11. April

11. April - Sonntag Quasimodogeniti

"Wie Neugeborene" - heißt dieser Sonntag. Auferstehung. Ostern. Neuanfang.

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PREDIGTTEXT:  Joh. 21,1–14

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger. 3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. 7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See. 8Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot. 10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt! 11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundert­dreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr. 13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.

14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offen­barte, nachdem er von den Toten auferstanden war.
 

 

GEDANKEN

Wie mag es den Jüngern bei ihrer Rückkehr wohl gegangen sein? Traumatische Erlebnisse liegen hinter den sieben Männern, die da von Jerusalem, heraufwandern nach Galiläa, zum See von Tiberias.

Erinnerungen an ihre Zeit der Wanderung werden sie sicher bewegt ausgetauscht haben – aber auch Zweifel werden sich ihrer bemäch­tigt haben, dass Gott, für den Jesus gelebt hat und gestorben ist, dass es den gar nicht gibt, dass alles reine Illusion gewesen sein können?

Der Alltag hat sie wieder – die Berufs-Fischer gehen des nachts fischen. Da waren sie wohl nicht ganz bei Sache – sie fangen nichts. Sie wähnen sich allein am kühlen, morgendlichen See. Doch Vers 4 verrät:

Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer

Sie erkennen ihn auch diesmal nicht, ist man geneigt zu sagen. Erst der namenlose Jünger ’den Jesus lieb hatte‘ flüstert es dem Petrus zu. Wer ist dieser geheimnisvolle Jünger, der in den vorösterlichen und den Ostergeschichten immer wieder im Umfeld von Petrus auftaucht? Die frühen Kirchenväter schon haben versucht ihn zu identifizieren. Bis heute gibt es kein schlüssiges Ergebnis. Vielleicht ist es gar keine physische Figur – ist es die innere Stimme des Petrus? Die, die durch die Dinge schaut? Wohnt auch in uns so ein Jünger ‘den Jesus liebhat‘?

Jesus am Ufer wirkt nüchtern und unnahbar. Kurze, klare Anweisungen – einem Krisenmanager gleich. Und die Jünger tun es ohne Fragen zu stellen. Kein Wort zu viel, sicher und angenehm direktiv: Jesus gibt Sicherheit und bringt Ordnung in das nachösterliche Chaos.

Seine Auferstehung ist nicht die Wiederbelebung eines Leichnams, sondern die Rückkehr in das Irdische. Er, der für die Seinen sorgt, lässt aber auch die Transzendenz des Himmlischen durchscheinen.

Es ist eine Ostergeschichte eine Geschichte von Tod und Leben von Endlichkeit und Ewigkeit. Wenn Paulus den Thessalonichern schreibt: ‘Treu ist er, der euch ruft; er wird's auch tun‘, dann wird es zur tragenden Hoffnung, wenn für uns die letzte Nacht anbricht. Weil wir wissen, Jesus steht am Ufer .. .  .

Lektor Franz Errath
 
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Zuletzt bearbeitet am: 10.04.21, 12:34
Geschrieben von: anpe
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