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Titel: Bünker: Europa ist Zukunft verheißen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 16.5.2018

Kirchen als Orte des offenen Gesprächs ohne Hetze und Hass

„Was aus Europa wird, weiß ich nicht. Aber dass uns Zukunft verheißen ist, dass weiß ich und darauf vertraue ich.“ Das sagte Bischof Michael Bünker in einem Vortrag anlässlich der 200-Jahr-Feier der Hanauer Union am Dienstag, 15. Mai, in Hanau nahe Frankfurt am Main. „Diese verheißene Zukunft von Gottes Reich“, so Bünker in dem Vortrag, der sich der Bedeutung der Evangelischen Kirche für Europa widmete, weiter, „ist ein offener Möglichkeitsraum, in den unsere Welt gestellt ist. Europa ist nicht das Reich Gottes, es ist der Adressat, aber nicht das Ziel der christlichen Verkündigung.“ Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa ist, sprach auf Einladung der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. In deren Sprengel Hanau hatten sich 1818 reformierte und lutherische ProtestantInnen zu einer gemeinsamen Kirche zusammengeschlossen.

In seinem Vortrag widmete sich Bünker Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Evangelischen am Kontinent. Die Reformatoren hätten Europa nie explizit als Thema behandelt, dennoch hätten sie alle bereits über „europaweite Netzwerke“ verfügt und „europaweite Wirkungen“ gezeitigt. In späterer Zeit seien es dann vor allem Migranten wie der gebürtige Mähre Johann Amos Comenius gewesen, die „Europa als ein Zukunftsprojekt für ein Zusammenleben in Vielfalt“ entdeckten. Es habe bis nach den Ersten Weltkrieg gedauert, ehe sich evangelische Theologie des Themas erneut angenommen habe. Die Charta Oecumenica von 2001 habe gerade für dieses Zusammenleben in Vielfalt einen gemeinsamen Ausdruck der Kirchen gefunden.

Heute sei Europa zuerst ein „Friedensprojekt, als zweites ein Kontinent des zunehmenden Wohlstandes“, und drittens eine „wirtschaftliche und politische Größe.“ Als solche müsse Europa aber auch „sozialstaatliche, ökologische und menschenrechtliche“ Standards einhalten. Sie würden die Glaubwürdigkeit des europäischen Modells ausmachen, gerade hier zeigten sich aber aktuell Brüche und Spannungen, was auch als Herausforderung an die Kirche zu werten sei. Ihr seien in einer offenen und pluralistischen Gesellschaft fünf Aufgaben gestellt: Sie müsse eine bekennende, seelsorgerliche, helfende und missionarische Kirche sein, die zudem, wo nötig, „prophetische Kritik an den herrschenden Zuständen“ übe.

Heute sähen evangelische Kirchen, die sich für eine offene und plurale Gesellschaft einsetzen, diese zusehends in Gefahr: „Pluralität wird in Europa zunehmend als Bedrohung empfunden und die Offenheit der Gesellschaften scheint durch Extremismen und überzogene Sicherheitsbestrebungen, durch zunehmenden Rechtspopulismus mit seinen Abgrenzungsstrategien und generell durch die verbreiteten Festungsmentalitäten Schritt für Schritt verloren zu gehen.“ Die protestantischen Kirchen müssten dabei ihre oftmalige Diasporasituation zu nutzen verstehen: Sie ermögliche es, eine gesellschaftliche „Brückenfunktion“ wahrzunehmen, was einschließe, dass „Kirchen Orte des offenen Gesprächs ohne Hetze und Hass“ seien.

Zugleich übte Bünker Kritik am gegenwärtigen Lebensstil, der die europäische Gesellschaft stark präge: „Unser Alltag ist eine imperiale Lebensweise, die die Ungleichheit innerhalb der Gesellschaft aber auch zwischen den Staaten fördert und auf Kosten der Natur und der Nachkommen sowie auf Kosten der Menschen in den Ländern des Südens geht.“ Der Bischof plädiert daher für lösungsorientierte Gespräche, „von denen eine emotionalisierte und moralisierende Stimmung und eine Beschäftigung mit einer Politik der Symbole nur ablenkt.“
Verfasst am: 17.05.18, 13:39
Titel: Lange Nacht der Kirchen zwischen Tradition und Innovation
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 16.5.2018

Diakonie Eine Welt am 25. Mai erstmals beteiligt

Dem Verhältnis von Kirchen zu Tradition und Innovation widmet sich die 14. „Lange Nacht der Kirchen“, die am Freitag, 25. Mai, österreichweit begangen wird. In einem Pressegespräch am Dienstag, 15. Mai, informierten die Verantwortlichen über weitere zentrale Themen, präsentierten ausgewählte Programmpunkte und erzählten über die Entwicklung der ökumenischen Großveranstaltung über knapp eineinhalb Jahrzehnte.

Veronika Prüller-Jagenteufel: Es braucht Innovationsschub für Kirche

Die inhaltlichen Leitlinien – auch aus ökumenischer Perspektive – skizzierten Veronika Prüller-Jagenteufel, Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, und Darius Schutzki, Bischofsvikar der römisch-katholischen Kirche. Prüller-Jagenteufel betonte, es gehe in der Langen Nacht der Kirchen darum, „den großen Reichtum, den wir an unseren Kirchenräumen haben, sichtbar zu machen.“ Kirchen seien karitative Räume, aber auch Räume der Stille, des Gebets, der Diskussion und der Musik. Das Event sei zudem wichtig, um Traditionen hochzuhalten: „Traditionen sind nicht nur etwas Verstaubtes, sondern es gibt auch einen wichtigen christlichen Grundbestand an Traditionen wie die Menschenwürde oder die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben vieler.“ Allerdings brauche es auch einen Innovationsschub für eine Kirche, die sich noch mehr in die Niederungen und zu den Menschen begebe, denn: „Kirche sind die Gemeinden, die Menschen, die Kirche leben.“

Darius Schutzki: „Es wird spürbar, was Menschen gerade beschäftigt“

Schutzki beschrieb in seinem Statement die Lange Nacht der Kirche als „Barometer für die Sensibilität einer Gesellschaft.“ Mit den Themen, die in den Veranstaltungen aufgegriffen werden, werde „spürbar, was die Menschen gerade berührt und beschäftigt.“ Heuer sei das z.B. das Gedenken an die Ereignisse 1918 oder 1938. Auch der ökumenische Charakter der Nacht sei zentral: „Die Lange Nacht der Kirchen ist ein Beispiel für das, was wir gemeinsam können. Das war nicht immer so.“ Zugleich meinte Schutzki aber: „Es ist nicht wichtig, dass wir alle aus einer Schüssel essen. Jeder soll in seiner Konfession gefestigt sein und das eigene vertreten, erst dann können wir das Gemeinsame suchen.“

50 Jahre Diakonie in der Steinergasse

Erstmals an der Langen Nacht der Kirchen beteiligt ist die evangelische „Diakonie Eine Welt“. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens ihres Standortes in der Steinergasse im 17. Wiener Gemeindebezirk richtet die Hilfsorganisation, zu der Institutionen wie der Diakonie Flüchtlingsdienst oder Brot für die Welt gehören, am 25. Mai ein großes Fest aus. Pfarrerin Angelika Reichl präsentierte das Programm und betonte die diakonische Aufgabe, die Kirchen zukomme: „Für Menschen in der Not da zu sein ist für viele Menschen eine zentrale Aufgabe der Kirchen.“ Mit dem Fest wolle die Diakonie Eine Welt die Türen öffnen und über die alltägliche diakonische Arbeit erzählen.

Die Lange Nacht der Kirchen findet österreichweit in 620 Kirchen statt, 2477 kostenlose Veranstaltungen sind gemeldet und im Programm unter www.langenachtderkirchen.at abrufbar. In Wien wird Bischof Michael Bünker mit Kardinal Christoph Schönborn und dem Zeithistoriker Oliver Rathkolb über das 100-Jahr-Jubiläum der Gründung der Ersten Republik sprechen. Die einzelnen Programmpunkte beginnen um 18 Uhr und dauern bis ein Uhr früh. Der Eintritt ist kostenlos. Am selben Abend wird die Lange Nacht der Kirchen auch in Südtirol, Tschechien, der Slowakei, Estland und Teilen der Schweiz veranstaltet.
Verfasst am: 17.05.18, 13:38