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Titel: Gallneukirchen: Gedenkstätte für Diakonissen im Haus Bethanien
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 12.6.2019

Lebensgeschichten von 318 Frauen seit Gründung 1877

Gallneukirchen (epdÖ) – Eine Gedenkstätte am Evangelischen Friedhof in Gallneukirchen erinnert seit Dienstag, 11. Juni, an das Wirken der Diakonissen-Schwesternschaft im Gallneukirchner Mutterhaus Bethanien. Die Namen von 318 Diakonissen und Diakonischen Schwestern seit der Gründung des Hauses Bethanien im Jahr 1877 sind in einem Band aus Marmor eingefasst, das die Bildhauerin Gabriele Berger gestaltet hat. Die Lebensgeschichten der Frauen sind über einen QR-Code und auf www.diakoniewerk.at/diakonissen nachzulesen. Derzeit wohnen noch vier Diakonissen – die ehelos leben – und vier Diakonische Schwestern in Gallneukirchen. Neben den Namen der Frauen findet sich auf dem Denkmal der Spruch: „In Christo gilt der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.“

„Wir sind dankbar und wir staunen, wie sehr wir aus den Wurzeln der Schwesternschaft leben und uns ihr ‚Spirit‘ in die Zukunft treibt“, sagte Rainer Wettreck, Vorstand des Diakoniewerks Gallneukirchen, laut einer Aussendung im Rahmen der Eröffnung. „Die Diakonissen haben spürbar gemacht, welche enorme Kraft frei wird, wenn Menschen ihre Berufung entdecken, wenn es einen gemeinsamen einzigartigen Sinn und Auftrag gibt. Mit dieser Gedenkstätte wollen wir diese Wurzeln spürbar machen und den Geist weitertragen.“

Ziel des Projekts sei es nicht allein gewesen, die individuellen Lebens- und Wirkungsgeschichten der 318 Diakonissen aufscheinen zu lassen, sondern den Gedanken der „Berufung zur Gemeinschaft für Andere und mit Anderen“ im Heute und Morgen zu stärken, heißt es in der Aussendung weiter. Das Denkmal sei ein Ort für die Besucherinnen und Besucher des Friedhofs, „aber auch eine Informations- und Identitätsstätte des Diakoniewerks und der Diakonie, die das Gedankengut der Diakonissen bewahrt“.
Verfasst am: 14.06.19, 09:39
Titel: Die Protestanten sind in Tirol angekommen
Autor: MB
Quelle: www.tt.com vom 11.6.2019

Vor 150 Jahren gründeten 16 Protestanten in Innsbruck eine Glaubensgemeinschaft, was Widerstände und sogar die Auflösung des Landtags zur Folge hatte. Heute fühlt sich die evangelische Gemeinschaft hier wohl.

Von Denise Daum

Innsbruck – Die Protestanten stießen auf Protest. Auf heftigen Protest. Heute ist es kaum mehr vorstellbar, dass das Bekanntwerden der Gründung der evangelischen Pfarrgemeinde nicht nur auf Widerstand stieß, sondern 1876 sogar den Landtag sprengte.
Bereits 1869 haben 16 Männer die „protestantische Glaubensgenossenschaft Innsbruck“ gegründet – rund 30 Evangelische zählte Nordtirol damals. Eigentlich war das in Tirol per Landesgesetz verboten. Der Kultusminister in Wien hob dieses Gesetz jedoch auf, weil es im Widerspruch zum kaiserlichen Protestantenpatent von 1861 stand, und genehmigte die Gründung der evangelischen Gemeinden Innsbruck und Meran. Als das in Tirol bekannt wurde, kam es zu den eingangs erwähnten Zuständen. „Diese Genehmigung war der Auslöser, dass (...) die Mehrheit der Abgeordneten tumultartig unter Protest den Sitzungssaal im Innsbrucker Landhaus verließ und damit den Landtag sprengte. Der Kaiser war über diesen Boykott empört und löste die Tiroler Volksvertretung auf. Erst ein Jahr später sollte ein neuer Landtag gewählt werden“, schreibt Oswald Keiler in der Festschrift „125 Jahre Evangelisch in Tirol“ von 2001.
Das alles ist mittlerweile vergeben und vergessen. Die protestantische Glaubensgemeinschaft ist angekommen. Man pflege ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu den öffentlichen Stellen, betont Superintendent Olivier Dantine. Die evangelische Kirche kämpft heute vielmehr mit dem gesellschaftlichen Bedeutungsverlust der Kirche. Es sei immer schwieriger, eine Beziehung zu den Menschen aufzubauen, erklärt Dantine. „Die Bereitschaft, sich zu binden, hat grundsätzlich abgenommen, das betrifft auch Parteien und Gewerkschaften.“ Die Kirche versuche deshalb, einen Kontrast zu der Leistungsgesellschaft und Antworten auf aktuelle gesellschaftliche Fragen zu bieten. So sieht Dantine die Öffnung der evangelischen Kirche in Österreich für gleichgeschlechtliche Paare als wichtiges Signal. Homosexuellen ist seit Kurzem eine Segnung in einem Gottesdienst erlaubt.

In Innsbruck gibt es mit der Christuskirche und der Auferstehungskirche zwei evangelische Pfarrgemeinden, die Heimat für Protestanten aus Innsbruck und Innsbruck-Land sind und zusammen 5600 Mitglieder zählen.
Das Jubiläum wird am kommenden Sonntag ganztägig in der Christuskirche und am Martin-Luther-Platz mit einem Gottesdienst und einem großen Fest begangen. Die Feier steht unter dem Titel „Ewige Baustelle – 150 Jahre protestantische Glaubensgenossenschaft Innsbruck“. Die durchaus Aufsehen erregende Titelgebung möchte Pfarrer Werner Geißelbrecht von der Christuskirche natürlich auch mit einem Augenzwinkern verstanden wissen. „Während der Festlegung des Programms für die Jubiläumsfeier haben wir die Information der Stadt Innsbruck über die großangelegte Baustelle direkt vor der Kirche bekommen“, wie er erklärt. Geißelbrecht sieht in dem Titel aber was Positives und Passendes: „Kirche ist in Bewegung und muss sich immer wieder erneuern.“ Das lebt der Pfarrer auch in seiner Kirche und geht auf die Bedürfnisse der Gläubigen ein. „Wenn man ausschließlich am Gottesdienst am Sonntag um 9.30 Uhr mit Orgel festhält, wird das langfristig nicht funktionieren“, ist Geißelbrecht überzeugt.
Verfasst am: 11.06.19, 12:18