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Titel: Lange Nacht der Kirchen zwischen Tradition und Innovation
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 16.5.2018

Diakonie Eine Welt am 25. Mai erstmals beteiligt

Dem Verhältnis von Kirchen zu Tradition und Innovation widmet sich die 14. „Lange Nacht der Kirchen“, die am Freitag, 25. Mai, österreichweit begangen wird. In einem Pressegespräch am Dienstag, 15. Mai, informierten die Verantwortlichen über weitere zentrale Themen, präsentierten ausgewählte Programmpunkte und erzählten über die Entwicklung der ökumenischen Großveranstaltung über knapp eineinhalb Jahrzehnte.

Veronika Prüller-Jagenteufel: Es braucht Innovationsschub für Kirche

Die inhaltlichen Leitlinien – auch aus ökumenischer Perspektive – skizzierten Veronika Prüller-Jagenteufel, Leiterin des Pastoralamts der Erzdiözese Wien, und Darius Schutzki, Bischofsvikar der römisch-katholischen Kirche. Prüller-Jagenteufel betonte, es gehe in der Langen Nacht der Kirchen darum, „den großen Reichtum, den wir an unseren Kirchenräumen haben, sichtbar zu machen.“ Kirchen seien karitative Räume, aber auch Räume der Stille, des Gebets, der Diskussion und der Musik. Das Event sei zudem wichtig, um Traditionen hochzuhalten: „Traditionen sind nicht nur etwas Verstaubtes, sondern es gibt auch einen wichtigen christlichen Grundbestand an Traditionen wie die Menschenwürde oder die Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben vieler.“ Allerdings brauche es auch einen Innovationsschub für eine Kirche, die sich noch mehr in die Niederungen und zu den Menschen begebe, denn: „Kirche sind die Gemeinden, die Menschen, die Kirche leben.“

Darius Schutzki: „Es wird spürbar, was Menschen gerade beschäftigt“

Schutzki beschrieb in seinem Statement die Lange Nacht der Kirche als „Barometer für die Sensibilität einer Gesellschaft.“ Mit den Themen, die in den Veranstaltungen aufgegriffen werden, werde „spürbar, was die Menschen gerade berührt und beschäftigt.“ Heuer sei das z.B. das Gedenken an die Ereignisse 1918 oder 1938. Auch der ökumenische Charakter der Nacht sei zentral: „Die Lange Nacht der Kirchen ist ein Beispiel für das, was wir gemeinsam können. Das war nicht immer so.“ Zugleich meinte Schutzki aber: „Es ist nicht wichtig, dass wir alle aus einer Schüssel essen. Jeder soll in seiner Konfession gefestigt sein und das eigene vertreten, erst dann können wir das Gemeinsame suchen.“

50 Jahre Diakonie in der Steinergasse

Erstmals an der Langen Nacht der Kirchen beteiligt ist die evangelische „Diakonie Eine Welt“. Anlässlich des 50-jährigen Bestehens ihres Standortes in der Steinergasse im 17. Wiener Gemeindebezirk richtet die Hilfsorganisation, zu der Institutionen wie der Diakonie Flüchtlingsdienst oder Brot für die Welt gehören, am 25. Mai ein großes Fest aus. Pfarrerin Angelika Reichl präsentierte das Programm und betonte die diakonische Aufgabe, die Kirchen zukomme: „Für Menschen in der Not da zu sein ist für viele Menschen eine zentrale Aufgabe der Kirchen.“ Mit dem Fest wolle die Diakonie Eine Welt die Türen öffnen und über die alltägliche diakonische Arbeit erzählen.

Die Lange Nacht der Kirchen findet österreichweit in 620 Kirchen statt, 2477 kostenlose Veranstaltungen sind gemeldet und im Programm unter www.langenachtderkirchen.at abrufbar. In Wien wird Bischof Michael Bünker mit Kardinal Christoph Schönborn und dem Zeithistoriker Oliver Rathkolb über das 100-Jahr-Jubiläum der Gründung der Ersten Republik sprechen. Die einzelnen Programmpunkte beginnen um 18 Uhr und dauern bis ein Uhr früh. Der Eintritt ist kostenlos. Am selben Abend wird die Lange Nacht der Kirchen auch in Südtirol, Tschechien, der Slowakei, Estland und Teilen der Schweiz veranstaltet.
Verfasst am: 17.05.18, 13:38
Titel: Norman Tendis über nachhaltiges Investment der Kirchen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 16.5.2018

Kärntner Pfarrer auf UN-Einladung in der Schweiz

Der Kärntner Pfarrer und Verantwortliche für das kirchliche Projekt „Wirtschaft im Dienst des Lebens“ (WIDL) Norman Tendis, hat auf Einladung des UN-Umwelt-Programms UNEP als Vertreter des Ökumenischen Rats der Kirchen (WCC) an einem Expertengipfel im Schweizer Baar teilgenommen. Bei einer Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Tagung Ende April präsentierte Tendis das Programm NIFEA („Neue internationale Finanz- und Wirtschaftsarchitektur“) des Ökumenischen Rats der Kirchen und stellte den neuen Nachhaltigkeitsleitfaden der Evangelischen Kirche A.u.H.B. vor. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst betonte Tendis die Rolle, die Österreich im WCC in Sachen Nachhaltigkeit spielt: „In Österreich ist eine überarbeitete Fassung von dem Entwurf des Leitfadens, den wir mit Wirtschaft im Dienst des Lebens erarbeitet haben, inzwischen der offizielle Nachhaltigkeitsleitfaden unserer Kirche geworden. Beim Weltkirchenrat hat der Erstentwurf einige internationale Feedbackschleifen durchlaufen und hat noch eine ganz andere Form bekommen.“ Er werde nun als Teil des Begleitprogramms für NIFEA implementiert. Das Programm soll laut Angaben des WCC „die gegenwärtige, unregulierte Marktwirtschaft und die ungerechten Finanzstrukturen durch eine Wirtschaft des Lebens ersetzen, in der Gottes gesamte Schöpfung wertgeschätzt wird.“

Bei dem Gipfel in der Schweiz diskutierten Fachleute und VertreterInnen der Industrie, wie sie die von den Vereinten Nationen gesetzten Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) und die Vorgaben des Pariser Klimaabkommens erreichen könnten. Einen Aspekt der Debatte bildete dabei die Frage nachhaltiger Finanzinvestments. Dazu Tendis: „Für mich persönlich war es spannend, wie sich die Investment-Guidelines der Kirchen von einem negativen Ausschlussverfahren, z.B. nicht in Waffen und Pornografie zu investieren, inzwischen verlagert haben zu dem Gedanken: Wo wollen wir, dass unsere Investitionen einen positiven Einfluss in unserer Welt haben.“ Gleichzeitig sieht der Pfarrer hier sowohl auf der internationalen Ebene als auch für Österreich noch viel Potential, „genauso wie in den vielen alternativen Finanzdienstleistungsmodellen, die man als Gemeinde und Kirche selbst praktizieren kann.“ Er sei auch sehr gespannt darauf, welche Antworten die Kirchen auf die Praxis eines islamischen Bankwesens geben könnten, das im Rahmen des Gipfels ebenfalls vorgestellt wurde.
Verfasst am: 17.05.18, 13:37