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Titel: Kirche lädt zu Bergmessen auf Österreichs Gipfeln
Autor: MB
Quelle: www.kathpress.at vom 14.7.2017

Hunderte Gottesdienste bei Gipfelkreuzen und Bergkapellen, auf Hütten und am Seeufer

Gipfelerlebnisse und die Erfahrung spiritueller Höhe liegen oft sehr nahe beisammen: Ein Umstand, auf den die christlichen Kirchen in Österreich mit eigenen seelsorglichen Angeboten für Wanderer, Bergsteiger und Naturfreunde reagieren. Weit über hundert Bergmessen, geführte spirituelle Bergtouren und Wanderexerzitien werden auf den diözesanen Seiten der Tourismuspastoral für die Sommermonate 2017 aufgelistet. Von den Angeboten lassen sich auch viele Menschen ansprechen, für die der Messbesuch sonst oft eine Hürde darstellt. Zentrales Motto dabei ist die Aus-Zeit vom Alltag, verbunden mit einem bewussten Blick auf die Schöpfung

Eine Bischofsmesse am Berg kündigt die Diözese Feldkirch für den 3. September an: Diözesanbischof Benno Elbs feiert mit dem Landespolizeikommando Vorarlberg am Hochhäderich (1.565m) einen Gottesdienst. Unter den 20 weiteren Bergmessen Vorarlbergs für diesen Sommer finden sich auch ein ORF-Fernsehgottesdienst, Messen auf der Alm mit anschließendem Frühschoppen, Gottesdienste mit musikalischer Begleitung von Volksmusik-Ensembles und Alphornbläsern sowie Frühmessen auf dem Berg mit anschließendem "Älplerfrühstück".

Über 40 Berg- und Gipfelmessen sind für diesen Sommer im "Heiligen Land Tirol" angesetzt. Die wohl höchstgelegene davon findet am 6. August am Schaufeljoch auf 3.210 Metern statt; die hier 2012 errichtete Bergkapelle ist direkt im Stubaier Gletscher verankert, kann allerdings von der Gondelbahn-Bergstation problemlos zu Fuß erreicht werden. Atemberaubende Blicke auf Innsbruck versprechen die Messen auf dem Patscherkofel-Gipfelkreuz oder auf dem Nordketten-Gipfel der Mandlspitz. Auch der Kamplasegg (2.640 m) und die Große Sandspitze (2.770m) werden zu Gebetsstätten. Am 10. September wird in in der Kapelle am Ganotzeck (2.100m) in Kals am Großglockner besonders all jener Bergsteiger gedacht, die am Berg ums Leben kamen.

Die Diözese Gurk-Klagenfurt listet allein für die kommenden Juliwochenenden zwölf Gipfel- und Berggottesdienste in Kärnten auf. Zwei davon feiert Generalvikar Engelbert Guggenberger, der selbst leidenschaftlicher Kletterer und Berggeher ist: Am 15. Juli am Hochweißsteinhaus (1868m) in den Karnischen Alpen, sowie am 30. Juli auf der Hiaslalm (1.074m) auf der Hochrindl. Auch u.a. auf den Gipfeln des Großen Speikkogels (2.140m), des Teuchlspitzes (2.320m) oder auf dem Potschulasattel werden liturgische Feiern abgehalten. Darüber hinaus lädt die Diözese zu ganztägigen spirituellen Wanderungen auf das Georgibergl am Klopeinersee, zum einem Pilgertag am Domitianweg oder zu Montagabend-Messen am Keutschacher Campingplatz Sabotnik. Eine Messe mit Gospelsongs gibt es am 23. Juli um 20 Uhr am Strand des Sonnenressorts am Ossiachersee.

Bläserensembles und ein Rahmenprogramm mit geologischen und botanischen Führungen gibt es in Oberösterreich bei der Bergmesse am Brunnsteinersee auf der Wurzeralm (15. Juli), geht aus dem bis weit in den Herbst reichenden Bergmessen-Kalender der Diözese Linz hervor. Die eindrucksvolle Kulisse des Schafbergs ist am 20. August Schauplatz eines Gottesdienstes, der ebenfalls von Bläsern begleitet wird. Dass es auf Bergen auch spezielle Gottesdienste für Kinder und Jugendliche gibt, verdeutlichen Berichte über entsprechende Ereignisse, die in den vergangenen Wochen stattgefunden haben.

Auch auf den steirischen Bergen finden jeden Sommer etliche Bergmessen statt. Allein die Pfarre Fladnitz an der Teichalpe lädt gleich zu vier Gottesdiensten - am Osser, am Gschoad, am Sulberg, und an der Roten Wand, der Pfarrverband Sankt Gallen - Altenmarkt - Unterlaussa zu drei (Admonter Höhe, Zinnödl und Voralpe). Weitere Bergmessen finden u.a. auf der Schoberspitze (2.423m), am Ringkogel (789m) oder am Schober (1.328m) statt.

Schließlich sind auch in der Salzburger Bergwelt etliche Berggottesdienste angesetzt. Im Herbst, am 24. September, findet ausgehend von der Bergstation der Sonnenalm eine geführte Pilgerung zur Elisabethkapelle auf der Schmittenhöhe (1.965m) statt, wo es eine gemeinsame Bergmesse gibt. Angeboten werden zudem von Ordensleuten begleitete Wanderexerzitien am Salzburger Almenweg, mit täglich mehrstündigen Wanderungen, Bibel-Impulsen, Austausch und gemeinsamen liturgischen Feiern.

Überblicke über die jeweiligen Termine gibt es teils auf den Diözesanhomepages, auf der Seite www.katholisch.at/ferien sowie auf dem Portal www.bergspiritualitaet.at, das auch drei evangelische Berg- bzw. Seegottesdienste - auf der Schmittenhöhe (16. Juli), am Hintersee (13. August) sowie am Seewaldsee (10. September) - anführt. Hier sind auch die Ansprechpartner der Tourismuspastoral aller österreichischen Diözesen aufgelistet.
Verfasst am: 18.07.17, 13:01
Titel: Unterwegs auf den alten Pfaden der Bibelschmuggler
Autor: MB
Quelle: http://www.swp.de vom 14.7.2017

Das Reformationsjubiläum ist für die Ulmer ein guter Anlass, sich an die Zeiten zu erinnern, als sie Fremden, die Schutz suchten, die Tore öffneten. Im Stadtarchiv sind zum Beispiel fast 3000 „Salzburger Exulanten“ verzeichnet, Protestanten, die im Zug der Gegenreformation ab Ende 1731 aus Österreich fort gejagt wurden.

Allein bis 2. Mai 1732 stellte die Reichsstadt Ulm 5209 Laib Brot und 12.309 Gulden für sie bereit. Ziel der Glaubensflüchtlinge war das evangelische Württemberg. Protestanten, die in Österreich blieben, mussten sich nach außen zum Katholizismus bekennen. Innerlich blieben sie ihrem Glauben treu.

Das Buch, worauf sich die Glaubenspraxis der Evangelischen stützte, war in Österreich verboten. Wer mit Luthers Bibel erwischt wurde, musste mit Haft oder Ausweisung rechnen. Viehhändler, Kauf- und Fuhrleute schmuggelten die „heiße Ware“ Bibel sowie Gesang- und Gebetbücher über schmale Pfade in entlegenste Habsburger-Gebiete.

Kurort für die Seele

Den alten Bibelschmuggelweg, der bis Ende des 18. Jahrhunderts bestand, lässt der „Weg des Buches“ wieder lebendig werden. Der Pilgerweg wurde 2008 auf Initiative der evangelischen Kirche in Österreich in Ramsau am Dachstein eröffnet. Er führt 500 Kilometer weit von Passau bis an die slowenische Grenze nach Agoritsch quer durch Österreich. 29 Tagesetappen sind es, fünf Rad- und 24 Wanderrouten, Stationen sind das Dachsteingebiet, das Salzkammergut, die Niederen Tauern und die Kärntner Nockberge

Für Robert Graimann ist es „ein besonderer Weg zu Gott“, bei dem „die Menschen nicht nur Natur erleben, sondern auch mit der Seele wandern“. Der 59-Jährige hat zum Thema ein Buch verfasst, „Wandern fürs Gmiat“, über Touren mit spirituellem Charakter.

Von den geheimen Versammlungsorten in der Natur wie Seekarkirche oder Kalmooshöhle gehe „bis heute eine geheimnisvolle Kraft aus“, schreibt Graimann über den „Weg des Buches“ in Kärnten. „Selbst kirchenferne Menschen werden das spüren und die Einkehr in einer auf dem Weg liegenden Kirche vielleicht als eine Art ‚Kurort für die Seele‘ erleben können.“ Damit trifft der begeisterte Wanderer einen Nerv. „Das zieht immer größere Kreise.“ Als „Beauftragter für den Weg des Buches“ hat der Diakon die Tourenetappen ausgearbeitet. „Wir bieten ein Programm, das der Seele guttut“, sagt er. Dazu gehören Gottesdienste in als Geheimkirchen genutzten Felshöhlen und Andachten am Gipfelkreuz, aber auch Informationen zu Geschichte, Land und Leuten.

In Urach gedruckt

Mit dem Reformationsjubiläum ist das Interesse richtig erwacht. Und der Weg wird verlängert, nach Süden bis Triest. Über Zwickau werden von Passau aus zudem die Lutherstädte im Osten Deutschlands angebunden. Dort endet auch der Primus-Truber-Weg zu den Wirkungsstätten des slowenischen Reformators.

Truber, 1508 geboren, musste wegen seines evangelischen Glaubens seine damals zum Habsburger Reich gehörende Heimat verlassen. In Tübingen, Urach und Derendingen fand er Zuflucht und arbeitete als Pfarrer, Bibelübersetzer und Buchdrucker. Mit seiner Bibelübersetzung trug er dazu bei, das Slowenische als Schrift- und Kultursprache zu formen. Auch seine slowenischen Schriften wurden zu den Landsleuten geschmuggelt. Gedruckt wurden sie in Urach. Den Ort hatte sich der österreichische Freiherr Hans Ungnad von Sonnegg zum Exil gewählt. Er war Gründer und Mäzen der südslawischen Druckanstalt. Die Uracher Bibelanstalt druckte von 1561 bis 1565 mehr als 30.000 Exemplare von kroatischen, slowenischen und italienischen Schriften. Alle gelangten auf geheimen Wegen zu ihren Lesern.

Eine Station auf dem Weg waren die Nockberge. Jakob Forstnig, Hotelier in Bad Kleinkirchheim in Kärnten, nimmt seine Gäste dort gern zum Wandern mit. Bei der Tour auf die Falkertspitze stoßen die Wanderer auch auf den „Weg der Buches“. Dabei erleben die Teilnehmer, was für Forstnig zum gelungenen Urlaub gehört: neben Erholung in der Natur spirituelle Erfahrung.

Das Projekt „European Cultural Route of Reformation“ will bis 2019 die Wege zu Martin Luther, Primus Truber und den Bibelschmugglern verbinden und so ein grenzüberschreitendes Streckennetz zum Thema Reformation schaffen. Beteiligt sind Österreich, Deutschland, Ungarn, Polen, Italien, Slowenien und die Tschechische Republik. In einer Zeit, in der der europäische Geist auf dem Rückzug ist, entsteht so ein spirituelles Netz, das Bad Urach mit Bad Kleinkirchheim in Kärnten und Triest in Italien verknüpft.
Verfasst am: 18.07.17, 12:57