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Titel: Syrischer Bischof: Dramatische Situation erfordert Hilfe
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 15.11.2017

Krömer appelliert an neue Bundesregierung, Flüchtlingshilfe zu verstärken

Auf die dramatische Situation der Christen in Syrien hat der Bischof der Armenisch-Apostolischen Kirche Armash Nalbandian hingewiesen. Bei einer Fachtagung der Arbeitsgruppe für Menschenrechte der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), die vom 8. bis 10. November in Nikosia in Zypern stattfand, berichtete der Bischof von der Zerstörung zahlreicher Kirchen, Gemeindezentren und diakonischer Einrichtungen, aber auch von zerstörten Wohnhäusern der Gemeindemitglieder. Mehr als die Hälfte der gesamten syrischen Bevölkerung sei auf der Flucht, wobei mehr als die Hälfte der Einwohner innerhalb von Syrien auf der Flucht sind. In bestimmte Gebiete könnten die Christen wegen islamistischer Gruppierungen nicht zurückkehren. Weil bis auf wenige Ausnahmen in Damaskus viele Objekte zerstört sind, stehe die Armenisch-Apostolische Kirche vor einer „katastrophalen“ Situation. Dessen ungeachtet ruft der Bischof die Mitglieder seiner Kirche auf, nicht ins Ausland zu fliehen, sondern in Syrien zu bleiben und sich – soweit es möglich ist – da und dort am Wiederaufbau zu beteiligen. Gleichzeitig appelliert Nalbandian an die europäischen Kirchen, Unterstützung für sämtliche Christen in Syrien vor Ort zu leisten, damit diese nicht nach Europa fliehen müssen. Für jene syrische Christen, die nach Europa geflohen sind, sollte es, so der Bischof, entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten geben, um sie gemeinsam mit den christlichen Kirchen in Syrien nach einer politischen Lösung des Syrienkonfliktes zu ermutigen, in ihre Heimat zurückzukehren.

Die Fachtagung, die die Arbeitsgruppe der KEK gemeinsam mit der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Zypern veranstaltet hatte, beschäftigte sich mit dem Schutz kirchlicher Bauwerke in Europa und dem Nahen Osten. Über die diesbezügliche rechtliche Situation in Österreich berichtete dort der Präsident der evangelischen Generalsynode in Österreich, Peter Krömer. Der St. Pöltner Rechtsanwalt, der seit mehreren Jahren der Arbeitsgruppe angehört, zeigte sich gegenüber dem Evangelischen Pressedienst bewegt von den dramatischen Schilderungen des syrischen Bischofs. „Wenn man diese Worte hört, muss man eigentlich die neu zu bildende Bundesregierung auffordern, mehr für die Flüchtlingsbetreuung in Syrien, Libanon und Jordanien zu leisten, sowie für die im Flüchtlingsstatus anerkannten syrischen Flüchtlinge für deren Ausbildung in Österreich zu sorgen, vor allem aber im Rahmen der Europäischen Union und OSCE diplomatische Initiativen in Richtung Befriedigung dieses Konfliktes einzuleiten“, sagt der Synodenpräsident.

Die Religionsfreiheit könne von Kirchen und Religionsgesellschaften letztlich auch nur dann ausgeübt werden, wenn gleichzeitig der Schutz des Eigentums an kirchlichen Baulichkeiten gewährt werde. Dies gelte auch im Zusammenhang mit Kriegen. Zerstörte Baulichkeiten müssten wieder errichtet werden können, denn viele Gläubige brächten ihren Glauben mit gewissen Baulichkeiten in Verbindung. So sei es etwa für viele griechische Zyprioten, die 1974 nach der Invasion durch die Türkei Nordzypern verlassen mussten, schmerzlich, dass sie die Kirchen, in denen sie getauft wurden, geheiratet haben oder ihre Kinder taufen ließen, oder von nahen Angehörigen Abschied nahmen, nicht mehr besuchen können, obwohl für sie der Besuch von Nordzypern möglich ist. Entweder wurden diese Kirchen zu Moscheen umgebaut oder anderen Zwecken zugeführt, z.B. für verschiedenste türkische Kulturvereine, andere seien zerstört und der Wiederaufbau verboten.

Bei der Fachtagung sprachen Metropolit Chrysostomos II. von Zypern, der zypriotische Außenminister, zahlreiche orthodoxe Bischöfe sowie Bischöfe von altorientalischen Kirchen. Über den Schutz der heiligen Stätten in Jerusalem und Palästina referierte der Patriarch der Griechisch-Orthodoxen Kirche von Jerusalem Theophilos III. Teilgenommen hat auch ein Pfarrer der Evangelisch-Armenischen Kirche, der früher seinen Sitz in Aleppo hatte und jetzt in Syrien und Libanon arbeitet.

Am Themenbereich der Fachtagung, der neben Zypern auch den Kosovo, die Türkei, Syrien und Libanon massiv betrifft, will die Konferenz Europäischer Kirchen weiterarbeiten.
Verfasst am: 16.11.17, 12:49
Titel: „Time to Talk“ – Kinder fordern Mitsprache
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 15.11.2017

Kindernothilfe präsentiert Kampagne auf Weltkinderarbeitskonferenz

Ein stärkeres Mitspracherecht in politischen Entscheidungen fordern Kinder aus 36 Ländern in der neuen Kampagne „It’s Time to Talk“ der Kinderrechtsorganisationen „Kindernothilfe“ und „Terre des Hommes“. Die Kampagne, die sich mit der Sicht der Kinder auf Einhaltung ihrer Rechte und Kinderarbeit beschäftigt, wurde am Mittwoch, dem 15. November, im argentinischen Buenos Aires anlässlich der vierten Weltkinderarbeitskonferenz der UN-Arbeitsorganisation ILO präsentiert.

Im Rahmen der Kampagne wurden 1.822 Mädchen und Buben zwischen fünf und 18 Jahren in Afrika, Asien, Lateinamerika, dem Mittleren Osten und Europa zu den Bedingungen befragt, unter denen sie arbeiten. In erster Linie gaben die Kinder an, dass sie respektvoll behandelt und in lokale, nationale und globale politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden wollen. „Arbeitende Kinder wurden bisher nie gefragt, was aus ihrer Sicht wichtig wäre, warum sie arbeiten und welche Träume sie haben. Dabei steht jedem Kind das Recht auf Teilhabe zu. Das Projekt Time to Talk gibt Kindern auf internationaler Ebene eine Stimme“, sagt Anne Jacob, Kinderrechtsexpertin der Kindernothilfe in Deutschland und Mitglied im Steuerungskomitee von Time to Talk.

Kindernothilfe und Terre des Hommes stellen bei den Mädchen und Buben klare Positionen gegen ausbeuterische Formen von Kinderarbeit fest: „Die Kinder verurteilen ausbeuterische, gefährliche und gesundheitsgefährdende Beschäftigungen aufs Schärfste und fordern ein rigoroses Einschreiten von Gesetzgebung, Wirtschaft und Politik.“ Wenn die Rahmenbedingungen stimmten, würden Kinder und Jugendliche aber auch positive Aspekte in der Kinderarbeit sehen: „Die meisten wollen ihre Eltern unterstützen, etwas zum Familieneinkommen beitragen oder selbst dafür Sorge tragen, dass sie sich ihre Ausbildung ermöglichen können.“ Viele Kinder seien zudem stolz auf den eigenen Verdienst und darauf, Lebenskompetenzen zu erlernen, die ihnen im Alltag helfen. Besonders wichtig sei den Kindern aber, dass sie leichte Tätigkeiten ausüben, gerecht entlohnt und respektvoll von Arbeitgebern und Erwachsenen behandelt werden. „Außerdem verlangen sie ausreichend Zeit zum Lernen und für die Freizeit“, heißt es vonseiten der Kinderrechtsorganisationen.

Kindernothilfe und Terre des Hommes verweisen auch auf aktuelle Zahlen der ILO: Weltweit arbeiten 152 Millionen Mädchen und Buben, davon 73 Millionen „unter ausbeuterischen Bedingungen“. 10 Millionen Kinder lebten „in sklavenähnlichen Verhältnissen.“

Laut Eigenaussage der ILO konnten die bis 2016 avisierten Zielsetzungen im Kampf gegen Kinderarbeit nach deutlichen Fortschritten in den Jahren 2000 bis 2012 nicht erreicht werden. Gemäß den Zielen der UN-„Agenda 2030“ für nachhaltige Entwicklung haben sich UN-Mitgliedsstaaten und Arbeitgeberorganisationen auf die Eliminierung von Kinderarbeit bis 2025 verpflichtet.

Die Weltkinderarbeitskonferenz in Buenos Aires dauert noch bis Donnerstag, 16. November.
Verfasst am: 16.11.17, 12:48