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Titel: Gratisessen für Arme: Diakonie bangt um Subventionen
Autor: MB
Quelle: www.orf.at vom 5.12.2017

„S’Häferl“ gibt viermal die Woche warmes Essen an arme Menschen aus. Die Einrichtung der Diakonie in Wien muss ab 2018 aber womöglich mit rund einem Viertel weniger Budget auskommen. Von der Stadt Wien soll es nämlich weniger Geld geben.

Die zuständige Behörde, MA 40, habe angekündigt, die laufende Subvention von 15.000 Euro zu streichen, sagte Hausherr Norbert Karvanek am Dienstag. Im Rathaus will man noch nach einer Lösung suchen.

Behörde sucht nach Lösung

„Uns wurde von der MA 40 mitgeteilt, dass es ab nächstem Jahr keine Subvention mehr gibt“, beklagte Karvanek in einer Pressekonferenz. Dieses Geld brauche man aber für die Anschaffung von Lebensmitteln, um arme Menschen weiterhin bekochen zu können. Das etwa 60.000 Euro hohe Jahresbudget setzt sich laut Angaben des Leiters aus 15.000 Euro der MA 40, 10.000 Euro des Bundes und Spenden zusammen.
Im Büro von Sozialstadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ), wo die MA 40 ressortiert, betonte man auf APA-Nachfrage, dass „das letzte Wort noch nicht gesprochen“ sei. „Es wird nach einer Lösung gesucht“, versicherte eine Sprecherin. Da es sich um Stiftungsgelder handle, müsse aber die zweckmäßige Verwendung regelmäßig evaluiert werden.

200 Menschen am Tag verköstigt

Der Bedarf an Gratis-Essen ist im „S’Häferl“ jedenfalls in den vergangenen Jahren gestiegen. Zuletzt wurden rund 40.000 Mahlzeiten serviert, vor vier Jahren waren es noch 14.000. „Im Durchschnitt kommen 200 Menschen am Tag, an Spitzentagen 250“, erzählte Karvanek.

Die Gäste seien genauso international wie das Team, wobei viele Bulgaren oder Ungarn für ein warmes Essen vorbeikommen: „Dort gibt es eine hohe Arbeitslosigkeit und Armutsmigration.“ Nur 15 Prozent der Besucher sind Frauen.

Chalupka: „Niemanden ausschließen“

Die Einrichtung in der Hornbostelgasse 6, die 1988 als Anlaufstelle für Haftentlassene und Freigänger von einer evangelischen Gefangenenseelsorgerin gegründet wurde, hat Mittwoch, Donnerstag und Samstag von 12.00 bis 17.00 Uhr sowie Sonntag von 12.00 und 16.00 Uhr geöffnet. In der Ausgabestelle herrscht Alkoholverbot, auch merkbar betrunkene Menschen müssen ihr Essen draußen einnehmen.

Es brauche „Orte der Hoffnung“ wie „S’Häferl“, die niemanden ausschließen - gerade in Zeiten, in denen benachteiligte Gruppen gegeneinander ausgespielt würden, mahnte Diakonie-Direktor Michael Chalupka. Und er betonte mit Hinweis auf die derzeitige politische Debatte, dass sich christliche Symbole wie der Adventkranz nicht dafür eigneten, „gegen jemand zu sein“.
Verfasst am: 05.12.17, 13:22
Titel: Frauenpower in der Evangelischen Kirche
Autor: MB
Quelle: https://www.meinbezirk.at/simmering vom 2.12.2017

Mit Anna Kampel und Maria Katharina Moser leiten zwei Frauen die protestantische Gemeinde in Simmering.

Anna Kampel hat Anfang September die zweite Stelle als Pfarrerin in der Evangelischen Kirche in der Braunhubergasse angetreten.
Mit der evangelischen Gemeinde hat Anna Kampel das große Los gezogen. "Wir haben eine unglaublich tolle Gemeinde. Die Leute halten zusammen, unterstützen, wenn jemand leidet, aber freuen sich auch miteinander. Deshalb habe ich zu meiner Amtseinführung auch einen Spruch aus dem Römerbrief ausgewählt: 'Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden'", erzählt Anna Kampl.

Jobwechsel
Sie ist seit 1. September im Amt in der Kirche in der Braunhubergasse 20. Derzeit hat Kampl die zweite Pfarrstelle, die 50 Prozent beträgt, inne. Geleitet wird die Gemeinde von Pfarerrin Maria Katharina Moser. Moser tritt im September 2018 eine neue Stelle an, sie wird Direktorin der Diakonie.

Geplant ist, dass Kampl ihre Position übernimmt. "Das wäre toll, denn ich kenne die Leute. Es wird eine Ausschreibung geben. Das Schöne an der Evangelischen Kirche ist, dass sie demokratisch ist und die Gemeinde mitbestimmt. Daher bin ich zuversichtlich, dass es klappt", so Kampl.

Familie sozial engagiert
Kampl wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern neben der Kirche. "Das ist sehr praktisch. Wenn ich arbeite, aber meine Kinder etwas brauchen, dann bin ich gleich nebenan."

Geboren wurde die 36-Jährige in Prag, aufgewachsen ist sie in einer kleinen tschechischen Stadt beim Vorriesengebirge. "Meine Oma hat mich sehr geprägt, vor allem im Bereich soziales Engagement. Unser Haus war immer für alle offen, meine Oma hat täglich gekocht. Es war immer genug da, wenn jemand vorbeigekommen ist. Und wenn etwas übergeblieben ist, dann haben die Reste Obdachlose bekommen", so Kampl.

Auch ihr Vater, ein Kinderarzt, ist immer für alle da. "Auch wenn eine besorgte Mutter mitten in der Nacht anruft, hört er ihr zu, wenn sie Angst um die Gesundheit ihres Kindes hat.".


Inspiriert von tschechischem Pfarrer
Obwohl alle in ihrer Familie Ärzte sind, hat sich Kampl für das Theologiestudium entschieden. "Ich habe auch die Aufnahmeprüfung für das Journalismusstudium gemacht, da ich für Regionalzeitungen geschrieben habe und auch die Schülerzeitung geleitet hatte. Aber bei der Prüfung habe ich mir gedacht, eigentlich will ich das gar nicht."

Studiert hat Kampl in Wien, wo sie dann auch ihren Mann kennengelernt hat. Dass sie Pfarrerin wird, hat sich erst nach etwa drei Jahren entschieden.

Ein Traumberuf
"Ich habe die Lebensgeschichte eines tschechischen Pfarrers - Svatopluk Karasek - gelesen, der sich auch politisch engagierte und flüchten musste. Nach der Wende ist er dann wieder zurückgekommen und engagiert sich wieder politisch in dem Sinne, dass er aufzeigt, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Ich habe ihn auch persönlich kennengelernt. Die Kombination aus christlichem Leben und politischem Engagement hat mich sehr beeindruckt. Und ich habe mich entschieden, auch Pfarrerin zu werden."

Eine gute Entscheidung, denn heute weiß sie, dass es ihr Traumberuf ist.
Verfasst am: 04.12.17, 10:04