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Titel: „Pop Up Monastery“ beim Ökumenischen Frauenempfang
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 21.6.2017

Dokumentarfilm über ein einzigartiges ökumenisches Projekt steht im Mittelpunkt des Abends

Der Film „The Gardens of Eve“, der das erste internationale ökumenische „Pop Up Monastery“ für Frauen abbildet, steht im Zentrum des diesjährigen Ökumenischen Frauenempfangs, der am 23. Juni um 19 Uhr bei den Franziskanischen Schwestern in Wien-Simmering (1110 Wien, Simmeringer Hauptstraße 175) stattfindet. Die Filmemacherin Patricia Marchart und Gabriele Kienesberger, Ko-Präsidentin des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa (und eine der Teilnehmerinnen des „Pop Up Monastery“), sind bei der Präsentation anwesend. Die Nationalkoordinatorinnen des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Österreich, Regina Augustin und Esther Handschin, betonen, dass zum Ökumenischen Frauenempfang natürlich auch Männer herzlich willkommen sind.

Das erste internationale ökumenische „Pop Up Monastery“ für Frauen hatte von 8. bis 21. August 2015 im Kloster Mariensee (Deutschland) stattgefunden. Frauen zwischen 19 und 73 Jahren aus 17 europäischen Ländern aus verschiedenen christlichen Konfessionen – katholische, evangelische, orthodoxe Christinnen, aber auch spirituell Suchende – lebten für einige Tage gemeinsam ein monastisches Leben. Sie erlebten gemeinsam Stille, trafen einander zum Gebet, berührten einander mit ihren Lebensgeschichten, sangen und tanzten. Gemeinsam diskutierten sie über ökumenische, feministische und spirituelle Herausforderungen. Regina Augustin: „Es ist ein berührender Film über christliche Frauen in Europa – Frauen aus verschiedenen Generationen, Konfessionen, kulturellen Hintergründen.“

Das Projekt wurde fünf Jahre lang vorbereitet; der Film von Patricia Marchart und Carla Maurer lässt sowohl die Trägerinnen des Projekts als auch Teilnehmerinnen des „Monastery“ über ihre Erfahrungen zu Wort kommen, was es bedeutet, Glauben zu haben, in Gemeinschaft zu leben, auf der Suche zu sein und einander auf dem Weg zu unterstützen.

Der Film im Auftrag des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Österreich wurde von der Evangelisch-methodistischen Kirche in England finanziert. (Anmeldung zum Ökumenischen Frauenempfang unter: info@frauenoekumene.at).
Verfasst am: 22.06.17, 10:07
Titel: Krätzl: Ökumene ist keine Gleichmacherei aller Kirchen
Autor: MB
Quelle: www.kathpress.at vom 21.6.2017

Wiener Weihbischof und lutherischer Bischof Bünker diskutierten über aktuellen Stand der Beziehungen der Kirchen und 500 Jahre Reformation - Bünker: "Reformation immer noch unvollendet?"

Ökumene ist "keine Gleichmacherei, sondern ein "Sich-Näherkommen im Wesentlichen und ein Anerkennen der je anderen Tradition": Das hat der Wiener Weihbischof Helmut Krätzl betont. Er bestritt gemeinsam mit dem evangelischen Bischof Michael Bünker anlässlich des Reformationsjubiläums eine Podiumsdiskussion in Klosterneuburg. Krätzl machte seine Überzeugung am Beispiel der gemeinsamen katholisch-lutherischen Erklärung zur Frage der Rechtfertigung (1999) fest. Im wichtigsten Punkt, dass der Mensch nur aufgrund seines Glaubens gerechtfertigt werde, seien sich alle einig gewesen, sagte Krätzl. Bei einigen anderen Punkten konnte zwar keine Einigung erzielt werden, diese seien aber nicht als kirchentrennend bezeichnet worden. "Das war für mich ein typisches Beispiel, wie Ökumene sein soll."

Martin Luthers Absicht sei es nie gewesen, die abendländische Kirche zu spalten, betonte Bischof Bünker. "Er wollte die Kirche, in der er groß geworden ist, reformieren und zu ihren Wurzeln, zu Jesus Christus und zum Evangelium, zurückbringen." Dass das nicht für die ganze Kirche gelungen sei, habe man später als das Scheitern der Reformation bezeichnet. "Wir müssen darüber nachdenken, ob die Reformation nicht unvollendet bleibt, solange es irgendwo eine Kirche Jesu Christi gibt, die nicht auf der Grundlage des Neuen Testaments als alleiniger Norm und Maßstab steht." Luther sei es wichtig gewesen, Jesus Christus in den Mittelpunkt zu stellen, deshalb habe er auch die Verehrung der Gottesmutter und der Heiligen kritisiert.

Gesamtgesellschaftlicher Aufbruch zu Luthers Zeit

Der evangelische Bischof wies auch auf die besonderen Anliegen des gesamtgesellschaftlichen Aufbruchs zur Zeit der Reformation hin. Das Jahr 1517 sei nicht nur das Jahr der Veröffentlichung der 95 Thesen Luthers gewesen, sondern beispielsweise auch jenes, in dem der osmanische Sultan Kairo eroberte. Das Osmanische Reich dehnte sich schließlich bis zur spanischen Grenze aus, 1529 standen die Türken dann vor Wien. Außerdem sei diese Zeit eine der Entdeckungen und Eroberungen gewesen, so Bünker. Er betonte weiters, dass es auch vor und nach Luther Reformationen gegeben habe, wobei er Johannes Zwingli und die Waldenser als Beispiele nannte.

Ein wesentliches Element des gesellschaftlichen Aufbruchs sei die Erfindung des Buchdrucks gewesen. Bünker: "Innerhalb weniger Jahre werden in Europa mehr Bücher gedruckt, als im gesamten Jahrtausend davor geschrieben wurden. Anfang des 16. Jahrhunderts wurden in Deutschland mehr Bücher gedruckt als in Frankreich, Spanien und Italien zusammen. Und 70 Prozent davon waren Schriften Martin Luthers."

Eine folgenreiche Entscheidung sei gewesen, dass der damalige osmanische Sultan die Einfuhr der Druckerpresse in sein Reich verbot, weil der Koran als gegeben angesehen wurde und man - da er von Hand abgeschrieben wurde - Druckermaschinen als unnötig ansah. "Damit koppelte sich das islamisch-osmanische Reich von der kulturellen und technischen Entwicklung wahrscheinlich für Jahrhunderte ab", so Bünker. Die Nachwirkungen seien bis heute zu spüren.

Ökumenische Meilensteine in Österreich

Weihbischof Krätzl erinnerte im Verlauf der Diskussion auch an einige ökumenische Meilensteine in Österreich. So habe etwa Kardinal Franz König bereits 1964, noch während des Zweiten Vatikanischen Konzils, die ökumenische Stiftung "Pro Oriente" gegründet. Anfang 1966 wurde die gemischte katholisch-evangelische Kirchenkommission gegründet.

Für ihn persönlich sei die langjährige ökumenische Morgenfeier jeweils sonntags im ORF-Radio sehr lehrreich gewesen, so Krätzl. "Das war die beste Schule, um die Vertreter der anderen Kirchen besser kennen zu lernen." Einmalig sei auch die gemeinsame Verantwortung für den Religionsunterricht in Österreich, wie sie in der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems wahrgenommen wird: "Das kenne ich in keinem anderen Land."

Veranstalter der Podiumsdiskussion war die Österreichische Gesellschaft für Völkerverständigung. Deren Präsident Josef Höchtl zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Beziehungen zwischen den Kirchen "vom Gegeneinander über ein Nebeneinander zum Miteinander und Füreinander in der Zukunft" entwickeln.
Verfasst am: 21.06.17, 12:55