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Titel: Alleinerziehende: Arbeitszeitgesetz „für Frauen eine Katastrophe“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 26.6.2018

„Österreichische Plattform für Alleinerziehende“: Diese Politik bedeutet für Frauen „Zurück an den Herd“

Negative Folgen befürchtet die „Österreichische Plattform für Alleinerziehende“ (ÖPA) durch das von der Regierung geplante neue Arbeitszeitgesetz mit einem dann ermöglichten 12-Stunden-Tag. „Für Frauen ist dieses Gesetz eine Katastrophe!“, protestierte das auch kirchlich getragene Bündnis in einer Aussendung am Dienstag, 26. Juni, gegen die absehbar schlechtere Vereinbarkeit von Kindern und Beruf. Für viele Mütter werde Erwerbsarbeit keine Option mehr sein können, verwies die stellvertretende ÖPA-Vorsitzende Evelyn Martin auf die üblichen Öffnungszeiten in Kindergärten. „Diese Politik bedeutet für Frauen ein Zurück an den Herd“, von einer eigenen Karriere könne „nicht einmal mehr geträumt werden“.

Skepsis äußerte Martin auch in Bezug auf die von Regierungsseite zugesicherte Freiwilligkeit bei ausgedehnten Arbeitszeiten: „Freiwillig steht drauf, aber Zwang steckt drin. Die Angst vor einem Jobverlust ist real.“ Gerade Alleinerziehende müssten durch einen 12-Stunden-Tag vermehrt mit Ablehnungen bei Jobbewerbungen rechnen. Nachteile gebe es auch durch für diese Gruppe unzugängliche Steuervorteile für Familien und durch Kürzungen in der Mindestsicherung, befürchtete die ÖPA-Vertreterin.

Für Alleinerziehende sei es auch ohne 12-Stunden-Tag und 60-Stunden-Woche schon schwierig, einen Arbeitsplatz zu finden. Betreuungspflichten würden häufig als Ablehnungsgrund genannt. Bei einer geänderten Gesetzeslage würden Unternehmen die Bereitschaft zum 12-Stunden-Tag bereits als Einstellungsvoraussetzung festlegen, warnte Martin. Es lägen keine Lösungen vor, wie die Betreuung von Kindern geregelt werden soll.

Auch das Wohl der Kinder müsse berücksichtigt werden: „Wollen wir das wirklich für unsere Kinder und uns selbst, dass Kinder 14 Stunden am Tag im Kindergarten oder Hort verbringen?“, fragte Evelyn Martin. „Wann bleibt dann Zeit für das Miteinander in der Familie?“ Aus Psychologie und Pädagogik sei bekannt, wie bedeutend gemeinsam verbrachte Zeit für beide Seiten ist. Eine gesunde soziale Entwicklung der Kinder werde erschwert, wenn Eltern einer 60-Stunden Woche „ausgeliefert“ seien und vermehrt auch am Wochenende arbeiten müssen.

Die Plattform forderte die Beibehaltung der bisherigen Gesetzeslage „zum Wohle aller Arbeitnehmenden und deren Kinder“. Die Lebensqualität der Menschen sei wichtiger als Konzernprofite, daher verlangte die Alleinerziehenden-Vertretung ein „Umdenken in der Regierung“.

Trägerorganisationen der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende sind die Katholische Aktion Österreich, die Katholische Frauenbewegung und die Evangelische Frauenarbeit.
Verfasst am: 27.06.18, 13:24
Titel: Oberkirchenrat Heinz Tichy verstorben
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 27.6.2018

Trotz schwerer Krankheit bis zuletzt im Amt

Der juristische Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich Heinz Tichy ist am Sonntag, 24. Juni, nach längerer und schwerer Krankheit im Alter von 70 Jahren verstorben. „Die Evangelischen Kirchen verlieren mit Dr. Heinz Tichy einen besonnenen und umsichtigen Juristen, der sich bis zu seinem Ableben für seine Kirche engagiert hat“, heißt es in einem gemeinsamen Nachruf des Oberkirchenrates A.B. und des Oberkirchenrates A.u.H.B. Große Verdienste habe sich Heinz Tichy vor allem als Leiter der juristischen Abteilung, des Archivs und der Matrikenstelle erworben, ein besonderes Anliegen seien ihm auch „die Umsetzung der Strukturreform von Pfarrgemeinden, die kirchlichen Gemeinschaften, die Legistik, die Matrikendigitalisierung und der Datenschutz“ gewesen. „Jede Funktion mache ich mit Herz, aber auch mit großer Demut.“ Diesen Satz bei seiner Vorstellung vor der Synode A.B. im Jahr 2012 habe er in seinem Engagement für die Kirche gelebt, unterstreicht der Oberkirchenrat.

Synodenpräsident Peter Krömer würdigte Tichy in einer ersten Stellungnahme als „wichtigen, ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Kirchenleitung“, der sein Amt „mit großem Fleiß und großer Gewissenhaftigkeit im Interesse der Evangelischen Kirchen in Österreich“ ausgeübt habe. „Nachdem er bereits schwer erkrankt war, schonte er sich persönlich nicht, sondern nahm die schwierigen Aufgaben seiner juristischen Abteilung im Evangelischen Oberkirchenrat nach wie vor wahr“, erinnert Krömer an den bis zuletzt anhaltenden Einsatz Tichys für die Kirche.

Heinz Tichy war nach seiner Promotion Assistent am Institut für Zivilrecht an der Universität Wien, von 1975 bis 1994 im Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes und von 1994 an im Wissenschaftsministerium tätig. In seiner Pfarrgemeinde Wien-Neubau/Fünfhaus übte er von 2006 bis 2011 die Funktion eines Presbyters aus, die Synode A.B. wählte ihn 2012 zum ehrenamtlichen juristischen Oberkirchenrat.

„Gesetze und Normen“, hatte der Jurist Tichy anlässlich seiner Wahl zum Oberkirchenrat gemeint, seien „notwendig, aber nicht um ihrer selbst willen.“ Begleitet habe ihn in seiner juristischen Arbeit stets die Frage nach dem Verhältnis von Mehrheit und Minderheiten. Als eine seiner Aufgaben verstand Tichy daher den Minderheitenschutz. Großes Engagement zeigte er entsprechend auch für die österreichischen Volksgruppen, die er als Gründer und Ehrenpräsident der Arbeitsgemeinschaft für Volksgruppenfragen vertrat.

Die Verabschiedung von Oberkirchenrat Heinz Tichy findet am Dienstag, 3. Juli, um 15 Uhr am Wiener Zentralfriedhof statt. Ein Gedenkgottesdienst wird im Herbst abgehalten.
Verfasst am: 27.06.18, 13:23