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Titel: 500 Jahre und ein Fest - und die Wiener*innen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 12.10.2017

„Reformation bewegt. Seit 500 Jahren, und auch heute.“ Mit diesen Worten eröffnete am Samstagmittag, 30. September, Bischof Michael Bünker das große Fest zum 500-jährigen Reformationsjubiläum am Wiener Rathausplatz. Das Fest war der gesamtösterreichische Höhepunkt im Jahr des Reformationsjubiläums. Über 18.000 Menschen (laut Polizei-Schätzungen) aus allen Teilen Österreichs feierten mit. Neben den drei Bühnen gab es über 30 Info-Zelten auf dem Rathausplatz. Auch die Evangelische Diözese A.B. Wien präsentierte sich in einer Pagode, die von früh bis spät gut besucht war.

„Frech, modern und mit Tiefgang – so wollten wir unsere Diözese präsentieren“, erklären Pfarrerin Daniela Schwimbersky und Öffentlichkeitsreferentin Martina Schomaker-Engemann, die das Präsentationskonzept entwickelten. Die beiden sind sich einig: der Plan ging auf. Evangelische Fan-Artikel wie Turnbeutel mit dem Fest-Slogan „Reformation bewegt“ oder Damen-T-Shirts mit der Aufschrift „Sünderin“ lockten schon am 11 Uhr – eine Stunde vor dem Festbeginn – Neugierige in die Pagode.

In der Pagode gab es nicht nur Bücher, Häferl, Kerzen, Frisbees, Pins, Sattelschoner, Stofftaschen, Turnbeutel und T-Shirts, sondern auch eine Pinnwand zum Thema „Glaube in Großstadt“. Die mit Stoff bespannte Pinnwand lud ein, Begriffe wie u.a. „Sinn“, „Politisch“ oder „Rituale“ hochzuklappen, um die evangelische Position zum jeweiligen Wort zu entdecken. Für die Kinder gab es eine Extra-Reihe, in der sie kirchliche Feste erraten konnten. „Dadurch ist man sehr gut mit den Besucher*innen ins Gespräch gekommen“, freut sich Superintendent Hansjörg Lein.

Zudem konnten Besucher*innen sich mit einem Bekenntnis-Schild fotografieren lassen: evangelisch, katholisch, orthodox, muslimisch und jüdisch waren vorbereitet. Weitere leere Leinwände und Stifte zum Gestalten standen zur Verfügung. „Mit der Foto-Aktion haben wir nicht nur das Projekt ‚500 Jahre – 500 Gesichter‘ weiter vorangebracht, sondern auch die Vielfalt von Spiritualität in Wien thematisiert“, sagen Schwimbersky und Schomaker-Engemann.

Alle Hände voll zu tun hatten auch die Mitarbeiter*innen der Evangelischen Jugend Wien (EJW) rund um Diözesanjugendreferent Josef „Sepp“ Fessler. Die Wiener Jugend organisierte einen Radl-Salon mit Jux-Rädern zum Ausprobieren und engagierte imposante Feen auf Großstelzen, die Trommelgruppe Batala und den Ballkünstler Martin Schopf. „Diese ‚Walking Acts‘ haben das ‚festival-feeling‘ des Tages abgerundet“, freut sich Jugendreferent Fessler. Möglich sei dies gewesen, weil auch die MA13 das Wiener Programm förderte, so Fessler. Außerdem bot die EJW eine „Fun & Action“-Station mit verschiedenen Spielen an.

Mehrere tausend Kinder und Jugendliche stürmten geradezu die Spielstationen und Aktionen der Evangelischen Jugend, so der Diözesanjugendreferent der Evangelischen Jugend Wien (EJW) Josef Fessler. „Etwa 40 IKEA-Taschen vollgefüllt mit ausgewählten Spielmaterialien aus dem EJW-Spielverleih sind großräumig im Park verteilt worden und wurden begeistert in Empfang genommen.“ Kinder, Jugendliche und Eltern jonglierten, balancierten und versuchten sich in Koordinationsübungen. An der angrenzenden Spielstation der Burg Finstergrün wurden alle eingeladen, die Schätze des Glaubens zu suchen und zu finden. So wurde das Motto „Reformation bewegt - spielerisch Leben und Glauben entwickeln“ mehr als eindrucksvoll in das Er-Leben umgesetzt.

„Und der Schwung hält an“, sagt Fessler. „Etliche Spielmaterialien werden nachgefragt, auch aus anderen Konfessionen kommen Anfragen. Und immer wieder steht bei den Anfragen dabei, wie großartig das Fest gewesen ist. Es ist einfach schön wahrzunehmen, wie sich so Interesse und eine bereichernde Vernetzung entwickelt. Ein großes und besonderes Danke gebührt den Mitarbeiter*innen, die den Ansturm bravourös meisterten und am Abend entsprechend geschafft waren. Die Mühen haben sich jedoch gelohnt. Das Fest hat begeistert.“

Die Fotos aus der Wien-Pagode und von der Wiener Jugend finden Sie hier – gemeinsam mit weiteren „Wiener Impressionen“.
Verfasst am: 16.10.17, 11:41
Titel: Wien: Katja Eichler folgt als Fachinspektorin auf Gisela Ebmer
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 11.10.2017

Eichler: Religionsunterricht übt eigenes Denken und Entscheiden

Mit einem Festgottesdienst in der Auferstehungskirche in Wien-Neubau ist am Dienstagabend, 10. Oktober, Katja Eichler in ihr neues Amt als Fachinspektorin für den evangelischen Religionsunterricht an allgemein bildenden und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen in Wien eingeführt worden. Sie übernimmt das Amt von Gisela Ebmer, die im Gottesdienst entpflichtet wurde. Die Amtseinführung und Entpflichtung nahmen Superintendent Hansjörg Lein und die Oberkirchenräte Karl Schiefermair und Johannes Wittich vor.

Die Feier prägten auch der Dank und die Anerkennung für die elfjährige Amtszeit von Gisela Ebmer, „für ihren Einsatz zwischen den Fronten des kirchlichen und staatlichen Betriebs und den LehrerInnen“, wie bei dem feierlichen Gottesdienst betont wurde. Besonders wurde dabei Ebmers Eintreten für den konfessionellen Religionsunterricht in der Öffentlichkeit hervorgehoben. „Ich freue mich, dass du weiterhin als Religionslehrerin tätig sein wirst. Dein Dienst als Fachinspektorin bleibt unvergessen“, sagte Superintendent Hansjörg Lein.

Ebmers Amt übernimmt Katja Eichler. Die gebürtige Deutsche lebt seit 15 Jahren in Wien und promovierte im Fachgebiet Religionspädagogik. „Du willst dich starkmachen für den Erhalt des konfessionellen Religionsunterrichts“, stellte Lein die neue Fachinspektorin vor. „Die eigene Konfession kennen und reflektieren lernen, das ist dir für die SchülerInnen wichtig und für den gemeinsamen, friedvollen Dialog mit anderen Konfessionen und Religionen.“ So waren unter den über 100 Gästen auch muslimische, orthodoxe, altkatholische und katholische KollegInnen Eichlers zur Amtseinführung gekommen.

„Religionslehrerinnen und Religionslehrer müssen vieles leisten“, unterstrich Oberkirchenrat Johannes Wittich, als „Expertin für ein gutes Miteinander“ habe Eichler als Fachinspektorin nun die herausfordernde Aufgabe, die Religionslehrerinnen und Religionslehrer in ihrem vielfältigen Beruf zu unterstützen.

Dazu kämen die kirchlichen Rahmenbedingungen, die den Alltag einer Fachinspektorin wohl nicht vereinfachten, meinte Oberkirchenrat Karl Schiefermair. Wichtig sei aber, dass im Religionsunterricht Verantwortung eine große Rolle spiele. „Verantwortung muss gelehrt und gelernt werden – dafür steht der Religionsunterricht“, betonte Schiefermair.

„Festgelegte Bilder machen das Leben schwer“, erklärte Eichler in ihrer Predigt. Der Religionsunterricht breche solche Bilder auf, indem Lehrende und SchülerInnen über biblische Geschichten und kirchengeschichtliche Ereignisse ins Gespräch kämen und so existenzielle Fragen sowie heutige grundlegende gesellschaftliche Strömungen diskutierten. Zum eigenen Denken und Entscheiden würden die Schülerinnen und Schüler im Religionsunterricht angeregt. „Und wir sprechen darüber, dass nicht alles so bleiben muss, wie es ist. Die Schülerinnen und Schüler sollen ihre Verantwortung und Handlungsfähigkeit entdecken und erweitern. Wir sprechen mit ihnen über ihre Hoffnungen, ihre Träume.“ Dabei seien Religionslehrerinnen und Religionslehrer als authentisches Gegenüber immer mit ihrer ganzen Person gefragt.

„Wie viel Religionsunterricht verträgt unsere Schule?“, fragte Ministerialrat Karl Schwarz vom Kultusamt. Inzwischen müsse sich der Staat mit fast 20 Religionsgemeinschaften auseinandersetzen. „Und die meisten bieten einen Religionsunterricht an.“ Er prognostizierte: „Eine neue Generation von Fachinspektorinnen und Fachinspektoren tritt derzeit ihr Amt an und muss sich mit neuen Herausforderungen befassen.“

„Den entkrampften Umgang unter den Religionen, den ich hier wahrnehme – davon können wir in der Verwaltung noch viel lernen“, sagte der Präsident des Stadtschulrats Heinrich Himmer. Der katholische Fachinspektor Manfred Göllner bedankte sich bei Gisela Ebmer für ihren kritischen Blick und die wertschätzende Zusammenarbeit. „Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dir, Katja. Deine Offenheit habe ich bereits kennen und schätzen gelernt.“ Ebenfalls auf die Zusammenarbeit freut sich Sylvia Inou, Leiterin des Instituts Religiöse Bildung an der KPH Wien/Krems, die wie Eichler neu im Amt ist. Auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit mit dem nötigen Ernst und dem nötigen Humor freut sich Sonja Danner, Koordinatorin für evangelische und altkatholische Religion am Institut für Fortbildung an der KPH.

Musikalisch gestalteten den Festgottesdienst Martin Arnold (Saxophon), Diözesankantorin Yasuko Yamamoto (E-Piano) und Michael Jung (Orgel).
Verfasst am: 16.10.17, 11:40