Sonntagsgruß 15.5.
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Predigtreihe zu Schöpfungstexten der Bibel

„Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.
Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun [...].
Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn.“

(Ex 20,8–11)

 

Liebe Gemeinde,

wann haben Sie es zuletzt gut sein lassen?
Oder wie die Sprichwörter sagen: Fünfe gerade sein lassen? Oder: Den Herrgott einen guten Mann sein gelassen? Wann haben Sie es zuletzt gut sein lassen? Einfach so. Gut, so wie es ist? Obwohl vielleicht die Dinge allenfalls halbwegs gut waren.
Wann haben sie es einfach gut sein lassen, so wie es ist, und das Leben genossen? Das Leben genossen – auch wenn es noch viel zu tun gegeben hätte?

„Es gut sein lassen“ – Wenn sie das tun, sind sie in bester Gesellschaft: Gott selbst lässt es nämlich gut sein. Und zwar immer wieder.

Die Bibel erzählt davon gleich am Anfang.
Der erste Text in unseren Bibeln handelt davon, wie Gott die Welt geschaffen hat. In sieben Tagen. Es entsteht jeden Tag ein Stück mehr von der Welt. Und zu jedem Tag steht dort: „Und Gott sah, dass es gut war.“
Gott lässt es jeden Tag gut sein!

Ich finde das eine schöne Vorstellung. Gott lässt es jeden Tages gut sein.
Egal wie viel er noch vor hat. Immerhin will er die ganze Welt schaffen. Hätte Gott bei der Schöpfung eine To-Do-Liste gehabt, wäre die ziemlich lang gewesen. Jedenfalls am Ende des ersten Schöpfungstages hätte noch darauf gestanden:

- Himmel und Erde schaffen
- Auf der Erde Wasser und Festland trennen
- Pflanzen erfinden
- Sonne, Mond und Sterne schaffen
- Zeiten, Tage, Jahre schaffen
- Tiere im Wasser schaffen
- Tiere in der Luft erfinden
- Tiere auf dem Festland schaffen
- Menschen schaffen
- Tiere und Menschen segnen
- Urlaub

Da schwirrt mir schon vom Zuhören der Kopf.
Gott hastet nicht.
Er lässt es jeden Tag gut sein. Er hält inne. Er schaut sich die Welt an.
Gott sieht was da ist. Und er sieht, dass es gut ist.
Gott lässt es gut sein. Immer wieder.
Dann macht er weiter.

Uns beim Pausieren, beim Es-gut-sein-lassen, Gott zum Vorbild zu nehmen, das hat eine lange und eine schöne Tradition. Der Ruhetag wird in den 10 Geboten mit Gottes Schöpfungshandeln und seiner Schöpfungsruhe begründet. Wie Gott sollen wir arbeiten und ruhen.

Ich glaube, dass das Ausruhen und Innehalten auch wirklich etwas verändert.
Mir kommen dazu zwei Gedanken.

1. Ein Ruhetag, Ausruhen, Innehalten verändert uns selbst. Erholung tut gut. Sie öffnet den Blick für die Schönheit der Welt. Wenn ich zwischendurch innehalte, sehe ich die Knospen im Frühling besser, die Blüten freuen mich mehr, ich höre das Singen der Vögel besser... Der Ruhetag hilft mir. Er trägt zu Lebensfreude und -genuss bei. Er schärft meinen Blick für die Schöpfung.

2. Ruhetage verändern die Welt. Der Erdüberlastungstag lag 2021 am 29. Juli. Österreich hatte ihn in diesem Jahr schon am 06. April 2022 erreicht. Das heißt: An diesem Tag haben wir mehr Ressourcen verbraucht als die Erde in einem Jahr erneuern kann. Oder: seit dem 07. April 2022 schulden wir der Welt etwas. Die Klimakatastrophe, in der wir schon mitten drinstehen, zeigt sich ganz real. Vielleicht müssen wir es öfter gut sein lassen, damit sich die Welt erholen kann. Wir brauchen Ruhetage für die Schöpfung. Unsere Ruhe kann zur Bewahrung der Schöpfung beitragen.

Sieht man es so, dann ist jeder Ruhetag ein Denkmal für die Schöpfung.

Ich weiß nicht, wann Sie es zuletzt haben einfach gut sein lassen.
Und ich will Sie ermutigen genau das zu tun. Vielleicht ja gleich heute.

Lassen Sie es heute einfach gut sein;
weil Gott Sie wunderbar gemacht hat.

Ihre/Eure Vikarin Lydia Lauxmann

Zuletzt bearbeitet am: 12.05.22, 20:27
Geschrieben von: anpe
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