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Titel: „Anschluss“ – Bischof Bünker: Das Verbindende in den Vordergrund stellen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 14.3.2018

„Im Interesse der Freiheit eigene Grenzen überschreiten“ – ÖRKÖ-Erklärung zu 1938

„Bei allen politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, bei allen religiösen Unterschieden, bei aller Vielfalt, in der wir leben, ist es wichtig, das Verbindende in den Vordergrund zu stellen und zu sagen: Die Humanität ist es, die uns gemeinsam verpflichtet, und für die Humanität gerade dort einzutreten, wo sie bedroht ist – das ist unser gemeinsamer Auftrag.“ Zum Gedenken an den so genannten Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland vor 80 Jahren erinnert der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker an den Wert der Demokratie in einer pluralen Gesellschaft. Die Geschichte zeige, dass es in einer Demokratie notwendig sei, „im Interesse der Freiheit auch die eigenen weltanschaulichen Lager und Grenzen ein Stück weit zu überschreiten und Verbindungen einzugehen“. Nur wenn in Österreich Brücken zwischen den ideologischen Polen bestanden hätten, wäre der „Aggressivität des Nationalsozialismus etwas entgegenzusetzen gewesen“.

Erinnerung an die vielen, die unsichtbar blieben

Bünker erinnert auch an die vielen, die sich in jenen Märztagen des Jahres 1938 nicht gezeigt hätten, obwohl sie nicht mit der nationalsozialistischen Machtübernahme einverstanden waren. „Die Hunderttausende, die Adolf Hitler zugejubelt haben, waren die eine, sichtbare Seite. Unsichtbar geblieben sind all jene, die sich schon auf der Flucht befunden haben, zur Flucht entschlossen waren, die womöglich in den Freitod gegangen sind wie Egon Friedell und andere; und die, die einfach abwartend zugeschaut haben, vielleicht auch in innerer Abwehr, aber es nicht mehr nach außen zeigen konnten.“ Die Erinnerung an die Ereignisse von damals sei wichtig, um zu sehen, mit „wie wenig Entschlossenheit und Selbstgewissheit im damaligen Österreich“ die politischen Kräfte, aber auch die Kirchen auf den Nationalsozialismus reagiert hätten.

Gegen Nächstenliebe, die andere ausschließt

„Wir sehen es am Beispiel der Evangelischen Kirche“, so Bünker, „dass sich in den damaligen Jahren eine gefährliche Irrlehre breitgemacht hat. Sie war besonders durch Antisemitismus gekennzeichnet.“ Gegen ein Verständnis von Nächstenliebe, die nur das eigene Volk miteinbeziehe und „die anderen“ ausschließe, gelte es auch heute aufzutreten „im persönlichen Umgang, in der Familie, unter den Kollegen am Arbeitsplatz, in der Straßenbahn, wo immer es notwendig ist“. Christliche Haltung müsse davon ausgehen, dass jeder Mensch von Gott mit unantastbarer Würde gesegnet sei, „die völlig unbestritten und ohne jeden Zweifel bewahrt bleiben muss“.

ÖRKÖ: „Die christlichen Kirchen waren vom Ungeist mitbetroffen“

In einer Erklärung des Vorstands des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) haben die Kirchen eine Mitschuld an jener Entwicklung eingeräumt, die vor 80 Jahren – am 13. März 1938 – zum „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich führte: „Auch die christlichen Kirchen waren vom Ungeist mitbetroffen, der dem NS-Regime den Boden bereitet hat. Manche Kirchen bejubelten nicht nur den ‚Anschluss‘, sondern trugen auch die NS-Politik, sei es den Antisemitismus, sei es die Auslöschung vermeintlich unwerten Lebens, voll und ganz mit, was uns heute schamvoll als Verrat am Evangelium erscheint“, heißt es in der Erklärung die am Samstag, 10. März, veröffentlicht wurde. Evang.at dokumentiert die ÖRKÖ-Erklärung im Wortlaut:

„Vor 80 Jahren, am 11. März 1938, ereignete sich das ‚Ende Österreichs‘ durch die nationalsozialistische Machtergreifung, der tags darauf der deutsche Einmarsch folgte. Dieses Österreich war gewiss kein demokratisches Gemeinwesen, aber für Hunderttausende Österreicherinnen und Österreicher bedeutete dieser Tag tatsächlich das Ende ihres normalen Lebens. An die Stelle der Normalität trat der Abgrund einer absurden totalitären Ideologie, deren Wurzeln freilich weit in das 19. Jahrhundert hineinreichten.
Die Bilder der den sogenannten ‚Anschluss‘ bejubelnden Österreicherinnen und Österreicher sind nach wie vor zu Recht präsent, wenn es um die tragischen Ereignisse von vor 80 Jahren geht. Aber nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner unseres Landes haben gejubelt. Viele haben auch geweint und waren verzweifelt, wie aus vielen persönlichen Zeugnissen jener Zeit hervorgeht.

Sieben Jahre später – beim Kriegsende 1945 – musste eine traurige Bilanz gezogen werden: Hunderttausende Österreicherinnen und Österreicher hatten ihr Leben verloren, sei es, dass sie als Juden der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten zum Opfer fielen, sei es, dass sie als Widerstandskämpfer von einer Pseudojustiz zum Tod verurteilt wurden, sei es, dass sie als Zivilisten im Bombenhagel des totalen Krieges starben, sei es, dass sie als Soldaten in einem Krieg getötet wurden, der nicht der ihre war.

Der materielle und geistige Schaden von sieben Jahren NS-Herrschaft in Österreich war furchtbar. Es hat Jahrzehnte gedauert, bis Österreich von der zunächst ab 1945 – wenn auch halbherzig – gepflegten Opferrolle Abstand genommen und sich der Tatsache gestellt hat, dass unter den Österreichern sowohl Opfer als auch Täter – unter ihnen nicht wenige der schlimmsten Täter – waren.

Ab dem 11. März 1938 haben viele in Österreich Schuld auf sich geladen. Auch die christlichen Kirchen waren vom Ungeist mitbetroffen, der dem NS-Regime den Boden bereitet hat. Manche Kirchen bejubelten nicht nur den ‚Anschluss‘, sondern trugen auch die NS-Politik, sei es den Antisemitismus, sei es die Auslöschung vermeintlich unwerten Lebens, voll und ganz mit, was uns heute schamvoll als Verrat am Evangelium erscheint.

Wir müssen einbekennen, dass es auf diesem Hintergrund in den düsteren Jahren von 1938 bis 1945 Schuld und Versagen durch Wegschauen und Mittun gegeben hat. Nur vereinzelt gab es in den Kirchen auch Widerstand gegen das verbrecherische NS-Regime.

Wenn wir 80 Jahre zurückschauen, so erscheint es heute angebracht, dass die christlichen Kirchen gemeinsam alles Notwendige tun, um die Menschen gegen die Schlagworte von falschen Propheten zu immunisieren. In einer Zeit der Globalisierung – in der die ganze Welt ‚gleichsam ein Dorf wird‘ – gibt es viele komplizierte Entwicklungen, aber keine ’schrecklich einfachen‘ Lösungen. Die Aufgabe der Kirchen ist es gerade in diesem geschichtlichen Augenblick, ihren universellen Auftrag wahrzunehmen.

Diese Aufgabe schließt ein, mit großer Aufmerksamkeit die Sorgen und Nöte der Menschen in unserem Land zu beobachten und sich für einen sozialen Ausgleich einzusetzen. Wir als Kirchen wollen uns auch dafür einsetzen, dass Österreich – 80 Jahre nach der Katastrophe von 1938 – zu einem Haus mit offenen Fenstern und zu einer Heimstätte für Verfolgte wird. Wir wollen in einem Land leben, in dem der soziale Friede gewahrt wird und in dem Menschen Geborgenheit und die Möglichkeit zu einem erfüllten Leben finden.“

In der Nacht vom 11. auf den 12. März 1938 waren nationalsozialistische Truppen in Österreich einmarschiert und wurden großteils begeistert empfangen. Am 13. März trat das Gesetz über den „Anschluss“ in Kraft. Bei einer Volksabstimmung am 10. April stimmten nach amtlichen Angaben 99,73 Prozent der ÖsterreicherInnen für die Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich.
Verfasst am: 15.03.18, 10:14
Titel: Wolfgang Rehner ist neuer steirischer Superintendent
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 14.3.2018

Rehner: Halt und Hoffnung vermitteln – Zweidrittelmehrheit im 2. Wahlgang

Der Salzburger Pfarrer Wolfgang Rehner wird neuer Superintendent der Evangelischen Kirche A.B. in der Steiermark. Rehner wurde am Samstag, 10. März, von den Delegierten der steirischen Superintendentialversammlung in Bruck an der Mur im 2. Wahlgang mit der nötigen Zweidrittelmehrheit gewählt. Er erhielt 61 von 75 Stimmen. Der Wahl gestellt hatten sich auch die Pfarrer Andreas Gerhold (Stainz), Heribert Hribernig (Markt Allhau) und Paul Gerhart Nitsche (Graz-Kreuzkirche).

Vor den Delegierten der steirischen Pfarrgemeinden sprach Wolfgang Rehner von „Halt und Hoffnung“, die er als Superintendent vermitteln wolle. „Abbau verwalten ist nicht mein Geschäft“, so Rehner wörtlich. Als Evangelische Kirche „sind wir nicht für uns selbst da, sondern immer mit anderen und für andere“. Vor 22 Jahren sei er als „Wirtschaftsmigrant“ in die Steiermark gekommen und hier heimisch geworden, „dafür bin ich dankbar“.

Die Wahl eines neuen Superintendenten war notwendig geworden, da der bisherige Amtsinhaber Hermann Miklas im August nach 19 Jahren in den Ruhestand tritt. Das Amt des Superintendenten entspricht dem des Diözesanbischofs in der Römisch-katholischen Kirche.

„Ich freue mich, dass es gelungen ist, mit Wolfgang Rehner einen guten Nachfolger zu finden“, sagte der amtierende Superintendent Hermann Miklas. Für Miklas ist es ein „Zeichen der demokratischen Reife, dass wir solche Wahlvorgänge trotz unterschiedlicher Ausgangspositionen in guter und geordneter Form gestalten können“. Jede christliche Kirche komme anders zu ihrer Leitung, aber: „Alle hoffen darauf, dass der Heilige Geist wirkt.“

Beeindruckt von der „klaren Mehrheit und breiten Unterstützung“ zeigte sich Superintendentialkurator Michael Axmann, der das weltliche Pendant zum Superintendenten bildet und die Wahl geleitet hatte. „Persönlich freue ich mich auf die Zusammenarbeit, wenn Wolfgang Rehner so gestärkt aus der Wahl hervorgeht“, so Axmann.

„Die Herausforderung, vor denen Kirchen stehen verlangen nach einer qualitätsvollen spirituell fundierten Leitung, die darauf achtet, dass das Evangelium glaubwürdig gelebt wird“, betonte Bischof Michael Bünker nach der Wahl. Wolfgang Rehner bringe dazu „die besten Voraussetzungen mit, nicht zuletzt durch die Erfahrungen in einem anderen europäischen Land.“ Damit sei Rehner erfahren im Überwinden von Grenzen, was sich für die Ökumene, die öffentliche Stellung und das Miteinander der Gemeinden in aller Vielfalt positiv auswirken werde, zeigte sich Bünker überzeugt.

Dem designierten Superintendenten hat bereits der steirische römisch-katholische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl gratuliert: „Es ist eine schöne Fügung, dass Ihr Weg wieder in die Steiermark führt.“ Das Eintreten für eine Kultur des Miteinanders und des gegenseitigen Vertrauens „verbinden uns“, schreibt der Diözesanbischof. Es sei „bestärkend“, dass Rehner den ökumenischen Dialog fördern wolle und in seiner Vorstellung von der „Freude an der lebendigen Vielfalt“ spreche. Glück- und Segenswünsche kamen via Facebook u.a. auch von Amir Naguib Istfanous von der Koptisch-Orthodoxen Kirche in der Steiermark, von der Evangelisch-methodistischen Kirche in Österreich und der Evangelischen Allianz.

Wolfgang Rehner wurde 1962 im siebenbürgischen Hermannstadt (Sibiu) geboren und studierte ebendort Theologie. Nach dem Vikariat und der Ordination 1986 übernahm Rehner die Diasporapfarrstelle im rumänischen Bistritz. Nach einer weiteren Station in Kerz bei Hermannstadt wechselte er 1996 in die obersteirische Pfarrgemeinde Ramsau, seit 2014 ist er amtsführender Pfarrer in Salzburg-Nördlicher Flachgau. Wolfgang Rehner ist verheiratet und hat drei Kinder.

Zu den Aufgaben des neuen Superintendenten gehört die geistliche Führung der Diözese. Er hat die Aufsicht über die kirchlichen Ordnungen und über die schriftgemäße Verkündigung. Zu den bischöflichen Rechten gehören die Ordination von PfarrerInnen und die Visitation von Pfarrgemeinden. Der Superintendent wird von der Superintendentialversammlung für die Dauer von 12 Jahren mit einer Zweidrittelmehrheit der abgegebenen Stimmen gewählt.

Die Evangelische Diözese Steiermark besteht seit 1946 und hat rund 39.000 Mitglieder in 33 Gemeinden. Wolfgang Rehner wird der siebente Superintendent der Steiermark sein.

Bischof Michael Bünker wird den neuen Superintendenten am 23. September in der Grazer Heilandskirche in sein Amt einführen.

Bilder zur Wahl des Superintendenten finden Sie auf foto.evang.at.
Verfasst am: 15.03.18, 10:13