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Titel: Hiroshimatag: Kirchenvertreter fordern Welt ohne Atomwaffen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 8.8.2018

Gedenkveranstaltungen in Wien und Melk – Bischof Bünker kritisiert Trump-Politik

Eine Welt ohne Atomwaffen haben VertreterInnen von Kirchen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft anlässlich des 72. Jahrestages des Atombombenabwurfes auf die japanische Stadt Hiroshima in Wien eingemahnt. Bei der von der Wiener Friedensbewegung und der Hiroshimagruppe veranstalteten Gedenkveranstaltung für die Opfer der Atombomben von Hiroshima und Nagasaki in der Wiener Innenstadt wurden 277 Grußadressen präsentiert, darunter Stellungnahmen hoher RepräsentantInnen der Österreichischen Kirchen. Mit der Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt knüpfen die Organisatoren an das am 7. Juli 2017 beschlossene UN-Abkommen gegen nukleare Waffen an, das von den Staaten mit Kernwaffenarsenal nicht mitgetragen wurde.

Die Verbreitung von Waffen verschlimmere eindeutig Konfliktsituationen und verursache enorme Kosten auf menschlicher und materieller Ebene, „die dann die Entwicklung und die Suche nach einem dauerhaften Frieden bedrohen“, hielt Kardinal Christoph Schönborn in seiner Erklärung fest. Der Wiener Erzbischof erinnerte zudem an die Ansprache von Papst Franziskus zum Weltgebetstag für den Frieden am 20. Juli 2016 in Assisi. Dort habe er eindringlich gemahnt, dass man angesichts von Krieg und Ungerechtigkeit niemals gleichgültig bleiben dürfe. Deshalb dürfe man nie müde werden zu erinnern, „dass der Name Gottes die Gewalt nie rechtfertigen kann.

In einer Phase der zunehmenden geopolitischen Spannungen und politischen Unberechenbarkeit, für die insbesondere der US-Präsident Donald Trump steht, „wird die Tatsache, dass es nach wie vor eine ungeheuer große Zahl atomarer Sprengköpfe gibt, zur Bedrohung des Friedens“, warnte der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker. Es brauche daher den verstärkten Einsatz für den Frieden, vor allem die Abschaffung aller Atomwaffen. Bünker: „Das Verbot von Atomwaffen muss umgesetzt werden! Das sind wir den Opfern von Hiroshima und Nagasaki, den Überlebenden und deren Nachkommen, aber auch den zukünftigen Generationen schuldig.“ Atomwaffen, ob eingesetzt oder angedroht, seien „grob böse, moralisch falsch und eine Sünde gegen heutige und künftige Generationen“.

Anstatt Atomwaffen aus der Welt zu schaffen, „haben verantwortungslose und verbrecherische Regierungen diese Vernichtungswaffen weiterentwickelt und perfektioniert“, schrieb der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld in seiner Grußadresse. Mit dem heute existierenden Potential an Atomwaffen könne der ganze Planet mehrfach ausgelöscht werden. Hennefeld: „Christen haben die Mission, die Welt gerechter und friedlicher zu gestalten. Daher dürfen sie sich nicht damit abfinden, dass einige mächtige Staaten auch weiterhin über Atomwaffen verfügen und anderen dieses Recht abgesprochen wird.“ Christen müssten gemeinsam mit allen verantwortungsbewussten Menschen, Religionsgemeinschaften und Friedensorganisationen konsequent für atomwaffenfreie Zonen und in der Folge für die Ächtung und Verschrottung aller Atomwaffen weltweit eintreten, „ohne wenn und aber“, so Hennefeld.

Österreich habe federführend bei dem Vertrag von 2017 mitgewirkt, hob der Linzer römisch-katholische Bischof Manfred Scheuer hervor. „Und doch darf weder die Politik noch die Zivilgesellschaft ihre Hände in den Schoß legen.“ Noch immer werde von wesentlichen Staaten der Atomwaffenverbotsvertrag nicht unterzeichnet, kritisierte Scheuer: „Solange das nicht geschieht, ist uns eine latente und permanente Bedrohung durch den möglichen Einsatz dieser Vernichtungswaffen und ihrer unkontrollierbaren Folgewirkungen gewiss.“ Der Bischof nahm weiters die zunehmend angefeindeten Flüchtlinge in Schutz: „Die Menschen, die vor Gewalt und Terror aus ihrer Heimat flüchten mussten, sind keine Bedrohung. Vielmehr muss uns ihr Schicksal aufrütteln, mehr gegen die Bedrohung durch ausgefeiltere und mörderischere Waffensysteme zu unternehmen.“

Der Nagasaki-Gedenktag wird am Donnerstag, 9. August, in Wien um 20.00 Uhr mit einer Buddhistischen Gedenkzeremonie bei der Friedenspagode (1020 Wien, Hafenzufahrtsstraße) begangen. In Melk lädt die Friedensbewegung am Samstag, 11. August, von 10:00 bis 13:00 Uhr zu einer Gedenkaktion in die Fußgängerzone.

Am 6. August 1945 wurde die erste Atombombe über Hiroshima abgeworfen. Seit Beginn der 1980er-Jahre erinnert die Wiener Friedensbewegung gemeinsam mit der Hiroshima-Gruppe Wien mit Gedenkveranstaltungen an den Atombombenabwurf, bei dem in Hiroshima und drei Tage später in Nagasaki 300.000 Menschen unmittelbar starben, bis heute leiden ebensoviele an den Spätfolgen. Dass am 7. Juli 2017 von der UNO ein völkerrechtliches Verbot der Atomwaffen verhängt wurde, sei „ein wichtiger Schritt vorwärts“, heißt es seitens der Friedensbewegung. Jetzt müssten weitere folgen.

Infos: http://www.hiroshima.at
Verfasst am: 09.08.18, 13:30
Titel: Im Gespräch – „Die Macht der Worte“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 8.8.2018

Maria Katharina Moser über das Wirken der Sprache

„Was man sagt, ist man selber“ schmettert eine Sechsjährige einer anderen entgegen. Im Vorübergehen schnappe ich das auf und muss schmunzeln. Ich habe diesen Satz als Kind auch oft verwendet, wenn ich von einem anderen Kind etwas geheißen wurde. Der Schimpfwort-Angriff wird abgewehrt, indem die Botschaft zurückgespielt wird an ihre Senderin.

Worte sind machtvoll. „Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung“, heißt es in der Bibel, im Buch Sprüche. Worte können trösten oder tief verletzen. Wenn uns ein verbaler Giftpfeil mitten ins Herz trifft, spüren wir den Schmerz mitunter tage- oder gar jahrelang. Ein lobendes oder liebesvolles Wort ist Balsam auf unserer Seele. Immer wieder machen wir im Alltag die Erfahrung, dass uns Worte in unserem Innersten berühren. Dabei bekommen wir gar nicht immer mit, wie sehr. Worte beeinflussen tagtäglich, was wir wahrnehmen, wie wir denken und handeln. Wenn auf einem Joghurtbecher „95% fettfrei“ steht, greift eine ernährungsbewusste Einkäuferin eher danach, als wenn „5% Fett“ ausgewiesen werden, und ein Strudel schmeckt uns besser, wenn er laut Speisekarte „nach Omas Rezept“ gebacken wurde. Das haben Tests ergeben. Wenn Volksschulkinder einen Polizisten oder einen Feuerwehrmann zeichnen sollen, zeichnen sie einen Mann – und sind bass erstaunt, wenn dann eine weibliche Polizistin und eine Feuerwehrfrau in die Klasse kommen, um von ihrer Arbeit zu erzählen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 sprach die US-amerikanische Regierung zunächst von „Opfern“, später von „Verlusten“. Prompt stieg die Zustimmung in der Bevölkerung zu einem Krieg im Irak. Denn mit dem Wortwechsel hatte sich die Deutung der Anschläge verändert: Sie wurden von einem Verbrechen, dem Menschen zum Opfer gefallen sind, zu einer Kriegshandlung, die Verluste brachte – und die nach einem Gegenschlag im „Krieg gegen den Terror“ verlangt.

Sprachforscherinnen, Psychologen und Hirnforscherinnen beschäftigen sich intensiv mit der Frage, wie Worte unser Denken und Handeln prägen. Sie haben auch herausgefunden, dass sich unsere eigenen Worte auf uns selber auswirken. Wenn wir zum Beispiel ein Tabuwort aussprechen, ruft das bei uns selbst körperlich messbare Stresssymptome hervor. Wenn in Zeiten von Hetze und „hate speech“ in sozialen Medien und am Stammtisch unsere Sprache verroht, verrohen wir selbst. Der Hass, den wir mit Worten in die Welt hinaus schleudern, zerfrisst uns in unserem Inneren. Was man sagt, ist man selber. Die Bibel weiß: „Wo viele Worte sind, da geht’s ohne Sünde nicht ab; wer aber seine Lippen in Zaum hält, ist klug.“

Dr. Maria Katharina Moser ist Pfarrerin in Wien-Simmering. Kontakt: maria.moser@glaubenskirche.at

Jeden Sonntag sind Pfarrerin Maria Katharina Moser, Vikarin Julia Schnizlein und Pfarrerin Ingrid Tschank in der „Krone bunt“ – Kolumne „Im Gespräch“ zu lesen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von krone.at
Verfasst am: 09.08.18, 13:29