans Breuer (WanDeRer) singt jüdische Lieder von Vertreibung und Verfolgung. Das Programm endet um 6 Uhr.

Auch der Schule als Vertreibungsort wird gedacht: Am Dienstag, 13. November, um 18.30 Uhr spricht die römisch-katholische Theologin Renate Mercsanits im Theologie-Institutsgebäude der Universität Wien über vertriebene jüdische Lehrer und Schüler 1938 an Wiener Gymnasien.

Einen abschließenden Überblick über „das Novemberpogrom in Wien“ gibt am Mittwoch, 21. November, um 19 Uhr der Historiker Martin Krist im Bezirksmuseum Josefstadt. Dort wird am Sonntag, 4. November, auch die Ausstellung „Jüdische Josefstadt ab 1848“ eröffnet.
Verfasst am: 31.10.18, 11:18