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Titel: Österreichisches Ehrenkreuz für Neustadter Pfarrer Michael Landgraf
Autor: MB
Quelle: https://www.pfalz-express.de vom 2.8.2018

Wie die Pfälzische Landeskirche jetzt mitteilte, hat der Neustadter Pfarrer Michael Landgraf eine weitere hohe Ehrung erfahren

Der Leiter des Religionspädagogischen Zentrums in Neustadt, der erst im Juni diesen Jahres mit dem Internationalen Comeniuspreis ausgezeichnet wurde, wird mit dem Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich ausgezeichnet.

Das habe der Bundesminister für Kunst, Kultur und Medien, Gernot Blümel, in Wien mitgeteilt. Verliehen werde die Auszeichnung von Bundespräsident Alexander Van der Bellen, berichtet die Landeskirche auf ihrer Homepage (www.evkirchepfalz.de)

Die feierliche Überreichung des Ehrenkreuzes findet am 24. Oktober im Odeon-Theater in Wien statt. Sie erfolgt im Rahmen des Reformationsempfangs der Evangelischen Kirchen in Österreich.

Im Nachbarland ist Landgraf seit 2008 regelmäßig als Dozent und gestaltet Seminare an den Standorten der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule in Wien, Graz und Linz.

Seine Ausstelllung „Evangelisch – was heißt das?“ war im Reformationsjahr 2017 u.a. in Wien und Graz gezeigt worden. Darüber hinaus ist Landgraf als Schriftsteller bekannt. Mit seinen Romanen hält er viele Lesungen und einige seiner über 90 Werke gehören zum Standard der Lehrerausbildung und des Unterrichts.

Das Ehrenkreuz wird nach Angaben der Präsidentschaftskanzlei an in- und ausländische Persönlichkeiten verliehen, die sich „durch anerkennenswerte Leistungen auf den Gebieten der Wissenschaft oder der Kunst allgemeine Anerkennung und einen hervorragenden Namen erworben haben.

Träger sind u.a. der Maler und Bildhauer Anselm Kiefer, der Dirigent Mariss Jansons, die Schauspieler Maximilian Schell und Christoph Waltz und die Opernsängerin Adele Haas.

Der Pfalz-Express (PEX) gratuliert herzlich zu der Auszeichnung.

PEX: Herr Landgraf, wie fühlen Sie sich denn als frisch gebackener Preisträger? Haben Sie damit gerechnet?

Ehrungen wie das Österreichische Ehrenkreuz sind bei uns eher unbekannt. Daher habe ich auch nicht damit gerechnet. Ich kann es noch nicht fassen, auch wenn die Nachricht mich schon vor einer Weile aus dem Bundespräsidialamt in Österreich erreichte.

Um einen solchen Staatspreis überreicht zu bekommen, musste zunächst das deutsche Außenministerium in Berlin bestätigen, dass nichts gegen mich vorliegt – ein übliches Verfahren. Trotz des zeitlichen Abstands bin ich immer noch freudig bewegt.

PEX: Und was bedeutet Ihnen der Preis?

Wenn man den Passus liest, dass das Österreichische Ehrenkreuz an Menschen verliehen wird, die „durch anerkennenswerte Leistungen auf den Gebieten der Wissenschaft oder der Kunst allgemeine Anerkennung und einen hervorragenden Namen erworben haben“, dann spüre ich, dass hier nicht nur ein Werk, sondern meine Arbeit im Ganzen gewürdigt wird.

In meinen über 90 Büchern und Medien geht es mir, wie in meinen Vorträgen und Lesungen darum, komplexe und fundierte Sachverhalte verständlich zu machen und auf den Punkt zu bringen. Wenn dies mit dem Ehrenkreuz gewürdigt wird, dann bin ich sehr froh.

PEX: Von wem wurden Sie denn vorgeschlagen?

Das ist mir nicht bekannt. Die Auswahl trifft ein Gremium von anerkannten Wissenschaftlern und Kulturschaffenden.

PEX: Wie sind denn Ihre Beziehungen zu Österreich entstanden?

Seit rund zehn Jahren bin ich häufig als Dozent in Österreich und halte an Standorten der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule Seminare für Lehrerinnen und Lehrer.

Viele meiner religionspädagogischen Bücher und Kinderbibeln sind an Schulen und in Gemeinden im Einsatz. Darüber hinaus bin ich auch als Schriftsteller in Österreich unterwegs. Schon mein erster Roman „Schalom Martin“ (2006) und zuletzt „Der Protestant“ (2016), der teils in Österreich spielt, waren in Buchhandlungen verbreitet und ich hielt einige Lesungen.

Schließlich sind auch die Ausstellungen, die ich gestalte, in Zusammenarbeit mit Österreichern entstanden. Die zu „Evangelisch – Was heißt das?“ mit Bildern von Gerhard Hofmann war im Reformationsjahr u.a. in Wien und in Graz zu sehen.

PEX: Gibt es in Deutschland einen ähnlichen Preis?

Auszeichnungen wie das Landes- oder Bundesverdienstkreuz sind vermutlich mit diesem speziellen Ehrenzeichen für wissenschaftliche und kulturelle Arbeit nicht vergleichbar, da sie allgemeiner gehalten sind.
Verfasst am: 06.08.18, 13:19
Titel: Aufbruch, Umbruch und Abbruch - 1968 und die Kirchen
Autor: MB
Quelle: https://oe1.orf.at/artikel/649106 vom 27.7.2018

Den politischen Ereignissen der 68er Jahre konnte sich auch die Kirchen nicht entziehen. Viele Christinnen und Christen forderten vehement ein politisches Christentum. Die katholische Kirche sollte in der Gegenwart ankommen.

Es war das Jahr, in dem in den USA die Proteste gegen den Vietnamkrieg begonnen haben und Martin Luther King ermordet wurde. In dem in Prag vergeblich der Aufstand gegen die kommunistische Diktatur geprobt wurde. Und in dem die Studentinnen und Studenten in Paris, München und Berlin und in kleinerer Form auch in Wien gegen die autoritären Machtstrukturen an den Universitäten protestierten.

Den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen konnten sich auch die christlichen Kirchen nicht entziehen. Anfang der 60er Jahre ist die Antibabypille auf den Markt gekommen, womit die sogenannte sexuelle Revolution erst so richtig in Gang gekommen ist. Für die römisch-katholische Kirche waren die Entwicklungen damals eine immense Herausforderung, gar eine Provokation.

Während man sich im Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962-65 noch der Moderne geöffnet hatte, war 68 Schluss mit lustig: Die sogenannte "Pillenenzyklika" von Papst Paul VI. hat künstliche Verhütungsmethoden verboten. Genau 50 Jahre ist das alles jetzt her. 1968 - ein Jahr, in dem damals die Gemüter hochkochten und das bis zum heutigen Tag die Geister spaltet.

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen im Wordrap zu 1968

Der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, die Innenpolitik-Journalistin Anneliese Rohrer, die Publizistin und früher ORF-Journalistin Trautl Brandstaller, der Politologe Anton Pelinka erinnern sich an die 68er Jahre.

Freie Liebe

Rohrer: Die hat für sehr viele gegolten, ich persönlich habe das nie erlebt. Ich bin kein Gruppen-Mensch und das war ja auch sehr ideologisch besetzt. Das fand in Gruppen statt, in Orgien – das ist nicht so meines.
Brandstaller: Viel öfter davon geredet als wirklich praktiziert.
Pelinka: Eine schöne Idee, ein bisschen naiv, aber grundsätzlich nichts Negatives.
Bünker: Die ersten Aufklärungsfilme, die schrecklich waren.


Der Wordrap von Trautl Brandstaller.

Kommunen

Brandstaller: Ein lustiges Experiment, das binnen sehr kurzer Zeit gescheitert ist, weil sich darin Zweier-Beziehungen gebildet haben.
Pelinka: Der Versuch, die Arbeitsteilung in der Familie zu überwinden. Von der Tendenz her sympathisch, von der Umsetzbarkeit her wäre ich skeptisch.

Der Wordrap von Anton Pelinka.

Prager Frühling

Bünker: Sehr positiv - Alexander Dubcek eine politische Hoffnungsgestalt, tragisch geendet.
Rohrer: Die ganz große Angst damals schon und die ganz große Enttäuschung. Und der ganz große Stolz, wie sich Österreich damals verhalten hat. Aber das war sehr knapp. Das war das erste Mal, dass in meiner Generation, in der Nachkriegs-Generation, das Bewusstsein da war, das kann auch ganz anders kommen.

Der Wordrap von Anneliese Rohrer.

Martin Luther King

Bünker: Ein Heiliger und Märtyrer des Christentums im 20. Jahrhundert.
Brandstaller: Ein großes Vorbild für uns alle, die gesamte Bürgerrechtsbewegung in Amerika ist ja ein Teil der 68er-Bewegung und der Spruch "I have a dream" war für uns alle ein Leitmotiv. Wir haben ja nicht zufällig den Slogan gehabt: "Paradise now!"

Der Wordrap von Michael Bünker.

Flower Power

Pelinka: Das ist so ein bisschen Alltags-Pazifismus, die Vorstellung, man könnte gegen Panzer mit Blumen ankämpfen. Wiederum: Sympathisch, als einzelne Aktion vielleicht auch sinnvoll, aber nicht wirklich ein überzeugendes Konzept.
Rohrer: Kränze im Haar, Wiesen, lange Röcke und wieder dieses Kommunen-Ding, dieser Massenauftritt von Gleichgesinnten, das hat mich immer skeptisch gemacht.

Revolte/Revolution

Pelinka: Revolution ist sinnvoll und notwendig und auch positiv besetzt, wenn es gegen ein repressiv antidemokratisches Regime geht. Der Begriff Revolte oder Revolution in einer etablierten Demokratie ist tendenziell gefährlicher Unsinn.
Rohrer: In Österreich gekappt, oder unvollendet.
Bünker: Auf der einen Seite ist das Revoltieren etwas Notwendiges, wenn die Zustände unerträglich werden – in gewisser Weise war auch Jesus ein Revoluzzer. Revolution ist etwas anderes, ob das wirklich in einer geschichtlichen Epoche notwendig ist, ob das wirklich zu etwas Gutem führt, da kann man unterschiedlicher Meinung sein. Also Revolte ja, Revolution Fragezeichen.
Verfasst am: 02.08.18, 09:03