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Titel: Schritt Richtung Gleichberechtigung: Öffentlicher Segnungsgottesdienst für alle
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 13.3.2019

Bischof Bünker: „Bin stolz auf diese Kirche!“ – Synode A.B. findet Kompromiss nach langer Debatte

Wien (epdÖ) – Einen „wesentlichen Schritt in Richtung Gleichberechtigung homosexueller Paare“ setzt die Evangelisch-lutherische Kirche, wie der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker erklärt. Am Samstag, 9. März, einigte sich die Synode A.B. in Wien mit einer Mehrheit von 45 zu 18 Stimmen darauf, gleichgeschlechtlichen Paaren eine Segnung in einem öffentlichen Gottesdienst zu ermöglichen. Voraussetzung dafür ist eine standesamtlich geschlossene Ehe. Die Evangelische Kirche versteht diese Verbindung als „eheanalog“ und hält am „Verständnis der Ehe als der auf lebenslange Treue angelegten Lebensgemeinschaft von Mann und Frau“ fest. Diese sei in der Heiligen Schrift und dem kirchlichen Bekenntnis begründet, heißt es in dem Beschluss der Synode.

„Ich bin persönlich zufrieden mit diesem Beschluss“, sagte der Bischof. Der Kompromiss verdiene großen Respekt. „Dass viele mitgestimmt haben, die ursprünglich skeptisch waren – sonst hätten wir nicht die Zweidrittelmehrheit erreicht – zeigt, dass der Diskussionsprozess gut verlaufen ist“, meinte der Bischof weiter, „ich bin stolz auf diese Kirche!“

Künftig gibt es somit einen Dank- und Segnungsgottesdienst anlässlich der Eheschließung von Mann und Frau und einen Dank- und Segnungsgottesdienst anlässlich einer vor dem Staat als Ehe geschlossenen und von der Kirche als „eheanalog“ gewürdigten gleichgeschlechtlichen Partnerschaft.

Auch für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare werden zentrale Elemente des christlichen Eheverständnisses geltend gemacht: „Freiwilligkeit, ganzheitliche personale Zuwendung, lebenslange Treue, wechselseitige Fürsorge und Verlässlichkeit in guten wie in schlechten Zeiten.“ Für eingetragene Partnerschaften wird es die öffentliche Segnung im Gottesdienst nicht geben, ihnen steht wie bisher die Segnung im seelsorgerlichen Rahmen offen.

Bei diesem Thema „gibt es keinen Zwang“, sagte Bünker weiter. Dass ein Gottesdienst für homosexuelle Paare grundsätzlich in einer Pfarrgemeinde stattfinden kann, muss in der Gemeindevertretung zuvor beschlossen werden. Zusätzlich wird „die individuelle Gewissensentscheidung von Pfarrerinnen und Pfarrern, Lektorinnen und Lektoren für oder gegen Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare respektiert“, hält das Kirchenparlament fest.

Den Beschluss der Synode und den Bericht des theologischen Ausschusses finden sie auf https://evang.at/homosexualitaet
Verfasst am: 14.03.19, 09:26
Titel: Amtseinführung der Mitglieder von Oberkirchenrat und Synodenpräsidium
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 13.3.2019

Starke Frauen im Zentrum des Eröffnungsgottesdienstes der Synode am internationalen Frauentag

Wien (epdÖ) – Starke Frauenfiguren standen am internationalen Frauentag im Mittelpunkt des Eröffnungsgottesdienstes der Synode der Evangelisch-lutherischen Kirche. Bei der Feier in der Wiener Donaucitykirche wiesen am Freitag, 8. März, Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell und Gisela Malekpour, Vizepräsidentin der Synode und niederösterreichische Superintendentialkuratorin, auf die Bedeutung der Gleichstellung von Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen hin: „Gott traut uns zu, die gläserne Decke auf der Karriereleiter zu durchstoßen. Es sind Menschen, die uns daran hindern“, sagte Malekpour. Eine vielfältige Entwicklung zu einer pluralen Gesellschaft sei nur möglich, „wenn alle, ohne Ansehen von Geschlecht, Hautfarbe, sexueller Ausrichtung oder Herkunft, die Chance bekommen, ihre Fähigkeiten zum Wohle aller einzubringen“. Gott bestärke „uns Frauen mit seiner Zusage, für uns selbst, die Menschen und das Gute einzustehen“.

Zuvor hatten Herrgesell und Malekpour in einem Streifzug durch Bibel und Geschichte an Frauen erinnert, die sich getraut hätten, „Dinge zu sagen oder zu tun, die nicht der Linie entsprachen, die die jeweils Mächtigen vorgaben“. Dadurch hätten sie vieles zur Veränderung in Gesellschaft und Kirche beigetragen, wie Herrgesell betonte. Die Rede war dabei etwa von der antinationalsozialistischen Widerstandskämpferin Sophie Scholl, der Grazer Theologin Margarete Hoffer, die als eine der ersten Frauen in Österreich Theologie studierte und jüdische Menschen rettete, der „außergewöhnlichen“ Theologin Dorothee Sölle, „die sich nie abbringen ließ vom eigenen Weg“ oder von Maria von Magdala, die trotz aller Anfeindungen an ihrem Glauben festhielt und zur Zeugin der Auferstehung Jesu wurde.

„Vieles dieser mutigen, einsatzbereiten und bedingungslosen Nachfolge findet man heute bei vielen Frauen bei ihrer engagierten Arbeit und ihrem Einsatz in und für unsere Pfarrgemeinden“, unterstrich Herrgesell. Sie besuchten Alte und Kranke, inkludierten Menschen mit besonderen Bedürfnissen, setzten sich für Haftentlassene oder Flüchtlinge ein, hielten Gottesdienste, organisierten Sitzungen und leiteten Gremien.

Im Rahmen des Gottesdienstes wurden die im Dezember neu gewählten Mitglieder des Oberkirchenrates – Dieter Beck, Gerhild Herrgesell und Günter Köber – sowie die Mitglieder des Synodenpräsidiums – Gisela Malekpour und Birgit Meindl-Dröthandl – durch Bischof Michael Bünker in ihre Ämter eingeführt. Synodenpräsident Peter Krömer konnte aufgrund einer kurzfristigen Erkrankung nicht am Gottesdienst teilnehmen.

„Ins Präsidium der Synode und in den Oberkirchenrat kommen Menschen durch Wahl, dadurch dass sie gewählt werden und sich wählen lassen“, sagte Bischof Michael Bünker, dem bei der Amtseinführung Pfarrerin Marianne Fliegenschnee, Superintendentialkuratorin Petra Mandl und Oberkirchenrat Klaus Heussler assistierten. Viele Evangelische hätten in der Geschichte „keine Wahl“ gehabt, erinnerte der Bischof, wenn sie vor die Alternative „Glaube oder Heimat“ gestellt wurden. Flucht, Vertreibung und Migrationserfahrungen begleiteten zahlreiche evangelische Familien. „Diese Erinnerung tragen wir mit uns und in uns, sie lässt uns eintreten für religiöse Vielfalt, Toleranz und gegenseitige Anerkennung. Sie kann uns sensibel machen für Minderheiten“, sagte der Bischof, und in Anspielung auf die aktuelle Debatte um den Karfreitag meinte er: „Uns wird das Mindere der Minderheit bewusst, wenn man uns als vernachlässigbare Minderheit behandelt.“

Die Liturgie des Gottesdienstes gestaltete Oberkirchenrätin Ingrid Bachler. Musikalische Beiträge kamen vom Bläserquartett der Johann Sebastian Bach Musikschule Wien mit Jakob Gollien, Alexander Jank, Thomas Zsivkovits und Martin Grünzweig. An der Orgel war Diözesankantorin Yasuko Yamamoto zu hören.

Bilder vom Eröffnungsgottesdienst und von der Synode finden Sie unter foto.evang.at
Verfasst am: 14.03.19, 09:24