Neuigkeiten Neuigkeiten
Titel: Arbeitszeit – Evangelische Kirche pocht auf Sonntagsruhe
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 3..2018

Eingriffe in sensible Bereiche nur im gesellschaftlichen Gesamtkonsens

Deutliche Kritik am Gesetzesvorhaben der Regierungsparteien, die Arbeitszeit bei besonderem Arbeitsbedarf durch Überstunden auf Sonn- und Feiertage auszudehnen, kommt von der Evangelischen Kirche. In einer Stellungnahme, die der Evangelische Oberkirchenrat A.u.H.B. am Dienstag, 3. Juli, beschlossen hat, spricht sich das Leitungsgremium der Evangelischen Kirche A.u.H.B. in Österreich dezidiert für die Beibehaltung der Sonntagsruhe aus. Generell sieht die Evangelische Kirche gesetzliche Regelungen über die tägliche Höchstarbeitszeit, die wöchentliche Höchstarbeitszeit sowie die Arbeit an Sonn- und Feiertagen als „sensible Bereiche“, die „nur im gesellschaftlichen Gesamtkonsens“ getroffen werden sollten, nach einer „ausführlichen und intensiven Begutachtung“ und „nach intensiven Gesprächen“ mit den Sozialpartnern, heißt es in der Stellungnahme, die dem Präsidium des Nationalrates und anderen politischen Entscheidungsträgern übermittelt wurde.

Das geplante Arbeitsruhegesetz sieht Ausnahmen von der Sonn- und Feiertagsruhe bei besonderem Arbeitsbedarf vor. Hier hat die Evangelische Kirche verfassungsrechtliche Bedenken im Zusammenhang mit der Religionsfreiheit. So werden aufgrund des Priestertums aller Gläubigen in den evangelischen Kirchen und vielen Freikirchen Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen nicht nur durch Pfarrerinnen und Pfarrer sondern durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehalten. Diese wichtige Mitarbeit vieler Ehrenamtlicher prägt das gottesdienstliche Leben in den evangelischen Pfarrgemeinden, so der Oberkirchenrat. Die neue Regelung würde nun bedeuten, dass plötzlich Betriebsräte und Arbeitsinhaber darüber entscheiden, ob an bestimmten Sonn- und Feiertagen ein ehrenamtlicher Mitarbeiter bzw. eine ehrenamtliche Mitarbeiterin einen Gottesdienst halten kann. Dadurch, so die Evangelische Kirche, greife die geplante Änderung in die verfassungsgesetzlich gewährleistete Religionsfreiheit der Evangelischen Kirchen in Österreich ein. Problematisch beurteilt die Evangelische Kirche auch die Regelung, dass Dienstnehmer für die Ablehnung der Arbeit an Sonn- und Feiertagen in diesem Fall detailliert Gründe für ihr ehrenamtliches religiöses Engagement nennen müssten. Hier stelle sich die Frage, ob dies „nicht gesetzlich diskriminierend“ im Sinne der Gleichbehandlungsrahmenrichtlinie und damit unionswidrig sei. Letztlich würden dann Arbeitsgerichte darüber entscheiden, ob eine Mitarbeit in einem Gottesdienst rechtlich relevant sei. Dies wiederum, so der Evangelische Oberkirchenrat, stelle einen „unzulässigen Eingriff in die inneren Angelegenheiten“ der Evangelischen Kirchen in Österreich dar.

Zudem hält die Evangelische Kirche fest, dass an Sonn- und Feiertagen die öffentliche Religionsausübung im Rahmen der Gottesdienste und vieler anderer Veranstaltungen erfolge. Das „biblisch angeordnete Gebot der Sonntagsruhe“ habe außerdem eine „weitere tiefe Bedeutung“ für das gemeinsame und familiäre Leben.
Verfasst am: 05.07.18, 08:25
Titel: Bischof Krautwaschl würdigt scheidenden Superintendent Miklas
Autor: MB
Quelle: www.kathpress.at vom 30.6.2018

Grazer Bischof bei Abschiedsgottesdienst für langjährigen Spitzenvertreter der Evangelischen Kirche A.B. in der Steiermark - Dank für ökumenisches Miteinander und Einsatz für Dialog der Kirchen mit säkularer Mitwelt - Miklas-Appell an Kirchen und Gesellschaft: "Zukunft säen" statt nur in Vergangenheit zu blicken

Der katholische Grazer Bischof Wilhelm Krautwaschl hat den nach 19 Jahren aus dem Amt scheidenden steirischen evangelischen Superintendent Hermann Miklas (65) für dessen Einsatz für das ökumenisches Miteinander und den konstruktiven Dialog der Kirchen mit der säkularen Mitwelt gewürdigt. Als politisch wacher Mensch lebe Miklas vor, "dass Identität nicht aus Abgrenzung, sondern aus Hingabe, aus Liebe erwächst. Das ist Dein und unser - zutiefst christlicher - Ansatz zur Gestaltung der Welt", sagte Krautwaschl am Samstag beim einem Abschiedsgottesdienst in der evangelischen Heilandskirche in Graz. "Ich bin dankbar, dass ich Dich als überzeugten Christen und Theologen, als feinen und auch fairen Menschen kennen lernen durfte", wandte er sich an Miklas.

In Kirche und Gesellschaft sei heute "so viel Angst um die eigene Identität spürbar", sagte Bischof Krautwaschl. Miklas gehe einen anderen Weg: "bescheiden und selbstbewusst, frei von Ängsten und Sorgen" um die eigene Person und die Kirche, "offen für die geistige Auseinandersetzung mit der Welt, bereit zum geistigen Ringen, Argumentieren und Nachdenken". Die verschiedenen Kirchen und Religionsgemeinschaften hätten den Superintendent zudem als "Freund" erlebt, der die unterschiedlichen Konfessionen wertschätze und sie vor allem miteinander ins Gespräch bringe und vernetze.

Bei dem Gottesdienst am Samstag nahm der lutherische Bischof Michael Bünker die sogenannte Amtsentpflichtung des scheidenden Superintendenten vor. Bünker unterstrich dabei die "klare theologische Konzentration" im Wirken von Hermann Miklas und die gleichzeitige "Hinwendung zu den Menschen". Miklas stehe für eine "Theologie, die den Menschen dient" und habe sich eingesetzt für eine "Kirche, die ihren Auftrag wahrnimmt".

Auf die Weltoffenheit des evangelischen Theologen ging auch die steirische Landtagspräsidentin Bettina Vollath ein, die neben zahlreichen weiteren Ehrengästen aus Kirchen, Politik und öffentlichem Leben an dem Abschiedsgottesdienst teilnahm. "Hermann Miklas ist vor allem ein würdiger Vertreter einer religiösen, weltoffenen Steiermark. Sein großartiger Beitrag zum interreligiösen Dialog und zur gelebten Ökumene sind Errungenschaften, die auch heute noch nicht selbstverständlich sind", sagte die SPÖ-Politikerin.

"Zukunft säen" statt in Vergangenheit blicken

Miklas selbst dankte bei der Feier jenen Menschen, die ihn in seiner Amtszeit begleitet hatten. Gleichzeitig mahnte er, bei allem Rückblick auf das Schöne und Gelungene der vergangenen Jahre - auch in gesamtgesellschaftlicher Perspektive - nicht die Zukunft aus den Augen zu verlieren: "Es kann heute nicht darum gehen, die glorreiche Vergangenheit wieder zu beleben - es geht vielmehr darum, Zukunft zu säen und zu bauen."

Eine Haltung nach dem Motto "Früher war die Welt noch überschaubar und man war in der Steiermark noch unter sich", führe etwa dazu, dass Hilfesuchende erst gar nicht mehr "in unsere 'heile' Welt gelassen werden", nahm Miklas auf die aktuellen Debatte um Flucht und Migration Bezug. Die Verletzung der Menschenrechte und Kollateralschäden nehme man dabei "achselzuckend in Kauf". Die Kirchen, so der Superintendent, hätten hier eine wichtige Brückenfunktion zu erfüllen und sollten den Kontakt zu keiner Seite abreißen lassen.

Zugleich betonte Miklas den Wert der Erinnerung im Glauben, etwa als Hilfe in persönlichen Krisen oder als "Mahnung, um nicht vergangene Irrwege in der Gegenwart zu wiederholen". Zukunft brauche Erinnerung, und doch müsse auch die Kirche in einer schnelllebigen Zeit wie der gegenwärtigen "in immer kürzeren Abständen neue Zugänge und neue Konzepte" bieten und die Bereitschaft, sich auf die neuen Herausforderungen einzulassen.

Miklas tritt nach 19 Jahren an der Spitze der Evangelischen Kirche A.B. in der Steiermark Ende August in den Ruhestand. Zwölf Jahre lang war er auch Vorsitzender des Ökumenischen Forums christlicher Kirchen in der Steiermark. Sein bereits gewählter Nachfolger Wolfgang Rehner (56) wird am 23. September offiziell in das Superintendenten-Amt eingeführt. Die Diözese Graz-Seckau hatte Miklas bereits Ende Mai für sein umfassendes ökumenisches Engagement mit dem diözesanen Ehrenzeichen ausgezeichnet.



Verfasst am: 02.07.18, 11:13