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Titel: Bischof Michael Bünker: „Wir brauchen mehr Menschlichkeit“
Autor: MB
Quelle: https://www.evang.at vom 1.1.2018

Neujahrsansprache zum Gedenkjahr 2018

In seiner Neujahrsansprache hat der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker zu mehr Menschlichkeit aufgerufen. „Wir brauchen mehr an Humanität, wir brauchen Herzenswärme und Mitgefühl. Das sind Haltungen, die uns helfen können, dass Menschenrechte und die Menschenwürde gewahrt bleiben“, sagte der Bischof, der in seiner Ansprache an das dreifache Gedenken des Jahres 2018 – hundert Jahre Republik, achtzig Jahre Anschluss und siebzig Jahre Menschenrechte – erinnerte.

Menschenrechte sind eine Konsequenz der Menschenwürde, hält Bünker fest. „Für mich als Christen ist die Würde des Menschen im Glauben begründet. Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, heißt es im biblischen Schöpfungsbericht.“ Diese Würde komme jedem und jeder zu, unabhängig von Herkunft, Einkommen, Sprache, Religion oder sexueller Orientierung. 70 Jahre nach der Erklärung der Menschenrechte sei es wichtig zu fragen, was uns heute an Humanität und Menschlichkeit miteinander verbinde. Denn die Menschenrechte, so Bünker, seien eine Konsequenz der tiefen Verletzung der Menschenwürde, die die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts bestimmt haben.

Nach der Katastrophe des Ersten Weltkriegs wurde vor hundert Jahren die „demokratische Republik“ Österreich gegründet, der bald die Diktatur des Ständestaates folgte. Vor 80 Jahren erfolgte dann der sogenannte Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland mit Terror und Gewalt vor allem gegen die jüdische Bevölkerung. „Von den brennenden Synagogen im November 1938 führt der Weg direkt bis nach Auschwitz.“ So sei die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gekennzeichnet, dass Menschenleben wertlos sind und dass die Menschenwürde mit Füßen getreten wurde.

„Wie können wir heute menschlich leben als Menschen?“, fragt der Bischof. Für den christlichen Glauben beginne es damit, „dass wir jedes Leben bejahen und annehmen. Dass wir die Augen nicht vor der Not derer verschließen, die unsere Hilfe brauchen. Dass wir nicht zulassen, wenn ganze Gruppen von Menschen ausgegrenzt werden, wenn man ihnen mit Hass und Ablehnung begegnet.“ Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, die Ablehnung von Flüchtlingen aber auch besonders der Antisemitismus seien zutiefst unmenschliche Haltungen. Unmenschlich sei auch der Hass in manchen Internetforen.

Für ein menschliches Leben brauche es Anerkennung und die Möglichkeit die eigenen Begabungen im gemeinsamen Leben einbringen zu können, unterstreicht Bünker. Das geschehe durch Bildung für alle, durch Wertschätzung und Akzeptanz in der gemeinsamen Gestaltung des Lebens, durch ein Interesse aneinander, durch gute Nachbarschaft, „unabhängig von der Religion, unabhängig davon, ob wir die gleiche politische Meinung teilen oder die gleiche Sprache sprechen“.

Jesus von Nazareth habe ein solches „Leben in Fülle“ vorgelebt und gezeigt, „wie wir die Nächstenliebe im Alltag umsetzen können. Er macht uns Mut, dass wir unsere Ängste und Sorgen überwinden, dass wir die Güte der Menschen stärken und immer auf das Gute vertrauen“, sagte der Bischof in seiner Neujahrsansprache, die am Abend des 1. Jänner 2018 auf ORF 2 ausgestrahlt wurde.

Verfasst am: 03.01.18, 13:18
Titel: Pfarrgemeinden leisten wertvolle Integrationsarbeit
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 20.12.2017

Oberkirchenrat Schiefermair kritisiert „absurde“ Glaubensprüfungen im Asylverfahren

Auf die „wertvolle Integrationsarbeit“ durch Pfarrgemeinden, die Flüchtlinge betreuen, hat der evangelische Oberkirchenrat Karl Schiefermair hingewiesen. Hier geschähen „enorm wichtige integrative Leistungen in beide Richtungen“, sagt das Mitglied der Kirchenleitung im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. In zahlreichen evangelischen Pfarrgemeinden gebe es vielfältige Aktivitäten für die Integration von Flüchtlingen, die von der Öffentlichkeit weitgehend „nicht bemerkt und auch nicht gewürdigt“ werden. Dass sich das Klima gegenüber Menschen auf der Flucht seit 2015 verschlechtert habe, kann Schiefermair, der in der Kirchenleitung unter anderem für das Ressort Diakonie zuständig ist, nicht bestätigen. Im Gegenteil: „Ich weiß, dass auch im Diakonie Flüchtlingsdienst die Zahl der Ehrenamtlichen eher steigt als fällt.“

Deutliche Kritik übt der Oberkirchenrat an den „Glaubensprüfungen“ bei den Interviews im Asylverfahren. Diese würden „immer absurder“. Fragen, die dort gestellt werden, könnten „90 Prozent der österreichischen Evangelischen nicht beantworten“, ist Schiefermair überzeugt. Gefragt werde z.B. nach den Unterschieden von Evangelisch A.B. und H.B., nach den Namen der Jünger, was man unter „Dreifaltigkeit“ verstehe, seit wann in der Evangelischen Kirche in Österreich Frauen ordiniert würden oder auch wie viele Sakramente es in der Freikirche (sic) gebe. „Hier ist ein Stadium erreicht, das uns Sorge macht“, sagt Schiefermair. So würden etwa immer wieder Asylanträge wegen mangelnden Wissensstandes abgelehnt und eine Scheinkonversion unterstellt. Die Frage über die Rechtmäßigkeit der Taufe habe die Kirche zu entscheiden und nicht der Staat, denn „jeder Pfarrer und jede Pfarrerin hat die seelsorgerliche Verantwortung, die Ernsthaftigkeit des Taufwillens zu prüfen und zu bestätigen“.

In den letzten Wochen hat die Evangelisch-lutherische Kirche in einer Online-Umfrage erhoben, wie viele Pfarrgemeinden mit Asylberechtigten bzw. Asylwerbern als Taufwerber konfrontiert sind. 128 Pfarrgemeinden haben sich an der Umfrage beteiligt, in 76 davon sind Asylwerber bzw. Asylberechtigte als Gemeindeglieder oder Taufwerber ein Thema. Insgesamt berichten die Pfarrgemeinden von rund 780 Asylwerbern bzw. Asylberechtigten, rund zwei Drittel davon sind bereits getauft, ungefähr ein Drittel sind Taufwerber, die den einjährigen Taufunterricht erhalten. Österreichweit wurden nach dieser Umfrage heuer 209 Asylwerber bzw. Asylberechtigte getauft.

In den Pfarrgemeinden selbst komme es durch die Integration von Menschen auf der Flucht zur „Erneuerung und Ergänzung der Kerngemeinde“, beobachtet Schiefermair. Gleichzeitig wirke sich dies auch auf die Gestaltung von Gottesdiensten aus, wenn Lesungen z.B. auch in Farsi gehalten würden. Manche Gottesdienste würden durch die neue Situation auch „offener und verständlicher“. Die neuen Gemeindeglieder bzw. Taufwerber beteiligen sich am Gemeindeleben, helfen bei der Gestaltung von Festen oder etwa Flohmärkten mit und engagieren sich bei verschiedenen Aktivitäten im Gemeindeleben, in der Jugendarbeit ebenso wie in der Netzwerkarbeit für andere Flüchtlinge. „Es ist beeindruckend, in welcher Fülle und Breite hier Integrationsarbeit passiert“, betont Schiefermair.

Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen in den Pfarrgemeinden beim Dolmetschen, bei der Begleitung zu Gerichtsterminen, beim Deutschunterricht, bei der Suche nach Wohnraum oder im sozialen Bereich. Als massives Problem würden die Umquartierungen erlebt, wenn bereits integrierte Flüchtlinge in andere Städte oder Bundesländer verlegt werden bzw. aus eigener Entscheidung dorthin ziehen und so aus der gewohnten Betreuung herausfallen.

Mehr Austausch und Vernetzung zwischen den Pfarrgemeinden, die Menschen auf der Flucht betreuen, soll nun ein Studientag bringen, der im März in Wien stattfinden wird.
Verfasst am: 22.12.17, 09:33