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Titel: Körtner: „Papst hat durch Lavieren der Ökumene geschadet“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 21.6.2018

Theologe sieht in „Furche“-Gastbeitrag Orientierungskrise des Protestantismus

In einem Gastbeitrag für die katholische Wochenzeitung „Die Furche“ (21. Juni) relativiert der Wiener evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner überhöhte Erwartungen an die Ökumene, wie sie im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 oftmals aufgekommen seien. Insbesondere Papst Franziskus‘ Zurückweisung des Beschlusses der deutschen römisch-katholischen Bischöfe, die Kommunion für nicht-katholische EhepartnerInnen von KatholikInnen zu öffnen, sei ein Rückschlag gewesen. Körtner erinnert auch an die jüngste Absage aus Rom in Sachen Frauenordination: „Ohne Anerkennung der Ordination von Frauen bleiben die Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Protestanten und damit die vollwertige Anerkennung der evangelischen Kirchen in weiter Ferne.“ Anlass für Körtners Beitrag war die Reise des Papstes zum Ökumenischen Rat der Kirchen nach Genf am Donnerstag, 21. Juni.

„Im Jubiläumsjahr 2017 hat es offenkundig mancherorts an Realitätssinn gemangelt“, kritisiert Körtner. „Franziskus ist eben doch nicht so progressiv, wie viele glauben.“ Wie sein Vorgänger Papst Benedikt XVI habe er „eine rote Linie markiert, wo es in lehramtlichen Fragen ans Eingemachte geht. Der Ökumene hat der Papst durch sein Lavieren, das ja auch sonst seine Taktik ist, geschadet.“ Körtner erwartet nach der „anfänglichen Franziskus-Begeisterung, die es auch unter evangelischen Christen gab“ das Einsetzen einer Nüchternheit, „welche die Ökumene braucht.“ Auch die Evangelischen seien an der gegenwärtigen Lage nicht schuldlos, „weil manchen Repräsentanten, die auch die jüngsten Volten des Papstes schönreden, mehr an guter ökumenischer Stimmung als an theologischer Klarheit gelegen ist.“ Körtner unterstreicht, aus seiner Perspektive sei „das Reformationsjubiläum zum Gradmesser einer theologischen Orientierungskrise des Protestantismus geworden.“
Verfasst am: 25.06.18, 13:43
Titel: Bünker zu Europa: „Pflock einschlagen, wenn alles schwankt“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 20.6.2018

Generalsynode ermöglicht mit Verrechtlichung Stärkung der GEKE

Die Gemeinschaft evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) erhält den Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts in Österreich. Den notwendigen Schritt dazu setzten die Delegierten der Generalsynode A.u.H.B. am Freitag, 15. Juni, in Wien mit einem einstimmigen Beschluss. „Bisher war die GEKE rechtlich nur ein loser Zusammenschluss“, meinte Synodenpräsident Peter Krömer. Mit der Entscheidung der GEKE, den permanenten Amtssitz in Wien zu installieren und künftig einen hauptamtlichen Generalsekretär anzustellen, sei eine geeignete Rechtsform gesucht geworden. Der Status einer Körperschaft öffentlichen Rechts ermögliche der GEKE ein entsprechendes Arbeiten als Kirchengemeinschaft von Wien aus. Kirchengesetze und Verträge definieren die Zusammenarbeit zwischen Evangelischer Kirche A.u.H.B. in Österreich und der GEKE, die weiterhin ihre Angelegenheiten selbständig im Rahmen ihrer Statuten regelt.

Seit 2006 war Bischof Michael Bünker ehrenamtlicher Generalsekretär der GEKE, er übergibt das Amt im Herbst dieses Jahres an seinen Nachfolger Mario Fischer. Bünker zeigte sich von der Verrechtlichung und Stärkung der GEKE überzeugt: „Wenn alles schwankt, was bisher gefestigt schien, ist es gut evangelisch, irgendwo einen Pflock einzuschlagen“, meinte der Bischof angesichts der Herausforderungen für ein gemeinsames Europa.

Vor den Delegierten betonte Bünker, die Kirchengemeinschaft habe sich als „umsetzungsfähiges ökumenisches Einheitsmodell erwiesen.“ Die auf Basis der Leuenberger Konkordie von 1974 gegründete GEKE sei „ein Prototyp, ein Role Model“, insbesondere für die theologische Arbeit: „Es war immer auch die Frage: Wie viele Unterschiede kann es geben, ohne dass die Einheit in Frage gestellt wird? Und ist überhaupt jeder Unterschied trennend?“ Bünker verwies auf die Rolle der Evangelischen – in Europa oft in einer Diasporasituation – im öffentlichen Diskurs: „Unsere gemeinsame Stimme wird zunehmend vernehmbar, und das ist auch notwendig. In Fragen der Euthanasie oder der Reproduktionsmedizin haben wir zum Beispiel Positionen erarbeitet, die auch für einzelne evangelische Christinnen und Christen hilfreich sind.“ Es gehe nicht darum, ein christliches Abendland oder frühere Zeiten zu beschwören, „das ist nicht mit dem evangelischen Glauben vereinbar.“ Aufgabe der Kirchen in Europa sei es vielmehr – so Bünker mit einem Zitat des Theologen Ulrich Körtner – „unsere Welt in den Möglichkeitsraum Gottes zu stellen. Europa ist ein Kontinent der Vielfalt und Freiheit. Wir dürfen uns nicht aufreiben zwischen Hetze und Hass.“ Als wesentliches Element hob Bünker auch die regionale Zusammenarbeit der Kirchen hervor: „Europa ist ein Kontinent der Regionen und der regionalen Vielfalt. Besonders wichtig ist heute die Verbindung mit den kleinen evangelischen Kirchen in Italien und Griechenland, die sich in beeindruckender Form der Menschen annehmen, die dort ankommen.“ Es sei aber mit Blick auf den künftig permanenten Sitz der GEKE in Österreich auch in gewisser Weise eine Genugtuung zu sagen, „der europäische Protestantismus werde ein Stück weit von Wien, der Hochburg der Gegenreformation, aus organisiert.“

Auch Oberkirchenrat Karl Schiefermair sah in seinem Statement vor den Delegierten der Synode die Evangelische Kirche vor der besonderen Herausforderung der Europäisierung. „Wo zeigt sich für internationale BesucherInnen das Gesicht unserer Kirche? Können wir künftig all denen, die die GEKE als internationale Organisation besuchen, als Role Model dienen?“ In sein Votum, sich dieser Herausforderung zu stellen, bezog Schiefermair auch explizit die Theologische Fakultät und das Albert Schweitzer Haus als Orte der „zivilgesellschaftlichen Verantwortung“ ein.


Verfasst am: 25.06.18, 13:42