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Titel: Gustav-Adolf-Feste: Von ewigen Baustellen und Kirchen im Aufbruch
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 11.6.2019

Überblick über das Programm von Vorarlberg bis ins Burgenland

Wien (epdÖ) – Etwas früher als gewohnt werden in manchen Diözesen heuer die traditionellen Gustav-Adolf Feste begangen. Schon am Samstag, 15. Juni, geht es in Vorarlberg los. Am Sonntag, 16. Juni, feiern Wien und Salzburg-Tirol. Wie gewohnt am Fronleichnamstag, dem 20. Juni, steigen die Feierlichkeiten in Kärnten und Osttirol, der Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich und dem Burgenland.
In Dornbirn (Vorarlberg) nimmt man das Gustav-Adolf-Fest zum Anlass, um das kürzlich fertiggestellte Gemeindezentrum der Heilandskirche einzuweihen. Seit März 2014 waren die Planungen gelaufen, im November 2017 hatten die Bauarbeiten begonnen. Im Rahmen der feierlichen Eröffnungen werden Führungen durch das Haus angeboten, es singt der Chor der Musikschule Dornbirn. Beginn ist um 10 Uhr.
Keine fertiggestellte, sondern eine „ewige Baustelle“ – das ist der Gustav-Adolf-Zweigverein Tirol – zumindest seiner Selbstbeschreibung nach. Dessen 150-jähriges Bestehen will genauso gefeiert werden wie die eineinhalb Jahrhunderte „protestantische Glaubensgemeinschaft Innsbruck“, die heuer anstehen. Das Fest beginnt am Sonntag, 16. Juni um 9 Uhr in der Gemeinde Innsbruck Christuskirche.
Ein „kulinarisches Fest“ steht am selben Tag in Wien am Programm. Nach einem Familiengottesdienst in der Leopoldauer Erlöserkirche und der Jahreshauptversammlung des Gustav-Adolf-Zweigvereins erwarten Speis, Trank und Raritäten auf einem Flohmarkt. Für Kinder und Jugendprogramm ist gesorgt, los geht’s um 9.30 Uhr.
Kärnten und Osttirol feiert am 20. Juni am Dreiländereck in Arnoldstein und lässt mit der dortigen Auferstehungskirche – sie wird 50 – eine weitere Jubilarin hochleben. Dabei geht es vor allem musikalisch hoch her: Kärntner Traditionsmusik, der Chor Joy Together und die carinthische Musikakademie sorgen für Stimmung und poetischen Tiefgang. Beginn ist um 8.30 Uhr.
Nicht nur „Hörer des Wortes, sondern auch Täter“ – das sollen die Gäste des steirischen Gustav-Adolf-Fests in Knittelfeld sein. Auch hier kommt man am 20. Juni zusammen, neben Gottesdiensten gibt es Führungen durch die Geschichte des evangelischen Knittelfeld und die Zeltweger Johanneskirche, Konzerte und christliche Quizstationen. Der Festgottesdienst beginnt um 10 Uhr, schon ab 9 Uhr warten Kaffee und Kuchen.
Um eine Kirche im Aufbruch dreht es sich beim oberösterreichischen Kirchentag mit Gustav-Adolf-Fest in Wallern. Es warten ein Fest- und Kindergottesdienst sowie Musik von Soulbeat. Beginn der Feierlichkeiten ist um 9.30 Uhr, am 20. Juni.
In Bewegung kommen BesucherInnen ebenfalls am 20. Juni beim Gustav-Adolf-Fest in Niederösterreich. „Glaube bewegt – Bewegter Glaube“ lautet das diesjährige Motto in Wiener Neustadt – eine direkte Anknüpfung an das Thema der niederösterreichischen Landesausstellung. Zur Bewegung gibt es allerhand Gelegenheit bei einem Megakicker, Orientierungslauf, Tanzperformances oder Body Percussion. Wer’s gemächlicher angehen will kann an einer Stadtführung teilnehmen. Das Fest startet um 9 Uhr.
Ganz im Osten blickt man auch in den Westen: „Fröhlich, was da lebt in Ost und West…“ lautet das Motto des Gustav-Adolf-Festes im Burgenland. Am 20. Juni tritt in Rechnitz mit Gabriele Wulz die Präsidentin des deutschen Gustav-Adolf-Werks als Festrednerin auf die Kanzel, es folgen Konzerte, Kinderprogramm und Historisches, etwa über das jüdische Leben in Rechnitz. Los geht’s um 9 Uhr.

Detaillierte Informationen zum Programm unter gav.evang.at
Verfasst am: 11.06.19, 12:13
Titel: Bettini: Schließung von Grenzen leugnet Freiheit
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 11.6.2019

Italienischer Philologe plädiert in Fresach für ein offenes Europa

Fresach (epdÖ) – „Die Entscheidung für die Schließung ist eine absolute Entscheidung, die per definitionem Freiheiten leugnet, Freiheit jedermann verwehrt, egal, ob er Ausländer oder Inländer ist.“ Mit einem historisch begründeten Plädoyer für ein offenes Europa hat der italienische Sprach- und Literaturwissenschaftler Maurizio Bettini am Donnerstag, 6. Juni, die Europäischen Toleranzgespräche in Fresach eröffnet. Europa, so Bettini, gehöre nicht jenen, die ihrem Kontinent die „Tradition schlechthin“ verordnen wollen, die die einzig wahre Identität des europäischen Kontinents oder seiner Länder zu repräsentieren habe. Europa gehöre vielmehr jenen, „die sich für eine Tradition, nämlich die gerechteste, offenste und für alle akzeptabelste Tradition zu entscheiden wissen. Eine Tradition der Gleichheit, Klugheit, Weitsicht; eine Tradition, die unseren Kindern und Enkeln Freiheit sowie gleiche Rechte sichert und aus ihnen gute Bürger, gute Menschen macht.“
In seiner Eröffnungsrede sondierte der in Brixen geborene und in Siena lehrende Bettini das historische Fundament des heutigen Europa auf der Apenninhalbinsel: Am Anfang des römischen Reichs seien es trojanische Flüchtlinge gewesen, sie sich mit den einheimischen Latinern vermischten und die Grundlage zur späteren Weltmacht gelegt hätten. Zu allen Zeiten, so die weiterführende These Bettinis, seien diejenigen Gesellschaften anderen überlegen gewesen, die es verstanden hätten, unterschiedliche Kulturen zu integrieren und zum Vorteil aller zu nutzen.
Durchmischung für alte Römer Kraft, nicht Schwäche
In der Durchmischung hätten die Römer „Kraft, nicht Schwäche“ gewesen. Gerade die Weigerung, sich mit anderen Menschengruppen zu vermischen, hatte die Chancen auf Bestand bei jenen Völkern unterhöhlt, die sich dem „Mythos der Schließung, der Trennung und der eigenen Reinheit“ verschrieben hatten. Er selbst, betonte Bettini, habe sich nie mit der Vorstellung abgefunden, dass die kulturelle Zugehörigkeit, die wir gemeinhin „Identität“ nennen, von „Wurzeln“ oder den Tiefen der Tradition ableitbar sei. Kulturelle Wurzeln seien nichts weiter als eine irreführende Metapher. In Wirklichkeit sei kulturelle Identität, wenn es sie überhaupt gibt, ein lebendiges, oft gar nicht fassbares Phänomen, und Traditionen vielfältige, verschwommene Dinge, die sich im Laufe der Zeit unzählige Male wandeln und sich stets neu mit anderen Traditionen verknüpfen.
Doch es gebe in Europa auch Länder, in denen die Regierungen den Weg der Schließung und der Absperrungen gewählt hätten, weil sie ausschließende Identitäten und deren vermeintliche Reinheit schützen wollten. Auch in seinem Heimatland Italien seien solche Tendenzen zu beobachten. „Wir erleben, wie einige Länder sich gegen die Welt jenseits ihrer Grenzen verschließen und gleichzeitig nach innen hin autoritär regieren. Das sollte uns zu denken geben! Denn in dem Maße wie Menschenrechte wie das Recht auf Asyl und Aufnahme verletzt werden, steht auch die Missachtung von Bürgerrechten auf der Tagesordnung, etwa das Recht auf freie Meinungsäußerung.“
Maurizio Bettini, geboren 1947 im Südtiroler Brixen, lehrt als Professor für klassische Philologie an der Universität Siena und leitet das Institut für Anthropologie der antiken Welt. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher zur Mythologie und Anthropologie und schreibt regelmäßig für die Tageszeitung "La Repubblica".
Verfasst am: 11.06.19, 12:12