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Titel: Bünker: "Luther war kein Reformkatholik"
Autor: MB
Quelle: http://www.kathpress.at vom 30.5.2017

Evangelischer Bischof bei Gesprächsabend des Journalistenforums der Diözese Linz: Ökumene-Modell, in dem Evangelische und die Katholische Kirche zu "irgendeiner Union" verschmelzen ist "unrealistisch" - Aber "Miteinander verschiedener Kirchen" vorstellbar

Martin Luther war "kein Reformkatholik", sondern stand für eine eigene Form von Kirche. Das betonte der lutherische Bischof Michael Bünker bei einem Gesprächsabend in Linz, zu der am Montag das Journalistenforum der Diözese Linz und der Kepler-Salon geladen hatten. Ein Ökumene-Modell, das die Evangelische und die Katholische Kirche zu "irgendeiner Union" verschmelze, hielt der evangelisch-lutherische Bischof für "unrealistisch", vorstellbar sei nur "ein Miteinander verschiedener Kirchen".

An "Schroffheiten" seien sich beide Seiten im Verhältnis zueinander in der Vergangenheit oft "nichts schuldig geblieben", heute werde deutlich, "dass wir uns über Einheitsvorstellungen verständigen müssen", meinte der Bischof im Gespräch mit dem "Standard"-Journalisten Markus Rohrhofer.

Als ein "Modell, das sich leben lässt", brachte Bünker die Kirchengemeinschaft ins Spiel, wie sie in der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) realisiert ist. In diesem Modell würden Unterschiede respektiert - "nicht jeder Unterschied ist trennend" - und Ämter einschließlich der Frauenordination anerkannt, erklärte Bünker, der auch Generalsekretär der GEKE ist.

Wenn auch dieses Modell nicht dem römischen Kirchenverständnis entspreche, ortet der Bischof doch ein "Signal der Öffnung und des gemeinsamen Interesses aneinander", etwa im qualifizierten Dialog, den der Päpstliche Einheitsrat mit der GEKE führe.

Berührungspunkte zwischen den Kirchen sieht Bünker 500 Jahre nach der Reformation in der "gemeinsamen Freude über die Wiederentdeckung des Evangeliums", im Bedauern über die Spaltung und die Gewalt, die die Kirchen sich gegenseitig angetan hätten und auch in der Freude darüber, "dass es gelungen ist, die Geschichte der Reformation gemeinsam und nicht mehr gegeneinander zu schreiben". Heute müsse es vor allem darum gehen: "Wofür sind wir als Kirchen da in Europa, was ist unser gemeinsamer Auftrag?"

Beeindruckt ist Bünker, wie "entschlossen und intensiv" in den kleinen evangelischen Kirchen in Österreich das Reformationsjubiläum aufgegriffen werde. Besonders freue ihn auch das große Interesse von säkularen Stellen, das sich etwa in der großen Ausstellung im Wien Museum, aber auch bei zahlreichen Landesstellen zeige. Hier werde deutlich, dass die Reformation nicht nur ein kirchliches, sondern ein gesamteuropäisches Ereignis sei, das die Gesellschaft grundlegend verändert habe. Erfreut zeigte sich der Bischof auch über das katholische Interesse, sichtbar etwa in Ausstellungen in St. Peter in Salzburg oder im Diözesanmuseum St. Pölten.

Luther beschrieb Bünker als "vielschichtige Persönlichkeit", die stark im Mittelalter verhaftet gewesen sei. Sein Judenhass und die unmäßige Polemik gegen den Papst seien "Seiten, die man nicht akzeptieren kann". Auf der anderen Seite stehen die "großartige Bibelübersetzung" oder Luthers Verdienste um die deutsche Sprache. Weder dürfe es eine "Schönfärberei" oder einen "Heiligenkult" um Martin Luther geben, warnte Bünker, noch dürften seine dunklen Seiten weggeschoben werden.

Mit der Reformation habe eine Bildungsreformation eingesetzt, erinnerte der Bischof, ein Thema, das auch heute nichts an Aktualität verloren habe. Bildung für alle, die Befähigung zum eigenverantwortlichen Leben und die Verantwortung für Menschen, die Hilfe brauchen, seien bleibende Anliegen der Reformation. Dazu brauche es auch den "Mut zur Veränderung", wie er in der Reformation spürbar werde, so Bünker.
Verfasst am: 31.05.17, 09:35
Titel: Ausstellungen im Jubiläumsjahr 2017: Eine Auswahl
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 29.5.2017

Österreichische Museen informieren über Vergangenheit und Gegenwart der Evangelischen

Das Jubiläumsjahr 2017 ist reich an Sonderausstellungen zum Thema Luther, Reformation oder evangelischer Glaube. Diese Auswahl soll dabei helfen, sich im Dickicht der österreichischen Museumslandschaft zu orientieren. Es lohnt sich, hinzuschauen.

Burgenland

Die Ausstellung „Ein Christenherz auf Rosen geht“ im Landesmuseum Burgenland in Eisenstadt widmet sich der Geschichte des Protestantismus von der Reformation bis in die Gegenwart. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung des Protestantismus in Ungarn vor 1921. Zu sehen bis 12. November.

Ihrer eigenen Geschichte widmet sich die Evangelische Pfarrgemeinde Loipersbach in der dortigen Evangelischen Kirche. Zu sehen im Herbst von 3. September bis 31. Oktober.

Kärnten

Die Künstlerin Lisa Huber verbindet im Evangelischen Kulturzentrum Fresach mit ihrer Intervention „Das Gefaltete Tuch“ protestantischen Glauben mit zeitgenössischer Kunst. Dazu gibt es eine neue Dauerausstellung zum protestantischen Leben in Kärnten. Zu sehen bis 31. Oktober.

Das Stadtmuseum Villach konzentriert sich in „Das Ringen um den Glauben – Villach und 500 Jahre Reformation“ auf die wechselvolle Geschichte der Evangelischen in Villach. Zu sehen bis 31. Oktober.

Niederösterreich

Die 1999 erstmals entwickelte Ausstellung „Evangelisch im Weinviertel“ im Museumsdorf Niedersulz wurde 2017 neu konzipiert. Im Museumsdorf findet sich auch eine Dauerausstellung zur Geschichte der Täufer und Hutterer im Weinviertel. Zu sehen bis 1. November.

„Gegen Papst und Kaiser – Reformation im Mostviertel“ nennt sich eine Ausstellung im 5e Museum auf Schloss Rothschild, die auf das Luthertum im Mostviertel, besonders in der Gegend um Waidhofen/Ybbs blickt. Zu sehen bis 31. Oktober.

In der Martin-Luther-Kirche in Hainburg an der Donau erzählt man die Geschichte „Von der Nonne zur ersten Pfarrersfrau“. Zu sehen bis 11. November.

„Freyheit durch Bildung“ : Die Ausstellung auf der Schallaburg hebt den Bildungsauftrag der Evangelischen Kirchen hervor, spürt wegweisenden pädagogischen Konzepten der Reformation nach und stellt diese in Bezug zu gegenwärtigen Bildungsfragen. Zu sehen bis 5. November.

Im St. Pöltner Rathaus erfährt man in der Ausstellung „Reformation in St. Pölten (1517-2017)“ mehr über die evangelische Geschichte der Stadt, die 2017 auch zur City of Reformation ernannt wurde. Zu sehen bis 15. September.

Ab Herbst 2017 lädt eine neue Dauerausstellung mit dem Titel „Evangelisch in Stockerau“ in das dortige Kulturzentrum im Belvedereschlössel. Das genau Datum ist noch offen.

Im Oktober betrachtet die Stadtgemeinde Bruck/Leitha „Die Reformationszeit im Spiegel der globalen und regionalen Entwicklung“. Zu sehen von 1. Oktober bis 31. Oktober.

Oberösterreich

Das Stadtmuseum Steyr verknüpft die Steyrer Lokalgeschichte mit der Geschichte des frühen Protestantismus und zeigt auch das gegenwärtige Leben der Evangelischen in der Stadt: „Das evangelische Jahrhundert in Steyr 1525-1625“, zu sehen bis 5. November.

Auf die konfliktreichen Beziehungen zwischen Protestantismus und römisch katholischer Kirche in Oberösterreich geht eine Ausstellung im Evangelischen Museum Oberösterreich in Rutzenmoos ein. Besonders beleuchtet wird die Rolle der vier großen Stifte Lambach, Kremsmünster, Schlägl und St. Florian. Zu sehen bis 31. Oktober.

Steiermark

„Glaubenskisten 1517-2017“ werden im Ramsauer Museum „Zeitroas“ und in der ganzen Ramsau ausgestellt. Sie sollen mit ihren Inhalten unterschiedliche Themen der Reformation behandeln. Zu sehen bis Februar 2018.

Im Waghütterl in Langenwang, dem laut eigener Bezeichnung „wohl kleinsten Museum Österreichs“, wird unter dem Titel „Reformation im Waghütterl“ reformatorisches Denken rund um die Uhr zugänglich gemacht. Zu sehen bis 1. November.

„Vulgata. 77 Zugriffe auf die Bibel“ nennt sich ein Projekt im Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz, das 33 zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen dazu einlädt, die Texte der Bibel in ihren Arbeiten zu reflektieren. Zu sehen bis 8. Juli.

Um „Gott und die Welt“ geht es auf Schloss Trautenfels in der Obersteiermark. Anlass der Ausstellung zum Thema Glaube und Glauben ist das Doppeljubiläum 500 Jahre Reformation und 800 Jahre römisch-katholische Diözese Graz-Seckau. Zu sehen bis 31. Oktober.

Das Evangelische Diözesanmuseum Murau präsentiert mit der Ausstellung „Frauenpower“ bedeutende Frauenpersönlichkeiten aus Reformation und Evangelischer Kirche. Zu sehen bis 15. Juli.

Das Museum für Geschichte in Graz geht in der Ausstellung „Ein Hammerschlag…“ der Geschichte des Evangelischen Glaubens in der Steiermark nach und fragt nach Reformbedarf in der Gegenwart. Zu sehen von 14. Juni 2017 bis 8. Jänner 2018.

Mit „Luthers Erben“ porträtiert die Evangelische Pfarrgemeinde Kindberg zwei wichtige Größen der Evangelischen Kirche in der Region: den „Raxkönig“ Georg Hubmer und den Industriellen Carl Nierhaus. Zu sehen vom 16. bis zum 27. September.

Der Frage, was „Typisch Evangelisch“ ist, will man im Museum im Alten Zeughaus in Bad Radkersburg nachgehen. Zu sehen im Herbst von 5. Oktober bis 31. Dezember.

Vorarlberg

„Hier stehe ich…500 Jahre Reformation“ lautet der Titel einer Intervention, die im Vorarlberg Museum und an verschiedenen Orten im ganzen Bundesland durch ausgewählte Kurzbiographien dem Einfluss der evangelischen Minderheit auf das Leben in Vorarlberg darstellt. Zu sehen bis 31. Oktober.

Wien

Die große Ausstellung im Wien Museum „Brennen für den Glauben – Wien nach Luther“ hat bereits geschlossen, aber Bibelübersetzung, die Bibel im Gottesdienst, und auch heutige Übersetzungsprojekte stehen im Zentrum der Ausstellung „Bibel und Reformation“ bei der Österreichischen Bibelgesellschaft in Wien. Zu sehen bis 10. November.

Teils noch nie ausgestellte Objekte aus der Zeit der Reformation sind in der Intervention „Hauspostille von Martin Luther“ im Volkskundemuseum in Wien zu sehen, z.B. eine Replik des Eherings von Martin Luther und Katharina von Bora aus dem 19. Jahrhundert. Zu sehen bis 8. Oktober.

Den Bogen vom Mittelalter bis ins Jahr 2017 spannt die Ausstellung „500 Jahre Reformation – Evangelisch-lutherischer Glaube in Wien. Die Lutherische Stadtkirche in Geschichte und Gegenwart“. Thematisiert werden im Bezirksmuseum Innere Stadt auch Schattenseiten der Geschichte wie das Verhältnis der Kirche zum Nationalsozialismus. Zu sehen von 30. Mai bis 31. Oktober (Juli und August geschlossen).


Sie kennen eine interessante Ausstellung zum Reformationsjubiläum, die hier noch nicht angeführt ist? Schreiben Sie uns unter info@evang.at!
Verfasst am: 29.05.17, 12:26