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Titel: „Fröhlich, was da lebt in Ost und West“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 26.6.2019

Gustav-Adolf-Feste von Burgenland bis Vorarlberg

Die traditionellen Gustav-Adolf-Feste der österreichischen evangelischen Diözesen gingen an den vergangenen beiden Wochenenden über die Bühne. „Fröhlich, was da lebt in Ost und West“ hieß es dabei ganz im Osten, im burgenländischen Rechnitz. Hier erinnerte am Fronleichnamstag, dem 20. Juni, die Präsidentin des deutschen Gustav-Adolf-Werks, Gabriele Wulz, an die weltweite Vernetzung des Protestantismus. Diesen zeichne eine „Grenzen überschreitende Freude und Vergnügtheit“ aus. Gott setze ins Werk, „dass es Orte auf dieser Erde gibt, die Orte der Hoffnung sind“.

Die „wunderbare Vielfalt“ der Traditionen des österreichischen Protestantismus hob der designierte Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Michael Chalupka, in seinem Statement vor rund 1.000 FestbesucherInnen hervor. Diese Vielfalt sei eine Bereicherung und solle sichtbar gemacht werden. Daher sei es „wichtig, dass wir uns mit der Karfreitagsfrage befassen“. Es gehe nicht an, dass man nach der Abschaffung des Feiertages sage, für die Mehrheit der österreichischen Bevölkerung ändere sich nichts. „Wir werden uns das noch einmal anschauen müssen“, sagte Chalupka.

Die ökumenische Verbundenheit des burgenländischen Protestantismus betonte der burgenländische Superintendent Manfred Koch in seiner Schlussandacht: „Wir gehen gemeinsam auf das Kreuz zu.“ Beim Gustav-Adolf-Fest seien Menschen zusammengekommen, „um ihren Glauben zu feiern“. Der Superintendent rief dazu auf: „Machen wir anderen den Mund wässrig, mitzufeiern!“

Der burgenländische Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, der wie zahlreiche LandespolitikerInnen das Fest besuchte, erklärte zur Frage nach dem Unterschied zwischen dem Leben in Ost und West, überall lebten Menschen mit gleichen Zielen wie gutes Leben, Erfolg und gute Altersversorgung. Daher seien Ost und West im Grunde genommen „gar nicht so unterschiedlich“.

Baustellen in Innsbruck

Auf 150 Jahre „Baustelle“ schauten die Evangelischen am 16. Juni in Tirol zurück. Damals hatten in der Landeshauptstadt 16 Männer mit ihren Familien die „protestantische Glaubensgemeinschaft Innsbruck“ gegründet – eine kleine Staatsaffäre im tiefkatholischen Tirol, wie Superintendent Dantine in seiner Festpredigt betonte: „Ein mutiger Schritt, als hätten sie gesehen, was wir heute sehen: Evangelische Gemeinden und Einrichtungen, ohne die Tirol ärmer wäre.“ Und Dantine zog Parallelen zur gegenwärtigen Situation von Fremden im Land: „Zum Heimat finden gehört auch eine religiöse Beheimatung. Wird einem die verwehrt, ist die Integration in die neue Heimat umso schwieriger!“

Das Fundament für den Bau der Kirche der Zukunft sah Ulrike Swoboda, Vikarin der Innsbrucker Christuskirche, in den Frauen. „Ich weiß, dass ein wichtiger Baustein unserer Baustelle Kirche die Frauen sind“, sagte die Vikarin der Innsbrucker Christuskirche. Ihre Arbeit sei für die Kirche genauso tragend wie Dialog und Gebet: „Kirche wächst einfach anders. Nicht durch Geld, durch steigende Mitgliederzahlen und schon gar nicht an Professionalität. Es ist das Vertrauen, das wächst und das wachsen lässt.“

Aufbruch in Oberösterreich

Eine „Kirche im Aufbruch“ feierten die rund 650 Gäste des Evangelischen Kirchentages am 20. Juni im oberösterreichischen Wallern, das diesmal gemeinsam mit Eferding für das traditionelle Fest verantwortlich zeichnete. „Aufbruch ist an sich normal für das wandernde Volk Gottes“, sagte Pfarrerin Gabi Neubacher aus Attersee in ihrer Predigt in der vollen Dreieinigkeitskirche. „Lasst uns aufbrechen, zueinander hin, zu den Menschen und zu Gott. Aus ihm kommt und lebt der Glaube, er ist Inspirationsquelle der Freude. Nehmen wir uns doch Zeit zum Hinhören! Es gilt, Zeichen zu setzen. Das kostet Überwindung, Zeit, Kraft, Mut und Demut, aber es lohnt sich.“ Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander hob die „Bildungsrevolution“ hervor, die durch die evangelische Kirche initiiert worden sei. Die Kirche biete ein engmaschiges soziales Netz, der Glaube sei „ein verlässlicher Partner“. Mehrere Workshops folgten auf die eigenen Gottesdienste für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, ein Bubblesoccer-Turnier stand ebenso auf dem Programm wie „Comedy und Message“ mit Oliver Hochkofler und Imo Trojan.

Schätze in Wien

In der Erlöserkirche in Wien-Leopoldau feierten am 16. Juni rund 250 Gläubige. Hier drehte sich alles um Schätze, unter anderem in einer Bibliodrama-Performance des Floridsdorfer Pfarrers Bernhard Petri-Hasenöhrl.

Das niederösterreichische Gustav-Adolf-Fest am 20. Juni knüpfte mit seinem Motto „Glaube bewegt – Bewegter Glaube“ an die aktuelle Landesausstellung in Wiener Neustadt an, die sich Geschichte und Zukunft der Mobilität widmet. Gefördert wurde auch die eigene körperliche Mobilität bei Megakicker und Orientierungslauf.

Führungen durch das evangelische Knittelfeld standen am selben Tag in der Steiermark auf dem Programm, wo die Evangelischen unter den Worten „Seid aber Täter des Worts und nicht Hörer allein“ zusammengekommen waren. Bei einem „christlichen Quiz“ galt es, die eigene Bibelfestigkeit unter Beweis zu stellen.

„Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen“, hieß es dagegen in Arnoldstein in Kärnten. Hier wurde am 20. Juni zugleich das 50-jährige Bestehen der Arnoldsteiner Auferstehungskirche gefeiert. Kutschenfahrten und Wanderungen sorgten ebenso für eine besondere Stimmung wie poetische Lesungen aus Rainer Maria Rilkes Stundenbuch.

Vorarlberg hatte bereits am 16. Juni gefeiert und dabei auch ein neues Gemeindezentrum in Dornbirn eröffnet.
Verfasst am: 09.07.19, 10:27
Titel: Kurz über
Autor: MB
Quelle: https://derstandard.at vom 17.6.2019

FPÖ kritisiert "sektenähnliches Verhalten", Liste Jetzt fordert Distanzierung von Awakening Europe

Altkanzler Sebastian Kurz hat seine Teilnahme am evangelikalen Großevent Awakening Europe verteidigt. Er selbst habe "nichts Verwerfliches gesagt", meinte der ÖVP-Chef bei einer Pressekonferenz am Montag. Vom "Segensgebet" des Predigers Ben Fitzgerald sei er selbst überrascht gewesen: "Ich wusste davon nichts." Kritik an dem Gebet für Kurz kommt vom evangelischen Bischof Michael Bünker."Wer das Video sieht, sieht mir vielleicht an, dass ich etwas überrascht und starr reagiert habe für meine Verhältnisse", sagte Kurz. Er sei immer wieder bei Religionsgemeinschaften zu Gast gewesen – bei Juden, Christen, beim islamischen Fastenbrechen – und habe am Sonntag gemeinsam mit Kardinal Christoph Schönborn an einer ökumenischen Veranstaltung in der Stadthalle teilgenommen. Den australischen Pastor habe er vorher nicht gekannt.

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker hat sich indessen von der Veranstaltung distanziert. Die evangelischen Kirchen in Österreich seien nicht an dem Event beteiligt gewesen, betonte er in einer Aussendung. Es sei "selbstverständlich, dass wir für alle politischen Amtsträgerinnen und Amtsträger beten. Die Bibel beauftragt uns, sie ins Gebet zu nehmen". Dabei sei jedoch die Unterscheidung von Religion und Politik wichtig. "Es muss der Eindruck vermieden werden, dass dadurch einseitig Stellung genommen wird", warnte Bünker. Religion dürfe nicht für politische Zwecke missbraucht werden.Schärfere Worte fand Liste-Jetzt-Abgeordneter Peter Pilz: "Es ist peinlich, wenn sich ein Altkanzler an fundamentalistische religiöse Sekten anbiedert und für sich beten lässt. Gefährlich wird es, wenn er den Religionskampf dieser Sekten unterstützt", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber der APA. Pilz forderte von Kurz eine klare Distanzierung von den Zielen von Awakening Europe.Trennung von Kirche und Staat gefordert"Sehr befremdlich" findet auch die FPÖ den gemeinsamen Auftritt von Kurz und Prediger Fitzgerald. "Mit diesem sektenähnlichen Verhalten wurde eine klare Grenze überschritten. Wenn jemand wie Fitzgerald nach einer Drogendealerkarriere behauptet, Jesus getroffen zu haben, und dann 10.000 Menschen in der Wiener Stadthalle auffordert, Sebastian Kurz zu huldigen, ist das nicht nur peinlich, sondern bedenklich", so Generalsekretär Christian Hafenecker in einer Aussendung. Er erinnerte Kurz daran, dass in Österreich die Trennung von Staat und Kirche gelebt werde. "Ein Spitzenpolitiker sollte sich daher für eine solche Aktion nicht hergeben", befand Hafenecker. Kurz hatte am Sonntag im Rahmen des religiösen Großevents "Awakening Europe" in der Wiener Stadthalle ein "Segensgebet" des evangelikalen Predigers Ben Fitzgerald entgegengenommen.Katholische Kirche versteht Aufregung nichtDie katholische Kirche kann die Kritik am "Segensgebet" für Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) nicht nachvollziehen. "Ganz klar ist mir die Kritik nicht", sagte Michael Prüller, Pressesprecher der Erzdiözese Wien, am Montag zur APA. "Wir sind als Christen aufgefordert, für Politiker zu beten", sagte er.Eine parteipolitische Vereinnahmung sei laut Prüller nicht zu erkennen. Das Gebet habe weder Kurz' Partei gegolten, noch habe man für seinen Erfolg gebetet. Es habe sich außerdem um eine ökumenische Veranstaltung gehandelt, die katholische Kirche sei daran nicht offiziell beteiligt gewesen, wies er Kritik an der katholischen Kirche zurück. Es hätten lediglich Vertreter daran teilgenommen, darunter eben auch Kardinal Christoph Schönborn.
Verfasst am: 18.06.19, 10:01