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Titel: Reformationsjubiläum: „Zwingli“ feierte Vorpremiere in Salzburg
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 6.11.2019

Hennefeld: „Film atmet protestantische Freiheit und Widerstandsgeist“

Salzburg (epdÖ) – Bei einer Vorpremiere in Salzburg war am Dienstag, 29. Oktober, der Film „Zwingli – Der Reformator“ erstmals in Österreich zu sehen. Die Schweizer Produktion widmet sich anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums des Amtsantritts Zwinglis als Leutprediger am Zürcher Großmünster dem Wirken des Schweizer Reformators. Nach der Vorführung im Salzburger Mozartkino analysierten der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld und der Salzburger und Tiroler Superintendent Olivier Dantine den Streifen des Schweizer Filmemachers Stefan Haupt.

Gegenüber dem Evangelischen Pressedienst bezeichnete Hennefeld – regelmäßiger Filmkolumnist in der evangelischen Zeitung SAAT – den Film als „spannend und inspirierend“. Haupt sei es gelungen, „nicht nur die Haltung und das Denken des Reformators herauszustreichen sondern auch seine Theologie und seine Spiritualität den ZuseherInnen zu vermitteln“. Der Streifen mache deutlich, dass ein Mensch, der die Bibel zur Grundlage seines Glaubens mache, kein religiöser Fanatiker sein müsse, „sondern, wie Zwingli, ein humanistisch gesinnter Bürger mit ausgeprägtem politischen Bewusstsein sein kann.“ Der Film atme „protestantische Freiheit und den Widerstandsgeist gegen verkrustete Strukturen, Ausbeutung und Doppelmoral“.
Dantine: Auch die kritischen Seiten von Zwingli

„Was mich an dem Film beeindruckt hat ist, dass hier keine Heldenverehrung gemacht wird, sondern durchaus auch die kritischen Seiten von Zwingli gesehen werden“, sagte Superintendent Dantine im Gespräch mit dem epdÖ. So sei zum Beispiel auch Zwinglis Rolle in der Täuferverfolgung nicht ausgeklammert worden. Besonders deutlich werde auch, dass die Reformation „von der sozialen Frage her gekommen“ sei, so Dantine, der dem Streifen auch historische Zuverlässigkeit bescheinigt: „Es geht nicht vorrangig darum, irgendwelche Lehren für heute zu ziehen, sondern die Entwicklungen darzustellen, wie es zur Reformation gekommen ist.“ Als größtes Verdienst des Reformators wertet Dantine übrigens die „Weltzugewandtheit“ des Glaubens: „Dass der Glaube nicht etwas rein Innerliches ist, sondern sich auch auswirken soll auf das, wie wir uns der Welt zuwenden.“
Eine viertel Million Zuschauer in der Schweiz

In der Schweiz lockte der Film über 240.000 Zuschauer in die Kinos. Die offizielle Österreich-Premiere von „Zwingli“ steigt am Freitag, 8. November (20.15 Uhr) im Cinecenter in Wien. Bei der Premiere anwesend sein werden Hauptdarsteller Max Simonischek und Produzentin Anne Walser. Am Montag, 9. Dezember, lädt die Evangelische Kirche H.B. zur Filmvorführung ins De France.
Verfasst am: 07.11.19, 09:57
Titel: Langer Schatten über Premiere bei Bischofstreffen
Autor: MB
Quelle: https://www.diepresse.com vom 3.11.2019

Am Montag tagen erstmals katholische und orthodoxe Bischöfe gemeinsam. Kann Kardinal Schönborn das Eis innerhalb der Orthodoxie brechen?

Es ist ein vergleichsweise kleines Land, das die große orthodoxe Welt spaltet und das Verhältnis zur noch größeren katholischen Kirche bis nach Österreich deutlich erschwert: Von der Ukraine ist die Rede.

Das Moskauer Patriarchat hat die Installierung einer eigenen ukrainisch-orthodoxen Kirche als feindseligen Akt gewertet und die Kirchengemeinschaft mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. kurzerhand aufgekündigt.

Vor diesem Hintergrund trifft am Montag – und das ist eine Premiere in Österreich und sucht auch international nach einem Beispiel – die katholische mit der orthodoxen Bischofskonferenz zusammen. Der Ukraine-Russland-Konflikt liegt dabei als langer Schatten über diesem Treffen.

Wird es dem Vorsitzenden Kardinal Christoph Schönborn möglich sein, das Eis innerhalb der Orthodoxie mit ihren ungefähr 700.000 Mitgliedern in Österreich zu brechen? Ein schwieriges Unterfangen jedenfalls.

Spannung um Teilnahme

So blieb bis zuletzt unklar, ob der für Wien berufene russische Metropolit Ioann an dem Gespräch im Erzbischöflichen Palais überhaupt teilnehmen wird/darf. Oder ob er danach sogar die geplante gemeinsame Vesper in der griechisch-orthodoxen Kathedrale am Fleischmarkt mitfeiert und schließlich beim Empfang des griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios Gast sein wird, der auch als Vorsitzender der orthodoxen Bischofskonferenz in Österreich fungiert. Abgesehen von den innerorthodoxen Streitigkeiten, die die Zusammenarbeit nicht gerade erleichtern, existiert aber ein durchaus intaktes Verhältnis zu den anderen christlichen Kirchen. Es soll sogar vertieft werden.

Der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej strebt beispielsweise eine intensivere Zusammenarbeit mit der katholischen Caritas an, wie er jüngst im Interview mit Kathpress gesagt hat. „Im karitativen Bereich sind uns die katholische und evangelische Kirche in Österreich meilenweit voraus“, meinte er da.

Gast beim Bundespräsidenten

Als Vorbild für das bevorstehende katholisch-orthodoxe Date dient das Zusammentreffen der Bischofskonferenz unter der Führung Kardinal Schönborns mit den Spitzen der evangelischen Kirchen Ende 2016, am Vorabend des Reformationsjahres. Apropos evangelisch: Der dieser Kirche angehörende Bundespräsident, Alexander Van der Bellen, wird am Montag auch eine Rolle spielen. Noch vor dem Gipfel mit den Orthodoxen empfängt er die katholischen Bischöfe in der Wiener Hofburg.
Zumindest das stellt keine Premiere dar. Das letzte derartige Zusammentreffen mit dem Staatsoberhaupt gab es vor zwei Jahren. Und Eisbrecher wird bei diesem Termin erst recht gewiss keiner benötigt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2019)

Verfasst am: 04.11.19, 11:24