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Titel: „Trauung für alle“: Intensive Debatte und Transparente
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 7.12.2018

Stimmen und Stimmungen aus der Synode

Dem Beschluss zur Frage der Trauung von homosexuellen Paaren war eine fast vierstündige intensive Diskussion mit zahlreichen Wortmeldungen vorangegangen. Neben den Synodalen hatten auch zahlreiche Interessierte die öffentliche Debatte mitverfolgt.

Bischof Michael Bünker hatte sich zu Beginn dafür ausgesprochen, dass sich die Kirche für die Trauung für homosexuelle Paare öffnen solle: „Homosexuelle Menschen sind Mitglieder unserer Kirche. Wir sollten in dieser Diskussion auf alles verzichten, was wir diesen Menschen nicht in die Augen sagen würden.“ Bünker hob hervor, dass es zwar in der Kirche keinen Konsens in der Frage gebe, aber ein „aufrichtiges Bemühen um die Form, wie mit diesen Unterschieden umzugehen ist.“

Synodenpräsident Peter Krömer wies auf die Unterscheidung von Ehe und eingetragener Partnerschaft hin und die Notwendigkeit für die Kirche, die beiden staatlichen Rechtsinstitute zu bewerten: „Was ist für uns eine Ehe? Wie bewerten wir andere Formen des Zusammenlebens, können wir bei diesen auch eine Segnung vornehmen?“ Dies sei letztlich auch eine Frage des Schriftverständnisses. Krömer sprach sich im Sinne der kirchlichen Einheit dafür aus, dass sich die Gemeinden mit der Frage befassen.

Inwieweit die Kirche „die durch die Bibel und die Bekenntnisschriften vorgegebenen Sachverhalte abändern dürfe“ stellte der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner in Frage. Die Ehe als Verbindung von Mann und Frau versteht Lehner als Teil der Schöpfungsordnung. Auch Jesus habe die Ehe „entlang dieser Verbindung verstanden“, so Lehner.

„Unsere Kirche hat genug an Respektlosigkeit, an verachtendem und verächtlichem Umgang homosexuellen Menschen gegenüber auf sich geladen. Es ist an der Zeit, sich davon zu verabschieden“, meinte die Vizepräsidentin der Synode, Gisela Malekpour. Es sei wesentlich, dass beide Positionen gehört und gewürdigt würden. Niemand solle mit der Angst vor drohenden Austritten Stimmung machen: „Das ist keine Art, miteinander umzugehen.“

„Es schmerzt mich, dass in vielen der geäußerten Stellungnahmen zu hören ist, dass nach den langen Diskussionen Homosexuelle immer noch unter dem Verdikt der Sünde stehen – in ihrem Wesen als Homosexuelle“, erklärte Olivier Dantine, Superintendent von Salzburg und Tirol. Dantine sprach sich dagegen aus, das Eheverständnis an die biologische Möglichkeit der Zeugung von Kindern zu binden. Der Blick solle hier vor allem auf das Kindeswohl gerichtet werden: „Was Kinder brauchen, können nicht nur leibliche Eltern bieten, sondern auch Pflege- und Adoptiveltern und Eltern in Patchworkfamilien.“

Der niederösterreichische Superintendent Lars Müller-Marienburg, selbst bekennender Homosexueller, forderte eine Öffnung der Kirche für alle Bevölkerungsgruppen: „Mein Bild von Kirche ist, dass wir ja zu Menschen sagen, und zu je mehr Menschen, desto besser.“ Homosexualität sei keine zeitgeistige Erscheinung, sondern Teil des Menschseins: „Auch Menschenrechte sind vielleicht modern, aber nicht zeitgeistig.“

Fritz Gattermayer, Kurator in Eferding und Mitglied der Synode, warnte, die Entscheidung „über´s Knie zu brechen“. Es gelte, die Pfarrgemeinden einzubinden, sie bräuchten mehr Zeit. Die Wiener Pfarrerin Marianne Fliegenschnee meinte dagegen: „Wir diskutieren das Thema seit 30 Jahren, es ist nicht so, dass Gemeinden darüber keine Meinung hätten.“

„Fürchtet euch nicht“, appellierte der steirische Superintendentialkurator Michael Axmann an die Gegner der Trauung für alle. „Wer kann Menschen wegschicken, die für einander einstehen, Verantwortung füreinander wahrnehmen und dafür den Segen Gottes erbitten? Sie stärken unsere Gesellschaft“, so der Grazer Rechtsanwalt, der auch den finalen Antrag zur Trauung für alle eingebracht hatte. Er sei „stolz, in einer weltoffenen Kirche zu sein, in der Menschen unterschiedlicher Überzeugung Platz haben und sie der Glaube eint.“

Rund 30 Studierende und junge, in der Kirche aktive Menschen hatten die synodale Diskussion beobachtet und mit Transparenten klar für eine Trauung homosexueller Paare Stellung bezogen. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst sagte der Theologiestudent Stefan Haider: „Es muss eine Bewegung in Richtung der Öffnung für eine Ehe für alle geben.“ Stephanie Faugel, die ebenfalls in Wien Theologie studiert, betonte: „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die Synode auch uns vertritt und dass wir ein ziemlich großer Teil und die Zukunft der Kirche sind.“
Verfasst am: 10.12.18, 09:35
Titel: Peter Krömer zum Präsidenten der Synode A.B. gewählt

Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 6.12.2018

Birgit Meindl-Dröthandl und Gisela Malekpour neue Vizepräsidentinnen

Zum fünften Mal zum Präsidenten der Synode A.B. gewählt wurde der St. Pöltner Rechtsanwalt Peter Krömer. Mit 56 von 60 gültigen Stimmen erfolgte die Wiederwahl Krömers, der seit 1984 Abgeordneter zur Synode und seit 1992 deren Präsident ist. Zur ersten Vizepräsidentin wählten die Synodalen die Kärntner Pfarrerin Birgit Meindl-Dröthandl, die Wahl zur zweiten Vizepräsidentin fiel auf die niederösterreichische Superintendentialkuratorin Gisela Malekpour.

Kirchenrechtliche Fragen hätten immer mit theologischen Fragen zu tun, sagte der wiedergewählte Präsident der Synode A.B., Peter Krömer, in seiner Vorstellung vor den Synodalen. Dennoch sehe er, dass juristische Diskurse vermehrt die Überhand nehmen, „viele Themen werden uns auch vom Staat oder der EU aufgedrückt, ich erinnere nur an die Datenschutzgrundverordnung.“ Krömer sprach sich für verstärkte theologische Debatten innerhalb der Synode aus, Anträge auf Durchführung regelmäßiger synodaler theologischer Tage würden seine Unterstützung finden, betonte Krömer. Er kündigte an, dass es „nicht auszuschließen“ sei, dass er bei einem Pensionsantritt in den kommenden Jahren auch sein Amt als Synodenpräsident zurücklegen würde. Dann solle jedoch eine „geordnete Übergabe“ erfolgen.

Meindl-Dröthandl bezeichnete ihre Wahl als „große Ehre“ und unterstrich ihren seelsorgerlichen Schwerpunkt in der Arbeit in der Kärntner Gemeinde Feffernitz. Sie sei gerne Landpfarrerin, freue sich aber auch auf die neue Aufgabe in der Synode. Gisela Malekpour bedankte sich für die Nominierung und die Wahl, sie betonte ihr diakonisches Engagement und die Wichtigkeit, „Ehrenamtliche gut zu vertreten und ihnen den Stellenwert zu geben, der ihnen in der Kirche zusteht“.

Aktuelle Infos zur Synode finden Sie laufend auf evang.at, auf Facebook und Twitter, #synodewien18. Bilder zur Synode auf foto.evang.at.
Verfasst am: 10.12.18, 09:33