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Titel: Bischof Bünker über die Gerüchte der Spaltung der Evangelischen Kirche
Autor: MB
Quelle: www.glaube.at vom 13.3.2019

Auf Anfrage von GLAUBE.at äußert sich jetzt der Bischof der Evangelischen Kirche über die Entscheidung der Synode vom 09. März 2019, homosexuelle Paare zu segnen, und deren mögliche Konsequenzen. Das Thema ist, wie bereits berichtet, heftig diskutiert worden und Gerüchte über eine Spaltung der Kirche stehen im Raum.

Auf die Fragen, ob der Bischof eine Gefahr für eine Spaltung sieht, ob es Mitglieder gibt, die angekündigt haben aus der Evangelischen Kirche auszutreten und was er jenen knapp 29 Prozent sagt, die gegen Dank- und Segnungsgottesdienste für homosexuelle Paare sind, antwortet Bischof Bünker:


„Der Gegensatz in der Frage der öffentlichen Segnung homosexueller Ehepaare ist in der Evangelischen Kirche in Österreich eine Tatsache. Dies gilt wohl für alle Evangelische Kirchen in Europa und auch darüber hinaus. Wie mit diesem Gegensatz umgegangen werden kann, stellt alle Verantwortlichen vor eine große Herausforderung.


Ich hoffe, dass mit dem Beschluss der Synode vom 9. März ein Weg gefunden wurde, auf dem möglichst viele mitkönnen. In der Tat gibt es einzelne Mitglieder, die mir aufgrund dieser Synodenentscheidung ihren Entschluss mitteilen, aus der Evangelischen Kirche austreten zu wollen. Bis zum heutigen Tag bleibt dies allerdings im einstelligen Bereich.


Es sind nicht 29% der Kirchenmitglieder, die sich gegen Dank- und Segnungsgottesdienste für homosexuelle Ehepaare ausgesprochen haben, sondern Gemeinden, die durch ihre Vertretungsorgane entsprechende Beschlüsse gefasst haben. Welche Meinung die knapp 300.000 Mitglieder der Evangelischen Kirche dazu haben, haben wir nicht empirisch gesichert erhoben. Die Entscheidung der Synode sieht auf jeden Fall einen deutlichen und wirksamen Schutz der divergierenden Meinung vor. So soll die öffentliche Segnung homosexueller Ehepaare nur in den Gemeinden durchgeführt werden, die sich bewusst dafür entscheiden und kein Pfarrer/Pfarrerin oder Lektor/Lektorin gezwungen werden, eine solche Segnung durchzuführen. Damit – so meine ich – ist eine sehr deutliche Respektierung derjenigen gewährleistet, die sich gegen eine solche Segnung ausgesprochen haben.“

Presbyter Aigner

Das folgende Kommentar von Presbyter Bernhard Aigner gegenüber GLAUBE.at zeigt, dass das Thema in der Tat sehr unterschiedlich betrachtet wird. Aigner ist langjähriges Mitglied der Evangelischen Kirche Marchtrenk, Oberösterreich, und arbeitet ehrenamtlich mit.


„Im Gegensatz zu Bischof Bünker bin ich ob der Synodenentscheidung zum Thema ‚Trauung für alle‘ nicht stolz auf unsere Kirche: Einerseits wegen der Art des Entscheidungsprozesses, der in einer Überrumpelungstaktik eine Diskussion außerhalb der Synode zuerst gar nicht zulassen wollte und dann, durch die nur kurze Nachfrist, eine ordentliche Auseindersetzung mit und Entscheidungsfindung zu diesem Thema für die Gemeinden sehr erschwerte.


Andererseits wegen des Inhaltes, der mit meinem Schriftverständnis nicht vereinbar ist: Die Ehe ist in der Bibel unmissverständlich eine lebenslange und von Gott gesegnete Verbindung von Mann und Frau - und nicht von Mann und Mann oder Frau und Frau (was zwar jetzt - für mich bloße Wortspielerei - nur als ‚eheanalog‘ bezeichnet wird). Die Kirche stellt sich damit nicht mehr unter, sondern über das Wort Gottes – und hat damit, aus meiner Sicht, einen großen Schritt auf das eigene Ende hin gemacht."
Verfasst am: 14.03.19, 09:22
Titel: „Ehe für alle“: Bünker bekräftigt Synodenbeschluss
Autor: MB
Quelle: www.orf.at vom 11.3.2019

Der lutherische Bischof Michael Bünker hat am Montag bekräftigt, dass er den Kompromiss in Sachen gleichgeschlechtlicher Ehe für einen „wesentlichen Schritt in Richtung Gleichberechtigung“ sieht.

Die evangelische Synode hatte am Samstag mit 45 zu 18 Stimmen beschlossen, dass es künftig in der evangelisch-lutherischen Kirche keine „Trauungen“ mehr gibt, sondern einen öffentlichen Segnungsgottesdienst anlässlich der Eheschließung von Mann und Frau und einen ebenso öffentlichen Segnungsgottesdienst anlässlich einer vor dem Staat als Ehe geschlossenen und von der Kirche als „eheanalog“ gewürdigten gleichgeschlechtlichen Partnerschaft.

Begriff „eheanalog“

Die evangelische Kirche halte einerseits laut Bünker am biblischen „Verständnis der Ehe als der auf lebenslange Treue angelegten Lebensgemeinschaft von Mann und Frau“ fest. Zum anderen sehe man aber bei gleichgeschlechtlichen Paare dieselben Werte wie lebenslange Treue und Fürsorge gegeben, „und das wollen wir würdigen, indem wir sagen, auch das kann öffentlich gesegnet werden“, erläuterte der Bischof im ORF-Morgenjournal den neuen Begriff „eheanalog“.

Eine „Trauung“ gibt es künftig in der lutherischen Kirche generell nicht mehr, wobei sich Bünker hier nicht auf Begrifflichkeiten festnageln lassen wollte, sondern vielmehr auf das spezifisch evangelische Eheverständnis hinwies. Anders als in der katholischen oder orthodoxen Kirche ist die Ehe in der evangelischen Kirche kein Sakrament, sondern: „Die Ehe wird vor der staatlichen Autorität geschlossen und die so Verheirateten kommen dann in die Kirche, um dort um den Segen zu bitten, das Treueversprechen zu wiederholen und um für sich beten zu lassen. Das ist der Kern.“

Beschluss der Gemeindevertretung nötig

Damit ein öffentlicher Segensgottesdienst für gleichgeschlechtliche Paare grundsätzlich in einer Pfarrgemeinde stattfinden kann, muss dies in der Gemeindevertretung zuvor beschlossen werden. Zusätzlich wird die individuelle Gewissensentscheidung von Pfarrerinnen und Pfarrern, Lektorinnen und Lektoren für oder gegen Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare respektiert. Niemand kann dazu gezwungen werden, einem solchen Gottesdienst vorzustehen bzw. daran mitzuwirken.

Für Bünker ist das kein halbherziger Schritt, er berücksichtige lediglich, wie sehr diese Frage weltweit und auch in Österreich in der Kirche kontroversiell diskutiert wird. Und nachdem die Freiheit in der evangelischen Kirche von so hoher Bedeutung sei, solle sie durch die neue Regelung gewahrt bleiben.

„Schmerzhafte Unterscheidung“

Die ORF-„Orientierung“ widmete der Synode am Sonntag einen eigenen Beitrag, in dem die kontroversiellen Standpunkte deutlich wurden. So bedauerte der niederösterreichische Superintendent Lars Müller-Marienburg, dass es immer noch die „schmerzhafte Unterscheidung“ von „Ehe“ und „eheanalog“ gibt. „Da bekommt man das Gefühl, dass es noch nicht ganz das Gleiche ist“, so der Superintendent. Reinhard Füßl, Kurator der evangelischen Gemeinde Windischgarsten, wies hingegen darauf hin, dass er, von der Bibel ausgehend, keine Möglichkeit sehe, „praktizierte Homosexualität unter den Segen Gottes zu stellen“.

Noch steht auch nicht fest, wie die liturgischen Abläufe bei den künftigen Segensfeiern für hetero- und homosexuelle Paare konkret ausgestaltet sind, bzw. welche Unterschierde es womöglich auch geben wird. Damit müssen sich erst die zuständigen kirchlichen Gremien befassen.

religion.ORF.at/KAP/epdÖ
Verfasst am: 12.03.19, 11:14