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Titel: Neues Buch sammelt grundlegende Texte von Michael Bünker
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 3.7.2019

„Glauben im Rhythmus der Hoffnung“ in Wien präsentiert

Wien (epdÖ) – Fast zwölf Jahre war Michael Bünker als Bischof die Stimme der evangelisch-lutherischen Kirche in der Öffentlichkeit. Trotz aller Termine und Statements zum Tagesgeschehen ist dabei auch Zeit für Grundsätzliches geblieben: Die Frucht davon ist in einem jetzt erschienen Band nachzulesen, der ihm Rahmen des Abschiedsfestes für Bünker am Samstag, 29. Juni, in Wien präsentiert wurde. Versammelt sind darin „Grundsatzvorträge, Predigten, Rundfunkansprachen, Meditationen und Sachbeiträge“, die sich Themenschwerpunkten wie Europa, Reformation oder Glauben widmen.

So schreibt Bünker etwa im Reformationsjahr 2017, anlässlich einer Konferenz in der Slowakei: „Das Reformationsjubiläum hat uns deutlich gemacht, welcher Schatz uns anvertraut ist. […] Es geht nicht mehr darum, in der Diaspora zu leben, sondern Diaspora zu sein… Samen, Aussaat und Saat zu sein – kurzum: Menschen zu sein, die das Evangelium aussäen.“ Bünker schreibt aber nicht nur optimistisch, er analysiert auch realistisch: „Unserer Gesellschaft ist offensichtlich die Zukunft abhanden gekommen. Für viele in den wohlhabenden Ländern des Nordens, so auch in Österreich, besteht das Maximum an Erwartung darin, dass der Status Quo erhalten bleibt oder die Bedingungen ihres Lebens nicht eklatant schlechter werden. Eine solche Erwartungshaltung will Gegenwart in Permanenz, hat aber keine Hoffnungsbilder für die Zukunft.“ Gegründet bleiben diese Reflexionen und Analysen jedoch immer im Glauben als „eine Bewegung, eine Beziehung, ein Ausgerichtet-Sein und Ausgestreckt-Bleiben von sich weg zu einem anderen hin“. Wer glaubt, so Bünker bei einem Vortrag in Graz, sei „aus sich selbst herausgenommen, ist außer sich und entdeckt sich neu als der, der durch Gottes Gnade in Jesus Christus als neuer Mensch konstituiert ist“.

„Treffsicher, mit einer Leichtigkeit daherkommend, weltgewandt, und doch der Heimat verbunden, süffisant und blitzgescheit“ beschrieb Mitherausgeber und GEKE-Generalsekretär Mario Fischer bei der Präsentation in Wien die Schriften Bünkers. Immer wieder verstehe es Bünker, als Schreibender wie als Gesprächspartner, „den Horizont zu weiten“. Ausgewählte Passagen aus dem Sammelband las Susanne Rossouw-McGuinness.

Neben den Texten findet sich in dem Band eine Bibliographie aller Veröffentlichungen Bünkers seit dem Jahr 1981. Herausgegeben wurde das im Tyrolia-Verlag erschienene Buch „Glauben im Rhythmus der Hoffnung“ von Mario Fischer, Nachfolger Bünkers als Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, Bünkers persönlicher Referentin Charlotte Matthias, Oberkirchenrat Karl Schiefermair und dem Kirchenhistoriker Karl Schwarz. Erhältlich ist das Buch beim Evangelischen Presseverband online unter shop.epv-evang.at, per Mail unter shop@evang.at sowie im Buchhandel.
Verfasst am: 09.07.19, 10:31
Titel: Bünker: Gelassener Blick in die Zukunft
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 3.7.2019

Vor Journalisten: Europa, Gemeinden und Reformationsjubiläum als Höhepunkte

Wien (epdÖ) – Nach zwölf Jahren Amtszeit hat Michael Bünker am Samstag, 29. Juni, Abschied als Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche genommen. Wenige Tage zuvor hatte er im Rahmen eines Medienheurigen im Gespräch mit Journalisten Bilanz über seine Zeit im Amt gezogen. Als Highlights nannte Bünker den europäischen Blick als Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa, den Besuch in fast allen evangelischen Gemeinden Österreichs und das Jahr des Reformationsjubiläums 2017.

Der „europäische Blick“

Die Funktion in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) „war sehr wichtig, weil es neu für mich war, für den Bischof einer kleinen Minderheitskirche in einem traditionell provinziellen Land wie Österreich, einen europäischen Blick gebracht hat, und für den bin ich sehr dankbar“. Für die Zukunft wünsche er sich jedenfalls „mehr Europa“, nicht weniger, wie es viele forderten. Auch die Kirchen bräuchten diese „europäische Dimension“.

Fast alle evangelischen Gemeinden einmal besucht

Zugleich betont Bünker die Rückbindung an die rund 200 evangelischen Gemeinden in Österreich, die er fast alle zumindest einmal besucht habe: „Die Unterschiedlichkeit der evangelischen Gemeinden ist hier wirklich sehr groß. Eine Gemeinde im südlichen Burgenland zu vergleichen mit einer Großstadtgemeinde in Wien und die zu vergleichen mit Gmünd im Waldviertel oder Landeck im Westen Tirols – das geht fast nicht.“ Und doch seien alle Gemeinden getragen von zahlreichen Ehrenamtlichen, deren Engagement nicht zuletzt im Jahr der großen Flüchtlingsbewegungen 2015 gut sichtbar geworden sei: „Das finde ich großartig.“

„2017 war sensationell“

Ebenso großartig war für Bünker das Reformationsjubiläum vor zwei Jahren: „2017 war sensationell!“ Zum einen wegen der großen Zahl an Veranstaltungen, die nicht nur in Anbindung an die offizielle Kirche im ganzen Land stattfanden, zum anderen aber auch durch die Erfahrung, was Martin Luthers Thesenanschlag vor 500 Jahren für die Gegenwart bedeute: „Wir haben versucht zu zeigen, es gibt eine Form, Religion zu leben, die weder die religiösen Menschen selber noch andere unterdrückt, sondern die Freiheit ermöglicht und fördert und die Verantwortung stärkt.“

Gelassener Blick in die Zukunft

Der Zukunft der Kirchen bewertet Bünker positiv, auch wenn er eine Neudefinition des kirchlichen Selbstverständnisses erwartet – Stichwort Diaspora: „Wir gehen nicht mehr davon aus, die überwiegende Mehrheit in einem Land zu sein. Die katholische Kirche in Österreich verabschiedet sich ja auch Zug um Zug davon.“ Die zahlenmäßige Minderheit stelle freilich vor neue Herausforderungen, weil man sie kombinieren müsse mit einem Engagement fürs Ganze in der Gesellschaft: „Die Kirchen wollen ja immer fürs Ganze etwas tun, nicht nur für die eigenen Leute.“

Seiner eigenen Zukunft sieht Bünker gelassen entgegen: „Luther schreibt an Melanchthon: Gott dienen wir am Besten durch Nichtstun! Ich lasse die Zukunft auf mich zukommen.“

Michael Bünker ist seit 2008 Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, von 2007 bis 2018 war er zudem Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa. Davor war er Oberkirchenrat, Direktor der Evangelischen Religionspädagogischen Akademie und Pfarrer in Wien-Floridsdorf. Ende August tritt Bünker in den Ruhestand. Ihm folgt am 1. September Michael Chalupka im Bischofsamt nach. Der frühere Diakonie-Direktor wurde am 4. Mai von der Synode zum neuen Bischof gewählt.
Verfasst am: 09.07.19, 10:30