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Titel: Synode A.B. geht in Richtung Trauung für alle
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 7.12.2018

Evangelisch-lutherische Kirche befragt jetzt Gemeinden – Entscheidung am 9. März

Über die Frage, ob es in der evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich künftig Trauungen für homosexuelle Paare geben wird, sollen nun die Pfarrgemeinden beraten. Das hat die Synode, das evangelische „Kirchenparlament“, am Freitag, 7. Dezember, in Wien beschlossen.

„Wir machen uns auf den Weg, die kirchliche Trauung für homosexuelle Paare einzuführen“, sagte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker in einer ersten Reaktion auf den Beschluss. Gemeinden sollen nun die Möglichkeit haben, dazu Stellung zu nehmen, „das entspricht einem typisch evangelischen Weg“.

Konkret geht es in der Befragung der Pfarrgemeinden etwa darum, ob und in welcher Form einzelne Gemeindevertretungen eine mögliche „Ehe für alle“ in ihrer Gemeinde ablehnen können. Soll es ein „opt-in“ geben, d.h. Voraussetzung für eine Trauung homosexueller Paare ist ein vorausgegangener positiver Beschluss der Pfarrgemeinde, oder soll es ein „opt-out“ geben, d.h. Gemeinden können sich gegen die Möglichkeit der Trauung Homosexueller aussprechen? Gilt dann die gewählte Variante für gemeindeeigene Kirchengebäude oder für das gesamte Pfarrgemeindegebiet? Auch soll geklärt werden, ob es kirchliche Segnungen künftig auch für eingetragene Partnerschaften für homo- und heterosexuelle Paare geben soll. Die endgültige Entscheidung soll dann auf der Synode am 9. März 2019 fallen.

Nach fast vierstündiger intensiver Debatte stimmten 54 von 63 Mitgliedern der Synode für diesen Antrag. Die Synode gibt damit eine Empfehlung ihres theologischen Ausschusses an die 194 lutherischen Gemeinden mit rund 285.000 Mitgliedern weiter. In dem Schreiben heißt es: „Die Bedingungen, unter denen Menschen heute ihre Beziehungen in verlässlicher und verbindlicher Form leben, haben sich gegenüber den Entstehungszeiten von Bibel und Bekenntnisschriften geändert“. Die Kirche solle auch gleichgeschlechtliche Partnerschaften würdigen „sofern sie auf lebenslange Treue, gegenseitige Fürsorge und Beistand ausgerichtet sind“. Um unterschiedlichen Auffassungen zu homosexuellen Partnerschaften innerhalb der Kirche Rechnung zu tragen, sollen kirchliche Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare nur in solchen Pfarrgemeinden durchgeführt werden, in denen Gemeindevertretung und Pfarrerin bzw. Pfarrer sich dafür aussprechen. Die Gemeinschaft der Kirche, heißt es in dem Papier, werde durch diese unterschiedlichen Auffassungen und die Entscheidungsautonomie der Pfarrgemeinden „nicht in Frage gestellt“.

Dass es für eingetragene Partnerschaften sowohl hetero- als auch homosexueller Paare keine kirchliche Trauung oder Segnung in einem öffentlichen Gottesdienst geben soll, wird in der Empfehlung des Theologischen Ausschusses mit ihrer geringeren Verbindlichkeit begründet, daher seien diese Partnerschaften „nicht auf der gleichen Ebene wie die Ehe“ zu sehen.

Bereits im Eröffnungsgottesdienst zur Synode hatte Bischof Michael Bünker „Gegensätze als Geburtsmerkmal der Kirche“ bezeichnet und damit auf das Konfliktthema angespielt. Vorangegangen war der innerkirchlichen Diskussion um die Ehe für alle ein Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofs vom Dezember 2017, der die Beschränkung der zivilrechtlichen Ehe auf heterosexuelle Paare für verfassungswidrig erklärt hatte. Ab Jänner 2019 können somit auch homosexuelle Paare standesamtlich heiraten.

Da für eine evangelische Trauung die standesamtliche Heirat Voraussetzung ist, musste sich die Synode mit der Thematik befassen. Anders als in der römisch-katholischen Kirche ist die Ehe in den evangelischen Kirchen kein Sakrament, sondern, wie es der Reformator Martin Luther formuliert hatte, ein „weltlich Ding“. In der Evangelischen Kirche H.B., der evangelisch-reformierten Kirche, sind öffentliche Segnungen von homosexuellen Paaren übrigens seit 1999 möglich.

Vertagt hat die Synode in diesem Zusammenhang auch den Beschluss über die neue Trauagende. Sie soll ebenfalls am 9. März behandelt werden.

Fotos von der Synode finden Sie auf foto.evang.at
Verfasst am: 10.12.18, 09:31
Titel: Kurz: Kirchen sind „gesamtgesellschaftlicher Kitt“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 5.12.2018

Glaubensgemeinschaften bei Adventempfang in Bundeskanzleramt

„Der Glaube bietet Halt, Geborgenheit und Orientierung“, ließ Bundeskanzler Sebastian Kurz die Vertreter österreichischer Kirchen wissen, die am Dienstag, 4. Dezember, der Einladung zum diesjährigen Adventempfang ins Bundeskanzleramt gefolgt waren. Gemeinsam mit Kanzleramtsminister Gernot Blümel empfing Kurz hochrangige Repräsentanten der heimischen Glaubensgemeinschaften, darunter den römisch-katholischen Kardinal Christoph Schönborn, den evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker, den reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld sowie den methodistischen Superintendenten Stefan Schröckenfuchs und den griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios Kardamakis.

„Der Glaube ist wichtig für die Menschen und bereichert die Gesellschaft“, so Kurz, der schon als Staatssekretär für Integration (2011-2013) bewusst den Austausch mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften gesucht habe. In seiner Ansprache würdigte er das karitative Engagement der Kirchen. Sie leisteten jedoch auch durch die Glaubensweitergabe viel und erwiesen sich somit als „gesamtgesellschaftlicher Kitt“. Als Politiker schätze und pflege er den regelmäßigen Austausch mit den Kirchen, so der Bundeskanzler. In diesem Zusammenhang dankte er dem Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, ausdrücklich für sein fast zehnjähriges Wirken im Land.

Dass „Religionen ein Teil der Lösung“ im Blick auf große gesellschaftliche Themen seien, betonte Kanzleramtsminister Blümel. Es gebe ein „Seelenbedürfnis der Verwurzelung“, so der für Religionsthemen zuständige Minister unter Verweis auf die Philosophin Simone Weil. Kirche – bzw. Religionen – hätten hierin eine wichtige Aufgabe, denn „ohne ausgeglichenes Seelenleben gibt es auch kein zufriedenes Leben“.

Schönborn: Lernbedarf auf religiöser Seite

Kardinal Schönborn unterstrich beim Adventempfang, dass das gemeinsame Ziel von Politik, Zivilgesellschaft sowie Kirchen und Religionen das Gemeinwohl sein müsse. Begegnungen wie die aktuelle brächten eine „Stärke des Landes“ zum Ausdruck, die im internationalen Vergleich nicht selbstverständlich sei: „In Österreich gibt es nicht nur Religionsfrieden, sondern auch ein gutes Miteinander von Kirchen und Religionen mit den Regierungen.“ Dafür und beispielsweise für den Religionsunterricht gebe es eine „solide religionsrechtliche Basis“ durch das Konkordat und diverse Spezialgesetze für die einzelnen Kirchen und Religionen.

Gleichzeitig sprach der Kardinal auch von einem „nötigen Lernbedarf“ auf religiöser Seite. Es sei leider ein Faktum, dass bei Konflikten „Religion auch Teil des Problems“ sein könne. Kirchen und Religionen müssten bereit sein, sich auch von einer mitunter religionskritischen säkularen Gesellschaft etwas sagen zu lassen. „Die aus christlicher Sicht gleiche Würde aller Menschen bedeutet, dass uns diese Menschen etwas zu sagen haben“, so der Kardinal.

Unmittelbar vor dem Adventempfang waren Bundeskanzler Kurz, Kanzleramtsminister Blümel und ihre engsten Mitarbeiter mit den Kirchenvertretern zu einem Gespräch in kleiner Runde zusammengekommen. Teilnehmer waren neben Schönborn, Bünker und Kardamakis auch Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka, Nuntius Erzbischof Zurbriggen, Nuntiaturrat Msgr. George Panamthundil, der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Gabriel sowie Pastor Reinhold Eichinger von den Freikirchen in Österreich.
Verfasst am: 06.12.18, 11:09