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Titel: Diakonie: Lehrstellen für jugendliche Asylsuchende öffnen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 12.7.2017

Neu erfundene „Wohnsitzauflage“ verhindert Arbeitsaufnahme

„Jugendlichen den Zugang zu Bildung und Ausbildung zu ermöglichen ist eine zukunftsweisende Idee“, freut sich die Diakonie über die Forderung, die in den letzten Tagen nun auch aus dem AMS laut geworden ist. „Mehr noch: Österreich wäre gut beraten, auch jene Jugendlichen, deren Asylverfahren negativ verläuft und die in ihr Heimatland zurückkehren müssen, ihre Zeit hier sinnvoll nützen zu lassen. Sie können vieles lernen, was ihnen – und der Welt – später überall nützlich sein wird“, ist die Diakonie Österreich überzeugt. Deutliche Kritik seitens der Diakonie erntet die Reaktion von Innenminister Sobotka, der den Vorstoß von AMS-Chef Johannes Kopf, wenigstens jenen Jugendlichen, die eine hohe Bleibewahrscheinlichkeit hätten, den Zugang zur Lehre zu ermöglichen, zurückgewiesen hat. „Mit dieser strikten Haltung befindet sich Österreich jedoch nicht im Einklang mit dem Unionsrecht“, betont Christoph Riedl, Asylexperte der Diakonie. Nach EU-Recht müsse allen Asylsuchenden, deren Asylverfahren nicht binnen 9 Monaten abgeschlossen sei, „ein effektiver Zugang zum Arbeitsmarkt eingeräumt werden“. Gerade die Asylverfahren von Jugendlichen dauerten aber in Österreich besonders lange. „Ihnen den Zugang zur Lehre zu verweigern ist somit schlicht rechtswidrig“, sagt Riedl.

Generell könne man sich in der österreichischen Asylpolitik derzeit des Eindrucks nicht erwehren, „dass es eher darum geht, Flüchtlingen das Leben so schwer wie nur möglich zu machen“ und „in jeder Hinsicht Härte zu demonstrieren“, während das Motto „Integration von Anfang an“ inzwischen offenbar „komplett vergessen“ wurde, kritisiert die Diakonie. So wurde „praktisch in letzter Sekunde“ eine weitere Hürde in das Fremdenrechtspaket eingebaut, die im Oktober wirksam wird: Asylsuchende sollen durch eine „Wohnsitzauflage“ daran gehindert werden, in ein anderes Bundesland zu ziehen, und zwar auch dann, wenn dies aus humanitären Überlegungen geboten wäre, um etwa Familientrennungen zu verhindern. Selbst dort, wo sich der Staat Geld ersparen und die Integration damit erleichtert würde, werde dies verhindert, wenn beispielsweise kostenlose Wohnmöglichkeit bei Verwandten in einem anderen Bundesland bestünde, die Betroffenen aber aufgrund der „Wohnsitzauflage“ das Bundesland nicht wechseln dürften. Diese Auflage verhindere auch, dass Asylsuchende Saisonarbeit in einem anderen Bundesland verrichten können.
Verfasst am: 14.07.17, 10:02
Titel: Kirchen unterzeichnen in Wittenberg Erklärung zur Rechtfertigung
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 12.7.2017

Hennefeld: Sind auf dem Weg zu engerer Gemeinschaft

Einen wichtigen Schritt zur Überwindung der Spaltung haben die Kirchen am Mittwoch, 5. Juli, in Wittenberg vollzogen. Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK), die weltweit rund 80 Millionen Christen repräsentiert, trat der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ (GER) bei, die 1999 vom Vatikan und dem Lutherischen Weltbund (LWB) unterzeichnet wurde. Die Assoziierungserklärung der WGRK zur Rechtfertigungslehre wurde auch vom Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Bischof Brian Farrell, und dem Präsidenten des Methodistischen Weltrats, Jong Chun Park, unterzeichnet. Damit wird einer der Hauptpunkte, die im 16. Jahrhundert zur Trennung der westlichen Christenheit führten, von den Katholiken und den wichtigsten aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen nicht mehr als kirchentrennend bewertet.

In einem ökumenischen Gottesdienst in der Wittenberger Stadtkirche unterzeichneten die Generalsekretäre der WGRK und des LWB, Chris Ferguson und Martin Junge, außerdem eine Erklärung mit dem Titel „Wittenberger Zeugnis“, in der eine engere Zusammenarbeit der beiden Weltbünde vereinbart wird. Anwesend waren zudem Vertreter des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), der Mennoniten und der Orthodoxen Kirche. Zuvor hatten die Repräsentanten der Kirchen um Vergebung für das in der Vergangenheit einander angetane Unrecht gebeten und den Friedensgruß ausgetauscht.

An dem ökumenischen Gottesdienst hat auch der Landessuperintendent der Evangelischen Kirche H.B. in Österreich, Thomas Hennefeld, teilgenommen. Die Unterzeichnung beider Dokumente sei ein „Grund zur Freude“: „Ich sehe darin wichtige Zeichen auf dem Weg der Kirchen zu einer engeren Gemeinschaft auf Weltebene. Der Beitrag der WGRK besteht vor allem darin, den Zusammenhang zwischen Rechtfertigung und Gerechtigkeit deutlich zu machen“, sagt der Landessuperintendent im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Aus der Rechtfertigung des Einzelnen leite sich sein Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit sowie seine Bereitschaft zur Verantwortung in der Gemeinschaft ab, so Hennefeld weiter. Er verwies dabei zugleich auf die Vorreiterrolle der Evangelischen Kirchen in Österreich in Sachen Ökumene: „Mit der Unterzeichnung der Wittenberger Erklärung verpflichten sich lutherische und reformierte Kirchen zu dem, was seit Jahrzehnten in der Evangelischen Kirche in Österreich gelebt wird, was aber weltweit alles andere als selbstverständlich ist.“
Verfasst am: 14.07.17, 10:00