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Titel: Evangelische wählen ihre Kirche
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 3.4.2018

Gemeindevertretungswahlen österreichweit im April

Demokratie, Mitbestimmung und Verantwortung – darum geht es bei den Gemeindevertretungswahlen in der Evangelischen Kirche. Soll das Kirchendach ausgebessert oder die Orgel saniert werden? Sollen wir einen Teil des Pfarrhauses vermieten? Überhaupt: Wofür soll das Geld der Pfarrgemeinde ausgegeben werden? Diese und mehr Fragen beschäftigen die Entscheidungsgremien. Seit Anfang April ist es wieder soweit: Österreichweit werden in der evangelisch-lutherischen Kirche die Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter gewählt. Damit startet die erste Stufe der demokratischen Wahlen, die alle sechs Jahre stattfinden. In der Folge werden dann auch auf diözesaner und gesamtösterreichischer Ebene die Mitglieder der Entscheidungsgremien neu gewählt. Die Termine, an denen die „Wahllokale“ an den Aprilsonntagen geöffnet haben, bestimmt jede Pfarrgemeinde selbst. Die Vorbereitungen freilich haben bereits vor Monaten begonnen. Wahlberechtigt sind alle Kirchenmitglieder ab dem vollendeten 18. Lebensjahr beziehungsweise Konfirmierte ab 14 Jahren.

Die Wahl der GemeindevertreterInnen bilde das „Fundament für die Wahlentscheidungen in allen kirchlichen Funktionen, bis hin zum Bischof“, sagt Bischof Michael Bünker. In einem Brief appelliert er an die Mitglieder der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, das Wahlrecht wahrzunehmen: „Mitbestimmung und demokratische Entscheidungen prägen die Evangelische Kirche. Sie bestimmen mit, welchen Weg unsere Kirche in Zukunft gehen wird“

Gerhild Herrgesell, als Oberkirchrätin für Kirchenentwicklung für die Organisation der Wahlen zuständig, bekräftigt: Engagement in der Kirche sei wichtig, „weil Kirche einen gesellschaftspolitischen Auftrag hat. Es geht um Gerechtigkeit, um Nachhaltigkeit, um Fragen der Zukunft.“ Herrgesell hofft bei der Zusammensetzung der künftigen Gemeindevertretungen auf eine gute Durchmischung der Generationen: „Wir brauchen Wissen und Erfahrung von verdienten GemeindevertreterInnen, dazu aber auch die Kreativität und Unerschrockenheit der jungen Gemeindemitglieder.“
Verfasst am: 04.04.18, 10:03
Titel: Innsbruck: Synagoge feiert 25-jähriges Bestehen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 22. 3.2018

Dantine: „Judentum wesentlicher Teil unserer Geschichte“

Seit 25 Jahren besteht die Synagoge in Innsbruck. Aus Anlass des Jubiläums lud die Israelitische Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg am Mittwoch, 21. März, zur Feier ins Innsbrucker Israelitische Kulturzentrum. Ein Grußwort sprach dabei auch der Superintendent der evangelischen Diözese Salzburg und Tirol, Olivier Dantine. Dantine bezeichnete die Synagoge als „Zeichen der Hoffnung“ nach den „bedrückenden Erinnerungen an die Ereignisse vom März 1938“. Damals war der Einmarsch der Nationalsozialisten von einer Mehrheit der ÖsterreicherInnen begrüßt worden.

Dantine: Klar von Luthers Antisemitismus distanziert

Dantine erinnerte auch an historische Verfehlungen der Kirchen gegenüber dem Judentum: „Zu all den Feindseligkeiten, Diskriminierungen, Verfolgungen und dem Versuch der völligen Auslöschung des Judentums gehört auch das Unsichtbar-Machen des Judentums. Dies betrifft auch christliche Theologie und Predigt, in denen lange Zeit das Judentum nur in einer Gegnerschaft zu Jesus gesehen wurde.“ Damit müssten sich Kirchen noch heute auseinandersetzen. Nicht zuletzt im Zuge des Reformationsjubiläums 2017 habe sich die Evangelische Kirche stark mit dem Antisemitismus Martin Luthers auseinandergesetzt und sich klar davon distanziert. Dantine betonte, es sei wichtig, „dass das Judentum als wesentlicher Teil unserer Geschichte sichtbar ist und bleibt.“

Abendegebt und Predigt der Feier leitete der ehemalige Oberrabbiner der Wiener Kultusgemeinde Paul Chaim Eisenberg. Grußworte kamen auch von Landeshauptmann Günther Platter, Landtagspräsident Herwig van Staa, Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, Oskar Deutsch, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Generalvikar Florian Huber, Gerhard Egger, Bischof der Kirche Jesu Christi HLT, und Michael Prachensky, Architekt der Synagoge.

Geschichte der Tiroler JüdInnen reicht weit zurück

Die jüdische Gemeinde in Tirol blickt auf eine lange Geschichte zurück. Erste JüdInnen kamen im 13. Jahrhundert ins Land, seit 1617 bestand die Gemeinde in Hohenems. Ab 1880 bildete sich auch in Innsbruck eine kleine Gemeinde. In der Reichspogromnacht vom im November 1938 wurde in Innsbruck der Großteil des Vorstandes der Kultusgemeinde von SS-Männern in Zivil ermordet, der Betraum in der Sillgasse – dem Standort der heutigen Synagoge – wurde zerstört. Die meisten Jüdinnen und Juden mussten Tirol und Vorarlberg verlassen. 1952 erfolgte die offizielle Gründung der Kultusgemeinde, 1991 kam es zur Grundsteinlegung der neuen Synagoge in der Sillgasse, die 1993 eröffnet wurde. Heute hat die Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg etwa 160 Mitglieder.
Verfasst am: 22.03.18, 12:51