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Titel: „Anschluss“ – Bischof Bünker: Das Verbindende in den Vordergrund stellen
Autor: MB
Quelle: epdÖ vom 10.3.2018

Gegen Nächstenliebe, die andere ausschließt – Im Interesse der Freiheit eigene Grenzen überschreiten

„ „Bei allen politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, bei allen religiösen Unterschieden, bei aller Vielfalt, in der wir leben, ist es wichtig, das Verbindende in den Vordergrund zu stellen und zu sagen: Die Humanität ist es, die uns gemeinsam verpflichtet, und für die Humanität gerade dort einzutreten, wo sie bedroht ist – das ist unser gemeinsamer Auftrag.“
(Bischof Michael Bünker)

„Bei allen politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, bei allen religiösen Unterschieden, bei aller Vielfalt, in der wir leben, ist es wichtig, das Verbindende in den Vordergrund zu stellen und zu sagen: Die Humanität ist es, die uns gemeinsam verpflichtet, und für die Humanität gerade dort einzutreten, wo sie bedroht ist – das ist unser gemeinsamer Auftrag.“ Zum Gedenken an den so genannten Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland vor 80 Jahren erinnert der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker an den Wert der Demokratie in einer pluralen Gesellschaft. Die Geschichte zeige, dass es in einer Demokratie notwendig sei, „im Interesse der Freiheit auch die eigenen weltanschaulichen Lager und Grenzen ein Stück weit zu überschreiten und Verbindungen einzugehen“. Nur wenn in Österreich Brücken zwischen den ideologischen Polen bestanden hätten, wäre der „Aggressivität des Nationalsozialismus etwas entgegenzusetzen gewesen“.

Erinnerung an die vielen, die unsichtbar blieben

Bünker erinnert auch an die vielen, die sich in jenen Märztagen des Jahres 1938 nicht gezeigt hätten, obwohl sie nicht mit der nationalsozialistischen Machtübernahme einverstanden waren. „Die Hunderttausende, die Adolf Hitler zugejubelt haben, waren die eine, sichtbare Seite. Unsichtbar geblieben sind all jene, die sich schon auf der Flucht befunden haben, zur Flucht entschlossen waren, die womöglich in den Freitod gegangen sind wie Egon Friedell und andere; und die, die einfach abwartend zugeschaut haben, vielleicht auch in innerer Abwehr, aber es nicht mehr nach außen zeigen konnten.“ Die Erinnerung an die Ereignisse von damals sei wichtig, um zu sehen, mit „wie wenig Entschlossenheit und Selbstgewissheit im damaligen Österreich“ die politischen Kräfte, aber auch die Kirchen auf den Nationalsozialismus reagiert hätten.

Jeder Mensch mit unantastbarer Würde gesegnet

„Wir sehen es am Beispiel der Evangelischen Kirche“, so Bünker, „dass sich in den damaligen Jahren eine gefährliche Irrlehre breitgemacht hat. Sie war besonders durch Antisemitismus gekennzeichnet.“ Gegen ein Verständnis von Nächstenliebe, die nur das eigene Volk mit einbeziehe und „die anderen“ ausschließe, gelte es auch heute aufzutreten „im persönlichen Umgang, in der Familie, unter den Kollegen am Arbeitsplatz, in der Straßenbahn, wo immer es notwendig ist“. Christliche Haltung müsse davon ausgehen, dass jeder Mensch von Gott mit unantastbarer Würde gesegnet sei, „die völlig unbestritten und ohne jeden Zweifel bewahrt bleiben muss“.

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epdÖ
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Verfasst am: 12.03.18, 10:39
Titel: Evangelische: Wolfgang Rehner ist neuer steirischer Superintendent
Autor: MB
Quelle: epdÖ vom 10.3.2018

Rehner: Halt und Hoffnung vermitteln - Zweidrittelmehrheit im 2. Wahlgang

„Als Evangelische Kirche „sind wir nicht für uns selbst da, sondern immer mit anderen und für andere“
(Wolfgang Rehner, designierter Superintendent der Evangelischen Kirche in der Steiermark)

Der Salzburger Pfarrer Wolfgang Rehner wird neuer Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. in der Steiermark. Rehner wurde am Samstag, 10. März, von den Delegierten der steirischen Superintendentialversammlung in Bruck an der Mur im 2. Wahlgang mit der nötigen Zweidrittelmehrheit gewählt. Er erhielt 61 von 75 Stimmen. Der Wahl gestellt hatten sich auch die Pfarrer Andreas Gerhold (Stainz), Heribert Hribernig (Markt Allhau) und Paul Gerhart Nitsche (Graz-Kreuzkirche).

Vor den Delegierten der steirischen Pfarrgemeinden sprach Wolfgang Rehner von „Halt und Hoffnung“, die er als Superintendent vermitteln wolle. „Abbau verwalten ist nicht mein Geschäft“, so Rehner wörtlich. Als Evangelische Kirche „sind wir nicht für uns selbst da, sondern immer mit anderen und für andere“. Vor 22 Jahren sei er als „Wirtschaftsmigrant“ in die Steiermark gekommen und hier heimisch geworden, „dafür bin ich dankbar“.

Die Wahl eines neuen Superintendenten war notwendig geworden, da der bisherige Amtsinhaber Hermann Miklas im August nach 19 Jahren in den Ruhestand tritt. Das Amt des Superintendenten entspricht dem des Diözesanbischofs in der Römisch-katholischen Kirche.

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, mit Wolfgang Rehner einen guten Nachfolger zu finden“, sagte der amtierende Superintendent Hermann Miklas. Für Miklas ist es ein „Zeichen der demokratischen Reife, dass wir solche Wahlvorgänge trotz unterschiedlicher Ausgangspositionen in guter und geordneter Form gestalten können“. Jede christliche Kirche komme anders zu ihrer Leitung, aber: „Alle hoffen darauf, dass der Heilige Geist wirkt.“

Beeindruckt von der „klaren Mehrheit und breiten Unterstützung“ zeigte sich Superintendentialkurator Michael Axmann, der das weltliche Pendant zum Superintendenten bildet und die Wahl geleitet hatte. „Persönlich freue ich mich auf die Zusammenarbeit, wenn Wolfgang Rehner so gestärkt aus der Wahl hervorgeht“, so Axmann.

„Die Herausforderung, vor denen Kirchen stehen verlangen nach einer qualitätsvollen spirituell fundierten Leitung, die darauf achtet, dass das Evangelium glaubwürdig gelebt wird“, betonte Bischof Michael Bünker nach der Wahl. Wolfgang Rehner bringe dazu „die besten Voraussetzungen mit, nicht zuletzt durch die Erfahrungen in einem anderen europäischen Land.“ Damit sei Rehner erfahren im Überwinden von Grenzen, was sich für die Ökumene, die öffentliche Stellung und das Miteinander der Gemeinden in aller Vielfalt positiv auswirken werde, zeigte sich Bünker überzeugt.

Wolfgang Rehner wurde 1962 im siebenbürgischen Hermannstadt (Sibiu) geboren und studierte ebendort Theologie. Nach dem Vikariat und der Ordination 1986 übernahm Rehner die Diasporapfarrstelle im rumänischen Bistritz. Nach einer weiteren Station in Kerz bei Hermannstadt wechselte er 1996 in die obersteirische Pfarrgemeinde Ramsau, seit 2014 ist er amtsführender Pfarrer in Salzburg-Nördlicher Flachgau. Wolfgang Rehner ist verheiratet und hat drei Kinder.

Zu den Aufgaben des neuen Superintendenten gehört die geistliche Führung der Diözese. Er hat die Aufsicht über die kirchlichen Ordnungen und über die schriftgemäße Verkündigung. Zu den bischöflichen Rechten gehören die Ordination von PfarrerInnen und die Visitation von Pfarrgemeinden. Der Superintendent wird von der Superintendentialversammlung für die Dauer von 12 Jahren mit einer Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen gewählt.

Die Evangelische Diözese Steiermark besteht seit 1946 und hat rund 39.000 Mitglieder in 33 Gemeinden. Wolfgang Rehner wird der siebente Superintendent der Steiermark sein.

Bischof Michael Bünker wird den neuen Superintendenten am 23. September in der Grazer Heilandskirche in sein Amt einführen.

epdÖ
Dr. Thomas Dasek
0699 18877 047
epd@evang.at
http://www.evang.at
Verfasst am: 12.03.18, 10:37