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Titel: Müller-Marienburg: Mit Social Media gemeinsam durchs Leben
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 13.7.2018

„Kirche 4.0“ zum Schluss der Sommerakademie in Kremsmünster

Auf die Chancen digitaler Kommunikation hat der niederösterreichische Superintendent Lars Müller-Marienburg am Freitag, 13. Juli, bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Ökumenischen Sommerakademie Kremsmünster hingewiesen. An erster Stelle müsse freilich stets die reale persönliche Begegnung von Mensch zu Mensch stehen, so Müller-Marienburg. Als Ergänzung oder Überbrückung setze er aber auch große Stücke auf Kommunikationsplattformen wie Facebook. Die Interaktion mache es möglich, mit vielen Menschen gemeinsam durchs Leben zu gehen und als Kirche präsent zu sein. Allerdings räumte Müller-Marienburg mögliche Gefahren ein: dass etwa nicht mehr sauber zwischen Beruf und Privatleben getrennt werde oder Menschen auf Facebook das natürliche Maß an Nähe und Distanz nicht mehr finden würden. Mit Müller-Marienburg diskutierten bei der Schlussveranstaltung des dreitägigen Forums der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic und der steirische römisch-katholische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl. Das Thema der Sommerakademie lautete heuer „Gott und die digitale Revolution“.

Cilerdzic: Kirchen gefordert, Orientierungshilfe zu leisten

Die Kirchen sind gefordert, in der zunehmenden technologischen Informations- und Meinungsflut „Orientierungshilfe zu leisten und nicht noch mehr Verwirrung zu stiften“, meinte Bischof Cilerdzic. „Wir müssen der Welt zeigen, dass die Kirchen besorgt sind um die Zukunft der Gesellschaft und das Heil der Menschen.“ Das sei der gemeinsame ökumenische Auftrag für alle Kirchen. Bei allen Gefahren sehe er die digitale Vernetzung zugleich als große Chance für die Kirche, noch näher an die Menschen heranzukommen, so Cilerdzic. Freilich wolle er auch die negativen Erscheinungen nicht gering reden. Neben den vielfältigen Formen von „elektronischer Gewalt“ sprach der Bischof auch christliche Internetforen an, die sich zum Teil durch häretische Inhalte oder eine problematische Sprache „auszeichnen würden“.

Krautwaschl: Besorgt über Diskussionen in sozialen Medien

Krautwaschl zeigte sich überzeugt, dass es für die Kirche nicht genügen dürfe, „einfach nur im Internet bzw. den sozialen Medien präsent zu sein“. Man müsse sich vielmehr intensiv die Frage stellen: „Was will ich damit?“ Das gelte auch für ihn als Bischof mit eigenem Facebook-Account: „Dient dieser letztlich nur der Selbstdarstellung oder der Verkündigung?“ Ähnlich dem serbisch-orthodoxen Bischof zeigte sich auch Krautwaschl über diverse innerkirchliche Diskussionen in den sozialen Medien besorgt, „die die Menschen nicht zusammenführen, sondern auseinanderbringen und für Spaltungen sorgen könnten“.

Die ökumenische Sommerakademie in Kremsmünster fand 2018 zum 20. Mal statt. Themen der letzten Jahre waren unter anderem die Reformation (2016) oder Religion und Gewalt (2014). Veranstaltet wurde das mehrtägige Forum vom Evangelischen Bildungswerk Oberösterreich, der Katholischen Privat-Universität Linz, der KirchenZeitung der römisch-katholischen Diözese Linz, dem Land Oberösterreich, dem Ökumenischen Rat der Kirchen, den Religionsabteilungen des ORF sowie dem Stift Kremsmünster.
Verfasst am: 16.07.18, 07:52
Titel: Wien: Hennefeld verurteilt Vandalismus am Campus der Religionen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 11.7.2018

Fahnen von Unbekannten beschädigt und entwendet

Zu einem neuerlichen Vandalenakt ist es Anfang Juli am geplanten „Campus der Religionen“ in der Wiener Seestadt Aspern gekommen. Fahnen der Israelitischen Kultusgemeinde und der Neuapostolischen Kirche wurden von Unbekannten „heruntergerissen und entwendet“, wie Harald Gnilsen, Baudirektor der Römisch-katholischen Erzdiözese Wien berichtet. In der Aussendung schreibt Gnilsen weiter, der Akt richte sich „bewusst gegen den gemeinsamen Dialog und die Offenheit der Religionen und Kulturen von Wien.“ Erst im Mai war eine jüdische Fahne am Campus beschädigt worden. Bereits 2015, kurz nach Projektstart, war die jüdische Flagge mit einem Hakenkreuz beschmiert und der Mast aus dem Boden gerissen worden.

„Entsetzt und traurig“ ist der reformierte Landessuperintendent und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Pfarrer Thomas Hennefeld, über den neuerlichen Vandalenakt. Wörtlich stellte Hennefeld in einer Aussendung fest: „Dieser Campus ist ein vorbildlicher Versuch, die Vielfalt der Religionen in der Stadt Wien darzustellen und die Religionen miteinander ins Gespräch zu bringen. Besonders anstoßerregend scheinen die Symbole der jüdischen Gemeinschaft zu sein, was deutlich und bestürzend auf grassierenden Judenhass hinweist. Der ÖRKÖ tritt nicht nur für eine vertiefte Gemeinschaft der christlichen Kirchen ein, sondern auch für den Dialog der Religionen. Es ist bestürzend, immer wieder feststellen zu müssen, dass Orte des Dialogs und der Offenheit zur Zielscheibe von Fanatikern werden, die sich diesem Dialog entgegenstellen. Umso wichtiger ist es, ein Klima der Offenheit und Toleranz zu schaffen anstatt zu polarisieren und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander auszuspielen.“

In der neu entstehenden Seestadt Aspern im 22. Wiener Gemeindebezirk soll der „Campus der Religionen“ als gemeinsamer Platz für verschiedene Religionen und Glaubensgemeinschaften entstehen. Um einen ovalen Platz sollen Gotteshäuser der verschiedenen Religionen und Konfessionen errichtet werden, vorerst waren zehn Fahnen aufgestellt worden. Beteiligt an diesem Projekt sind die Römisch-katholische, Evangelische, Orthodoxe und Neuapostolische Kirche sowie die Israelitische Kultusgemeinde, die Islamische Glaubensgemeinschaft, die Buddhistische Religionsgemeinschaft sowie die Gemeinde der Sikhs.
Verfasst am: 16.07.18, 07:51