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Titel: Wien: Hennefeld verurteilt Vandalismus am Campus der Religionen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 11.7.2018

Fahnen von Unbekannten beschädigt und entwendet

Zu einem neuerlichen Vandalenakt ist es Anfang Juli am geplanten „Campus der Religionen“ in der Wiener Seestadt Aspern gekommen. Fahnen der Israelitischen Kultusgemeinde und der Neuapostolischen Kirche wurden von Unbekannten „heruntergerissen und entwendet“, wie Harald Gnilsen, Baudirektor der Römisch-katholischen Erzdiözese Wien berichtet. In der Aussendung schreibt Gnilsen weiter, der Akt richte sich „bewusst gegen den gemeinsamen Dialog und die Offenheit der Religionen und Kulturen von Wien.“ Erst im Mai war eine jüdische Fahne am Campus beschädigt worden. Bereits 2015, kurz nach Projektstart, war die jüdische Flagge mit einem Hakenkreuz beschmiert und der Mast aus dem Boden gerissen worden.

„Entsetzt und traurig“ ist der reformierte Landessuperintendent und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Pfarrer Thomas Hennefeld, über den neuerlichen Vandalenakt. Wörtlich stellte Hennefeld in einer Aussendung fest: „Dieser Campus ist ein vorbildlicher Versuch, die Vielfalt der Religionen in der Stadt Wien darzustellen und die Religionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Besonders anstoßerregend scheinen die Symbole der jüdischen Gemeinschaft zu sein, was deutlich und bestürzend auf grassierenden Judenhass hinweist. Der ÖRKÖ tritt nicht nur für eine vertiefte Gemeinschaft der christlichen Kirchen ein, sondern auch für den Dialog der Religionen. Es ist bestürzend, immer wieder feststellen zu müssen, dass Orte des Dialogs und der Offenheit zur Zielscheibe von Fanatikern werden, die sich diesem Dialog entgegenstellen. Umso wichtiger ist es, ein Klima der Offenheit und Toleranz zu schaffen anstatt zu polarisieren und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen.“

In der neu entstehenden Seestadt Aspern im 22. Wiener Gemeindebezirk soll der „Campus der Religionen“ als gemeinsamer Platz für verschiedene Religionen und Glaubensgemeinschaften entstehen. Um einen ovalen Platz sollen Gotteshäuser der verschiedenen Religionen und Konfessionen errichtet werden, vorerst waren zehn Fahnen aufgestellt worden. Beteiligt an diesem Projekt sind die Römisch-katholische, Evangelische, Orthodoxe und Neuapostolische Kirche sowie die Israelitische Kultusgemeinde, die Islamische Glaubensgemeinschaft, die Buddhistische Religionsgemeinschaft sowie die Gemeinde der Sikhs.
Verfasst am: 16.07.18, 07:51
Titel: „Im Gespräch“ – Von der Rose
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 11.7.2018

„Schau auf das, was glücklich macht“, meint Pfarrerin Ingrid Tschank.

Von dem Dichter Rainer Maria Rilke wird die Geschichte erzählt, dass er immer, wenn er in Paris war, mittags mit einer Freundin spazieren ging. Sie kamen stets an einer Bettlerin vorbei, die stumm, unbeteiligt und starr auf ihrem Platz saß. Nie sah sie einen Geber an. Die Freundin legte jedes Mal ein Geldstück in die Hand der Bettlerin, Rilke hingegen gab ihr nichts. Daraufhin angesprochen, meinte er, man müsse ihrem Herzen, nicht ihrer Hand schenken. Eines Tages brachte Rilke eine kaum erblühte, weiße Rose mit und legte sie in die Hand der alten Frau. Die Bettlerin sah zu ihm empor, küsste seine Hand, erhob sich und ging mit der Rose von dannen. Die nächsten Tage blieb die Bettlerin verschwunden. Erst eine Woche später war sie wieder auf ihrem gewohnten Platz – stumm, unbeteiligt und starr. Die Freundin konnte ihre Verwunderung nicht unterdrücken und fragte Rilke, wovon die Bettlerin denn all die Tage gelebt habe. Rilke antwortete: ‚Von der Rose‘.

So schön diese Geschichte ist, so sehr ist klar, dass niemand von einer Rose, nicht einmal von einem ganzen Rosenstrauch leben kann. Der Anblick ist wunderschön, aber der Bauch bleibt leer. Aber diese Rose gab der Frau etwas ganz besonderes, sie berührte ihr Innerstes. Die Bettlerin hatte, solange die Rose blühte, Kraft, Energie und Lebensmut. Erst nachdem die Rose verblüht war, ging sie wieder in ihren Alltag und damit auch in ihre Sorgen und Nöte zurück.

Diese Geschichte macht darauf aufmerksam: Schaue nicht nur auf das Alltägliche, auf alle deine Arbeit und auf die vielen Dinge, die jeden Tag zu tun sind. Schau nicht nur auf deine Sorgen und Nöte. Schau auch auf das Schöne und auf das, was dein Herz ganz tief berührt, schau auf das, was glücklich macht. Vom Apostel Paulus können wir lernen: „Gegenüber jedem erfüllt eure Pflicht und Schuldigkeit! Nur in der Liebe ist es anders: Hier gibt es keine begrenzte Pflicht, sie ist grenzenlos. Denn wer den anderen liebt, hat das Gesetz erfüllt.“

Die Liebe ist der Maßstab aller Dinge. Nach Liebe sehnt sich jeder Mensch, aber das Leben zeigt im Großen wie im Kleinen, dass gerade die mangelnde Liebe so viel Unheil entstehen lässt, auf der Welt im Großen und auch in unseren Familien im Kleinen. Mangelnde Liebe treibt viele Dornen, die stechen und die tiefe Wunden reißen, manche sogar so tief, dass sie nie mehr heilen. Dornenhecken, so erzählt auch das Märchen von Dornröschen, sind nur durch die Liebe zu bezwingen. Möge der Sommer wieder verstärkt Gelegenheit bieten, sich wieder vermehrt an den herrlichen Blüten und Früchten zu erfreuen. Die Dornen gehören zwar dazu, wie bei jeder Rose, aber sie sollen nicht das Leben bestimmen.

Mag. Ingrid Tschank ist Pfarrerin in Gols. Kontakt: ingrid.tschank@evang-gols.at

Jeden Sonntag sind Pfarrerin Maria Katharina Moser, Vikarin Julia Schnizlein und Pfarrerin Ingrid Tschank in der „Krone bunt“ – Kolumne „Im Gespräch“ zu lesen. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von krone.at
Verfasst am: 16.07.18, 07:50