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Titel: Kirchlicher Verein für dritten Geschlechtseintrag
Autor: MB
Quelle: www.orf.at vom 31.7.2018

Als erste kirchliche Einrichtung hat die katholische Organisation plan:g Partnerschaft für globale Gesundheit den dritten Geschlechtseintrag begrüßt. Dieser war Ende Juni vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) beschlossen worden.

Künftig soll es in offiziellen Dokumenten neben „weiblich“ und „männlich“ die Möglichkeit zu einem weiteren Geschlechtseintrag geben. Diese dritte Option gilt in erster Linie intersexuellen Menschen mit sowohl weiblichen als auch männlichen Geschlechtsmerkmalen. In Österreich betrifft das bis zu 1,7 Prozent der Bevölkerung - das entspricht ungefähr 1.500 Neugeborenen pro Jahr.

Wie die beiden Theologen Ulrich Körtner und Gerhard Marschütz in einem Interview für die Ö1-Sendereihe „Praxis - Religion und Gesellschaft“ feststellten, gab es bisher (Stand: 25. Juli 2018) keine Reaktionen vonseiten der Kirche. Plan:g begrüßte in einer Aussendung die Entscheidung des Verfassungsgerichtshofes: „Intersexuelle Personen haben das Recht auf eine adäquate Bezeichung im Personenstandsregister.“

„Intersex ist keine Diagnose“

Wenn eine Person weibliche sowie auch männliche Geschlechtsmerkmale aufweist, spricht man von Intergeschlechtlichkeit bzw. Intersexualität. Das bedeutet, dass es genetische, anatomische und/oder hormonelle Ausprägungen gibt, die den Erwartungen nicht entsprechen. Diese Ausprägungen werden in Folge oft als Krankheit interpretiert und die Menschen mit Medikamenten behandelt.

Nicht immer ist Intergeschlechtlichkeit schon bei der Geburt feststellbar. In den meisten Fällen zeigt und entwickelt sie sich erst in der Pubertät oder sogar später. plan:g betonte, dass Intersexualität weder eine Störung noch eine Krankheit sei. „Intersex ist keine Diagnose“.

Umdenken in den Kirchen

Nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern auch kirchenrechtlich werde das Thema zum dritten Geschlechtseintrag relevant werden, ist Marschütz überzeugt. Nach katholischem Recht kann die Ehe nur zwischen einer Frau und einem Mann geschlossen werden. Die Priesterweihe ist überhaupt nur Männern vorbehalten. Daher sei ein Umdenken nötig.

Sendungshinweis:
Praxis - Religion und Gesellschaft vom 25.7.2018 zum Nachhören

Auch für die evangelischen Kirchen, wo seit einigen Jahrzehnten auch Frauen im Pfarramt tätig sind, sieht der evangelische Theologe Körtner keinen Grund dafür, warum intersexuelle Personen vom Pfarramt ausgeschlossen werden sollten.

Neuer Blick auf die Schöpfung

Nach der niederländischen Theologin Mariecke van den Berg lässt sich das auch in der Bibel begründen, wie sie in einem Interview mit der „Praxis“ betonte: „Man könnte den Schöpfungsbericht auch so lesen: Da ist ein Mensch, Adam, von dem noch gar nicht feststeht, ob er ein Geschlecht hat. Der nur Mensch ist, nicht Mann oder Frau. Dann würde das erste menschliche Wesen eine Person sein, die nicht auf ein Geschlecht festgelegt ist.“

Auch plan:g-Geschäftsführer Matthias Wittrock äußerte sich dazu positiv: „Die Schöpfung hat offensichtlich Platz für ein drittes Geschlecht. Das Problem ist nicht die Intersexualität, sondern ein verstellter Blick auf die Schöpfung.“

Adriana Thunhart, für religion.ORF.at
Verfasst am: 02.08.18, 09:01
Titel: Der »Waldbauernbub« Rosegger, der Maler Defregger und eine evangelische Kirche
Autor: MB
Quelle: https://www.sonntagsblatt.de vom 30.7.2018

Von Angelika Irgens-Defregger

Vor genau 175 Jahren, am 31. Juli 1843, wurde der österreichische Dichter Peter Rosegger als »Waldbauernbub« geboren. Auch 100 Jahre nach seinem Tod gibt es noch unbekannte Facetten des Dichters. Zum Beispiel, wie und warum der Katholik Rosegger eine evangelische Kirche finanzierte und alle seine Kinder Protestanten wurden.

Der vor 175 Jahren geborene und vor 100 Jahren gestorbene steirische Dichter Peter Rosegger (1843-1918) war ein notorischer Vielschreiber. Im Lauf seines Lebens hat er neben seiner schriftstellerischen Arbeit mit mehr als 1000 Menschen korrespondiert. Nur wenige Briefwechsel sind »beidseitig« erhalten. Einer ist der mit dem Münchner Maler Franz Defregger (1835-1921). Die Journalistin Angelika Irgens-Defregger hat Roseggers Briefe im Nachlass des Künstlers gefunden. Zusammen mit der Steiermärkischen Landesbibliothek hat sie die Korrespondenz herausgegeben. Das Buch »Wir haben uns selten gesehen ...« (2018, 352 Seiten, zahlreiche Illustrationen) eröffnet spannende Einblicke in eine deutsch-österreichische Künstlerfreundschaft des späten 19. Jahrhunderts und zeigt unbekannte Seiten des »Waldbauernbubs«:



»Ich diene weder der protestantischen noch der katholischen Kirche. Ich suche herzfroh nur dem zu dienen, dem diese Kirchen gestiftet wurden, und das ist EINER.« So antwortete der Katholik Rosegger, als er gefragt wurde, warum er ausgerechnet den Protestanten eine Kirche bauen ließ.

Als »Waldbauernbub« hat sich Peter Rosegger ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Doch der steirische Volksdichter und Einödflüchtling hatte noch viele andere Facetten.

Als Gründer, Herausgeber und Mitautor des Heimgarten war er beteiligt an der Entstehung des modernen Zeitungswesens. Die von ihm gegründete Familienzeitschrift – mit Autoren wie Adalbert Stifter, Ludwig Anzengruber, Franz von Kobell, Karl May, Marie von Ebner-Eschenbach und vielen anderen – wurde auch zur Plattform ihm wichtig erscheinender Anliegen. Immer wieder bezog er selbst Stellung zum aktuellen Zeitgeschehen. Er schrieb engagiert und positionierte sich in der Debatte zu Themen wie Antisemitismus, Alkoholismus, Kindererziehung, Kirche, Krieg, Landflucht, Niedergang der Kleinbauernschaft, Strukturwandel und Umwelt.

Frühe Form des Crowdfunding

Im Nebenberuf war der Erfolgsautor sowohl »Industrialisierungsgegner« und Anwalt der Kleinbauern als auch »der Mann mit dem großen Klingelbeutel«. Mit Spendenaufrufen für Bildungs- oder Kirchenbauten betrieb er eine Art Crowdfunding, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab.

Erfolgreich finanzierte er so nicht nur 1902 den Bau der Waldschule am Alpl (seiner Heimat) und 1909 den Wiederaufbau der katholischen Kirche in St. Kathrein; er sammelte auch Millionen für den deutschen Schulverein 1909. Am Anfang all dieser Projekte stand jedoch die evangelische Kirche in Mürzzuschlag – der Bau der Heilandskirche des Wiener Architekten Karl Steinhofer.

Um die Jahrhundertwende waren im Zuge der Industrialisierung ins ursprünglich rein katholische Mürztal in der Nordoststeiermark rund 500 Protestanten eingewandert. Ihr evangelischer Pfarrer Adolf Kappus trat an Rosegger mit der Bitte heran, ihn und seine Pfarrgemeinde beim Neubau eines Gotteshauses zu unterstützen. Am 2. Januar 1900 versandte Rosegger an ungefähr 80 deutschsprachige Zeitungen in Deutschland, der Schweiz und Amerika einen Aufruf zur finanziellen Unterstützung des Neubaus. Die Werbeaktion war so erfolgreich, dass Rosegger am 17. Juni mit seiner Familie die Grundsteinlegung und am 18. November desselben Jahres die Einweihung der Heilandskirche mitfeiern konnte.

Der evangelische Neubau war nicht nur ein wichtiger Schritt in Richtung Ökumene. Er nützte zugleich der »Los-von-Rom-Bewegung«, einer von der Idee eines großdeutschen Reichs getragenen politischen Bewegung in Österreich mit dem Ziel der Stärkung des Protestantismus und Altkatholizismus, für welche auch Rosegger Sympathie entwickelte. Zu Roseggers 60. Geburtstag 1902 veröffentlichte die nationalliberal und antiklerikal ausgerichtete Satirezeitschrift Der Scherer eine »Prachtfestnummer«, in der Rosegger zum Vorbild und Mitstreiter stilisiert wurde.

Alle Kinder Roseggers wurden evangelisch

Dass später vier von Roseggers erwachsenen Kindern in der Heilandskirche zum Protestantismus übertraten, erscheint vor diesem Hintergrund nicht mehr verwunderlich.

Eines allerdings überraschte Roseggers Künstlerfreund, den seinerzeit gefeierten Historien- und Genremaler Franz von Defregger: »Übrigens bin ich sehr verwundert, daß die Protestanten damit einverstanden sind, daß ein Bild mit der Maria und St. Josef in ihre Kirche kommt, – aber das thut man wohl nur Ihnen zuliebe?«, schrieb Defregger am 29. April 1900.

Den Maler und den Dichter verband nicht nur ein über vier Jahrzehnte geführter Briefwechsel, sondern auch gemeinsames Buch mit kurzweiligen Geschichten von Rosegger zu Bildern von Defregger. Rosegger hatte den Maler um Hilfe bei der Ausstattung der Mürzzuschlager evangelischen Kirche gebeten. Ein Defregger-Schüler lieferte schließlich eine Kopie von Defreggers »Heiliger Familie« von 1872. Das Original befindet sich in Defreggers Heimat – in der katholischen Pfarrkirche in Dölsach in Osttirol.

Tatsächlich war das Marienbild eine Bedingung des Spenders, wie Rosegger in seiner Autobiografie »Mein Weltleben« zugab: »Weil es aber nicht alle Tage vorkommt, dass ein Katholik für ein evangelisches Gotteshaus Steine trägt, so habe ich mir auch ein kleines Denkmal dessen ausgebeten. Ich bin ein Freund der Marien-Minne, und weil Maria, die Heilandsmutter, ja doch auch eine evangelische Person ist, so habe ich gesagt zu den Evangelischen im Mürztal: Wenn ich mittue, so müsset ihr mir ein schönes Marienbild in die neue Kirche stellen.« Und so geschah es.




PETER ROSEGGER


31. Juli 1843: Geburt als Peter Roßegger auf dem »Unteren Kluppeneggerhof« am Alpl über Krieglach als ältestes von sieben Geschwistern. Der Dichter ändert später die Schreibweise seines Nachnamens.

1849-1854: Unregelmäßiger Unterrichtsbesuch bei einem Wanderlehrer, Schulzeit insgesamt etwa zwei Jahre

1860: Zur Bauernarbeit ist Peter nicht geeignet, Versuche der Mutter scheitern, ihm eine Karriere als Priester zu ermöglichen. Rosegger beginnt eine Schneiderlehre.

1864: Gesellenprüfung. Rosegger sendet erste schriftstellerische Versuche und Gedichte mit eignen Illustrationen an die Grazer Tagespost, wo man sein Talent erkennt.

1868: Rosegger beginnt als freier Schriftsteller zu arbeiten.

1870: Erste Werke in steirischer Mundart

1873: Hochzeit mit Anna Pichler in Graz

1874: Geburt von Sohn Josef (»Sepp«), später Arzt und Komponist

1875: Die »Schriften des Waldschulmeisters« erscheinen und werden ein internationaler Erfolg; nach der Geburt von Tochter Anna stirbt Roseggers Frau im Alter von nur 23 Jahren.

April 1876: Beginn der Korrespondenz mit dem Maler Franz Defregger

1877: Zwei Bände »Waldheimat« erscheinen

1879: Hochzeit mit Anna Knaur in Krieglach

1880: »Bilder von Defregger, Geschichten von Rosegger« erscheint

1900: Bau der evangelischen Heilandskirche in Mürzzuschlag nach einer von Rosegger initiierten großen Spendenaktion

26. Juni 1918: Tod in Krieglach








FRANZ DEFREGGER


31. April 1835: Franz Jacob Defregger wird in Stronach (Gemeinde Dölsach) als zweiter Sohn eines Bauern und einer Wirtstochter geboren.

1841: Tod der Mutter, des älteres Bruders und drei seiner Schwestern an Typhus

1858: Tod des Vaters. Franz übernimmt den elterlichen Ederhof und verkauft ihn nach zwei Jahren an einen Cousin. Ursprüngliche Pläne, nach Amerika auszuwandern, zerschlagen sich.

1860: Bildschnitzerlehre in Innsbruck, der ihn dem weltbekannten Historienmaler Carl von Piloty empfiehlt

1861: Aufnahme an der Münchner »Königlichen Akademie der Bildenden Künste«

1863-1865: Aufenthalt in Paris

1872: Heirat mit der 20 Jahre jüngeren Anna Maria Müller, Tochter seiner Vermieter; Übersiedlung nach Bozen

1875: Kauf einer Villa in der Münchner Königinstraße 31

1878: Ernennung zum Professor für Historienmalerei an der Münchner Akademie (Nachfolge Piloty; bis 1910)

1883: Besuch von König Ludwig II. im Atelier; Kronenorden und bayerischer Adelstitel

1886: Münchner Bürgerrecht

1900: Erkrankung am Grauen Star

2. Januar 1921: Tod in München. Beisetzung auf dem Nordfriedhof
Verfasst am: 02.08.18, 08:58