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Titel: Zur Person: Möchte der Mitte der Kirche ein Gesicht geben
Autor: MB
Quelle: https://volksblatt.at vom 16.4.2019

Der evangelische Bischofskandidat Hochmeir kündigt auch rechtliche Schritte zum Karfreitag an

Andreas Hochmeir ist 1974 in Wels geboren und hat an der HTBLA Wels 1994 maturiert. Nach dem Zivildienst absolvierte er ein Studium der Evangelischen Theologie in Wien und Heidelberg. Seine Diplomarbeit schrieb er zum Thema „Geheimprotestantismus in Oberösterreich“. 2001 machte er das Lehrvikariat in Salzburg, seit 2004 ist er Pfarrer in Wallern.

Als Begleitprojekt zur Landesausstellung 2010 „Renaissance und Reformation“ organisierte er in Wallern den Themenweg „Reformation auf dem Weg“. 2012 wurde er zum Senior und damit zu einem der Stellvertreter des oö. Superintendenten gewählt. Als Bischof will Hochmeir „Diener einer einladenden und fröhlichen Kirche“ sein, „einen frischen Blick einbringen“, in der wichtigen Vielfalt der Kirche „integrativ und verbindend wirken“, und dabei „der Mitte unserer Kirche ein Gesicht und eine Stimme geben“.



VOLKSBLATT: In wenigen Tagen ist Karfreitag. Mit welchen Gefühlen werden Sie diesen heuer begehen?

HOCHMEIR: Karfreitag ist bei uns ein sehr wichtiger Feiertag, ein Herzstück des Glaubens, weil es um die Lebenshingabe Jesu und die Erlösung geht. Im heurigen Jahr ist es natürlich schmerzhaft: Seit den 1950er Jahren hatten wir den Karfreitag als Feiertag frei, das war für uns auch ein Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung angesichts der Geschichte. In den vergangenen 500 Jahren wurde evangelischen Gläubigen ja auch einiges angetan. Und der gesetzliche Feiertag war auch ein Zeichen der Wiedergutmachung. Aber wir werden trotz des Urteils natürlich diesen Feiertag begehen.

Begonnen hat alles mit einem Gerichtsurteil, nun prüft auch die evangelische Kirche rechtliche Schritte. Wird man klagen?
Es wird rechtliche Schritte geben und voraussichtlich im Mai wird geklagt.

Im Schatten dieser Debatte ist bisher die Suche nach dem neuen Bischof gestanden. Warum bewerben Sie sich für dieses Amt, warum tut man sich das an?

Ich habe das nicht angestrebt, sondern wurde von verschiedenen Seiten gefragt. Und es ist wie im Reich Gottes: Wenn der Ruf des Herrn einen erreicht, dann muss man sich überlegen, ob man bereit ist, Verantwortung zu übernehmen.

Wie würden Sie sich selbst in drei Sätzen beschreiben?

ich möchte der Mitte der Kirche ein Gesicht und eine Stimme geben. Ich bin für einen Bischofskandidaten jung und ich glaube, man kann sich die eine oder andere kreative Idee von mir erwarten.

Und wie würden Sie das Amt in drei Sätzen beschreiben?

Da geht es darum, dass man auf die Gesamtheit der Kirche schaut, dass man gut darauf aufpasst. Und wichtig ist auch, dass man nach innen wirkt und nach außen dieser kleinen evangelischen Kirche eine Stimme gibt, die gehört wird.

Wenn Sie es werden, was werden Sie als erstes tun?

Am Anfang stehen natürlich Demut und Respekt vor der Verantwortung, die einem übertragen werden. Und am Anfang gilt es einmal wahrzunehmen, zuzuhören und zu schauen, was an Gutem schon passiert. Dann gilt es, die Gemeinden zu stärken, im Nachwuchs und theologischen Bereich nach Ideen zu suchen und gemeinsam diese Kirche weiter voranzubringen.

Auch die evangelische Kirche hat mit Kirchenaustritten zu kämpfen, im Vorjahr waren es 4318. Kann man diesen Trend stoppen?

Ich hoffe, dass man zumindest die Tendenz brechen kann und in meiner Pfarre Wallern haben wir einen anderen Trend. Es geht um die Stärkung der Identität, um die Stärkung des mündigen Glaubens, der Halt und Orientierung gibt in Zeiten, die unsicher sind. Und auf der anderen Seite geht es darum, dass dieser Glauben auch praktisch wird und dem Nächsten dient. Man wird daher die Zusammenarbeit zwischen den großen diakonischen Einrichtungen wie Gallneukirchen und den einzelnen Pfarrgemeinden verstärken müssen.

Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit in der Ökumene vor?

Österreich ist ein Musterland der Ökumene. Darauf kann man gut aufbauen. Es ist das ökumenische Klima auch in Oberösterreich sehr gut. Ich war 2017 bei der ökumenisch-theologischen Kommission dabei. Es ist wichtig, dass wir als Christen auch unsere Interessen gemeinsam nach außen vertreten und schauen, dass wir gemeinsam diese christliche Stimme in unserem Land zur Geltung bringen.

Und die Zusammenarbeit mit nicht christlichen Religionsgemeinschaften?

Ein Dialog und ein guter Kontakt sind sicher auch wichtig für den Frieden in diesem Land.

Und das Verhältnis zwischen Staat und Kirche?

Es gibt in Österreich eine gute Kooperation. Man hat aus der Geschichte gelernt, wie schwierig es sein kann, wenn es zu eng verflochten ist.

Und wie halten Sie es mit dem Ethikunterricht?

Ich unterrichte an einer Schule, wo wir den Ethikunterricht für Schüler ohne Bekenntnis und jene, die sich abgemeldet haben, jetzt schon haben. Und das ist eine echte Bereicherung. Den Vorschlag „Ethik-Unterricht für alle“ empfinde ich problematisch, weil so getan wird, als wäre Ethik neutral. Aber hinter jeder Ethik steht natürlich eine Weltanschauung oder Religion. Und es ist besser, wenn sich die Religionsgemeinschaften deklarieren müssen und sagen müssen, wofür sie stehen. Und ich möchte nicht, dass Religion nur in den Hinterhöfen unterrichtet und gepredigt wird. Es ist gut, dass das im öffentlichen Raum passiert und mit Fachinspektoren abgesichert ist.

Zur Person

Andreas Hochmeir ist 1974 in Wels geboren und hat an der HTBLA Wels 1994 maturiert. Nach dem Zivildienst absolvierte er ein Studium der Evangelischen Theologie in Wien und Heidelberg. Seine Diplomarbeit schrieb er zum Thema „Geheimprotestantismus in Oberösterreich“. 2001 machte er das Lehrvikariat in Salzburg, seit 2004 ist er Pfarrer in Wallern. Als Begleitprojekt zur Landesausstellung 2010 „Renaissance und Reformation“ organisierte er in Wallern den Themenweg „Reformation auf dem Weg“. 2012 wurde er zum Senior und damit zu einem der Stellvertreter des oö. Superintendenten gewählt. Als Bischof will Hochmeir „Diener einer einladenden und fröhlichen Kirche“ sein, „einen frischen Blick einbringen“, in der wichtigen Vielfalt der Kirche „integrativ und verbindend wirken“, und dabei „der Mitte unserer Kirche ein Gesicht und eine Stimme geben“.

Die Wahl des neuen evangelischen Bischofs wird eine Synode in Wien am 4. Mai treffen. Er braucht eine Zweidrittelmehrheit der Stimmen, die Amtszeit beträgt zwölf Jahre, eine Wiederwahl ist möglich. Neben Hochmeir kandidieren der ehemalige Diakonie-Direktor Michael Chalupka und Kärntens Superintendent Manfred Sauer. Unter den drei Kandidaten ist Hochmeir der mit Abstand jüngste. Chalupka und Sauer dürften das Bischofsamt bis zum Erreichen ihres Pensionsalters nur für sechs bis sieben Jahre ausüben. Die evangelische Kirche A. B. zählt 278.221 Mitglieder in 191 Gemeinden und sieben Superintendenturen. Es gibt keine Durchgriffsmöglichkeiten des Bischofs auf Superintendenten.
Verfasst am: 18.04.19, 10:52
Titel: Bischof Bünker will „Neustart für Mindestsicherung“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 17.4.2019

„Jeder Mensch ist wertvoll und gleich viel wert“

Wien (epdÖ) – Einen „lebendigen Neustart für eine Mindestsicherung, die Existenz und Chancen sichert, nicht Menschen den Boden unter den Füßen wegzieht“, fordert der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker. Angesichts des geplanten Beschlusses zum Sozialhilfe-Grundsatzgesetz im Nationalrat am 25. April sagte Bünker gegenüber dem Evangelischen Pressedienst, die neuen Sozialhilferegelungen „schaden Menschen in schwierigen Situationen und machen ihr Leben noch schwieriger.“ „Jeder Mensch ist wertvoll und gleich viel wert, nur das schafft Sicherheit“, unterstreicht dagegen Bünker. Gesellschaftlicher Zusammenhalt bedeute auch, „alle als Menschen mit gleicher Würde und sozialen Rechten“ anzusehen. Gerade Ostern erinnere daran, „chronisch Kranke, Familie und Kinder aus dem Dunkeln zu holen“. Bünker: „Dem, der am Boden liegt , aufzuhelfen, das ist Auferstehung heute und jetzt.“ Denn: „Es macht uns alle stark, wenn wir anderen aufhelfen.“ Niemand in sozialer Not dürfe „zum Bittsteller gemacht“ werden, daher brauche es „eine Mindestsicherung, die Existenz, Chancen und Teilhabe sichert“.

„Ein Drittel der Betroffenen sind Kinder“

Besonders kritisiert der Bischof, dass von der Neuregelung der Mindestsicherung eine große Zahl von Kindern, Kranken und auch Eltern mit prekärer Arbeit negativ betroffen sind. Die Zahlen zeigten, dass ein Drittel der Bezieher der Mindestsicherung Kinder seien, ein weiteres Drittel Pensionisten, Menschen mit Behinderung, chronisch Kranke oder sogenannte „Aufstocker“ in unsicheren und schlecht bezahlten Jobs. Die soziale Ausgrenzung in Folge von Armut habe bei Kindern besonders starke Folgen: Sie könnten zehnmal seltener Freunde einladen als andere Kinder und zwanzigmal seltener an kostenpflichtigen Schulaktivitäten teilnehmen, sagt Bünker und verweist dazu auf eine Studie der Statistik Austria aus dem Jahr 2018. Mindestsicherungsbezieher mit Kindern leben, so der Bischof, noch häufiger in schlechten Wohnsituationen, desolates Wohnen wirke sich „besonders hemmend auf Bildungschancen und Gesundheit“ der Kinder aus. Unsicherheiten blieben zudem durch die zahlreichen „Kann-Bestimmungen“ der geplanten Regelung: „Die neue Sozialhilfe ist nicht nach unten abgesichert, sondern im freien Fall offen.“ Das betrifft die Leistungshöhen, das Wohnen oder Hilfen für alleinerziehende Eltern. Bünkers Fazit: „Mit dem vorgelegten Sozialhilfegesetz wird soziale Unsicherheit erhöht und die Schere zwischen Arm und Reich in Österreich vergrößert.“

Mit Sozialverträglichkeitsprüfung „würde es dieses Gesetz nicht geben“

Bünker wiederholt zudem die bereits im ökumenischen Sozialwort von 2003 erhobene Forderung der Kirchen nach einer Sozialverträglichkeitsprüfung für Gesetzesvorhaben. Eine solche Prüfung könne dabei helfen, Folgewirkungen von Gesetzen auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen abzuschätzen: „Hätten wir eine solche Sozialverträglichkeitsprüfung jetzt schon, würde es dieses Gesetz nicht geben“, ist Bünker überzeugt.
Verfasst am: 18.04.19, 10:47