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Titel: Lockdown: COVID-Massnahmen in Österreichs Kirchen
Autor: MB
Quelle: https://www.glaube.at vom 20.11.2021

Aufgrund der stark gestiegenen Infektionszahlen verschärft die Katholische Kirche österreichweit ihre Corona-Regelungen: Bei allen öffentlichen Gottesdiensten sowohl in der Kirche als auch im Freien ist eine FFP2-Maske zu tragen. Zusätzlich muss ein Zwei-Meter-Mindestabstand eingehalten werden. Alle, die einen liturgischen Dienst versehen, müssen einen 3G-Nachweis erbringen. Deutliche Einschränkungen gibt es auch beim Gesang und der Musik. Das sind die wichtigsten Änderungen, die die Bischofskonferenz am Freitag beschlossen hat und die ab Montag, 22. November, gelten. Die katholischen Diözesen ziehen damit im Wesentlichen mit den Diözesen Linz und Salzburg mit, wo es aufgrund der Corona-Lage in Oberösterreich und Salzburg bereits zu Verschärfungen im kirchlichen Bereich gekommen ist.

Auch bei religiösen Feiern aus einmaligem Anlass wie Taufe, Erstkommunion, Firmung und Trauung gilt ab Montag ausnahmslos die FFP2-Maskenpflicht. "Diese Feiern sollen jetzt aber so weit wie möglich im Interesse der Mitfeiernden verschoben werden", erklärte dazu Liturgie-Bischof Anton Leichtfried gegenüber Kathpress. Wenn sie dennoch stattfinden, sind weiterhin ein Präventionskonzept und ein Präventionsbeauftragter verpflichtend vorzusehen.

Der Gemeindegesang während des Gottesdienstes - selbstverständlich nur mit Maske - wird stark reduziert. Der Chorgesang wird ausgesetzt. Zulässig sind lediglich maximal vier Solisten. Gleiches gilt für die Musik im Gottesdienst, wo nur mehr bis zu vier Instrumentalisten sowie die Orgel zugelassen sind. Solisten müssen ihren Nachweis einer geringen epidemiologischen Gefahr (2G-Nachweis im Sinne der aktuellen staatlichen Verordnung zur Bekämpfung der Verbreitung von Covid-19) bei der Leitung dokumentieren. Die Einhaltung des Abstands von mindestens zwei Metern ist erforderlich. Für die Dauer des Singens ist keine FFP2-Maske vorgeschrieben. Wenn der Abstand von zwei Metern im Ausnahmefall geringfügig unterschritten wird, müssen auch beim Singen FFP2-Masken getragen werden.

Ausdrücklich halten die Bischöfe wie bisher schon zum grundsätzlichen Verzicht auf die 3G- bzw. 2G-Regel für die Mitfeiernden fest: "Um niemanden von der Feier öffentlicher Gottesdienste von vornherein auszuschließen, ist die Teilnahme weiterhin ohne Nachweis einer geringen epidemiologischen Gefahr möglich." Die weiterhin geltenden Schutzmaßnahmen seien aber nötig, um Gottesdienste ohne Gefährdung und in Würde zu feiern. "Wesentliche Voraussetzungen sind Eigenverantwortung und Rücksichtnahme."

Ausnahmen

Ausgenommen von der Maskenpflicht sind Kinder bis zum 6. Lebensjahr und Personen, die mit ärztlicher Bestätigung aus gesundheitlichen Gründen keinen Mund-Nasen-Schutz (MNS) tragen können. Schwangere und Kinder von sechs bis 14 dürfen statt der FFP2-Maske einen MNS tragen. Zeitweise Ausnahmen von der Tragepflicht gibt es - wie bisher - beim Wahrnehmen von liturgischen Diensten (Priester, Lektor/Lektorin, Kantor/Kantorin etc.); in diesen Fällen müssen aber größere Sicherheitsabstände eingehalten werden.

Um den Mindestabstand zwischen den Mitfeiernden einzuhalten, sind Vorkehrungen wie das Absperren von Kirchenbänken vorzunehmen. Der Zwei-Meter-Mindestabstand muss nicht zwischen Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt Leben, eingehalten werden. Er darf auch unterschritten werden, wenn dies die Vornahme religiöser Handlungen - etwa durch den Priester - erfordert, dabei muss jedoch eine FFP2-Maske getragen werden.

3G-Nachweis für liturgische Dienste

Verpflichtend sind weiterhin zahlreiche Hygienemaßnahmen. So muss Desinfektionsmittel bereitgestellt werden, ein Willkommensdienst soll Besucher empfangen und auf die Regeln hinweisen. Auch die Weihwasserbecken sollen ab Montag wieder geleert und gereinigt sein.

Festgehalten wird, dass liturgische Dienste - insbesondere jener von Ministrantinnen und Ministranten - "wesentlich und erwünscht" sind. Bereits seit 13. November gilt, dass der Vorsteher der Feier und alle weiteren liturgischen Dienste über einen 3G-Nachweis verfügen müssen und zusätzlich vor der Feier die Hände gründlich waschen oder desinfizieren müssen. "Der Vorsteher der Feier ist dafür verantwortlich, dass die Einhaltung der Vorgaben kontrolliert wird", heißt es ausdrücklich.

Die Rahmenordnung ermöglicht den Diözesen wie zuletzt eine regional autonome Vorgehensweisen bei der Corona-Bekämpfung. So sind sowohl Verschärfungen als auch Erleichterungen im Gleichklang mit staatlichen Bestimmungen möglich. Die Rahmenordnung gilt nur für Gottesdienste. Für andere kirchliche Veranstaltungen wie Gruppentreffen, Pfarrcafé oder Kirchenkonzerte "gelten die staatlichen Regelungen für den jeweiligen Veranstaltungstyp", wird festgehalten.

Nach Auslaufen der letzten Corona-Vereinbarung mit dem Kultusministerium mit Ende Juni haben sich die Kirchen und Religionsgemeinschaften bereit erklärt, dass sie "weiterhin im eigenen Ermessen Vorsichtsmaßnahmen für den Schutz der Gläubigen treffen". Die Bischofskonferenz hat daraufhin mit 1. Juli eine Rahmenordnung beschlossen, die inzwischen schon drei Mal verschärft worden ist.

Zahlreiche Hygieneregeln

Zu den allgemeinen Regeln gehört, dass beim Kircheneingang gut sichtbar Desinfektionsmittelspender bereitzustellen sind. Flächen oder Gegenstände (z. B. Türgriffe, aber auch Bücher, Bänke, Ambo), die wiederholt berührt werden, müssen häufig gereinigt und desinfiziert werden. Die Kirchen müssen "vor und nach den Gottesdiensten bestmöglich durchlüftet" werden.

"Wer krank ist, sich krank fühlt oder bei wem der Verdacht auf eine ansteckende Erkrankung besteht, muss auf die Teilnahme an einer gemeinsamen Gottesdienstfeier verzichten", heißt es ausdrücklich. Solche Personen dürfen daher "zum eigenen Schutz und zum Schutz der anderen keinen liturgischen Dienst ausüben". "Wer aus gesundheitlichen Gründen Bedenken hat oder verunsichert ist, ist eingeladen, daheim als Hauskirche Gottesdienst zu halten und sich im Gebet mit anderen zu verbinden", heißt es dazu weiter unter Verweis auf Videomeetings und Gottesdienstübertragungen in den verschiedenen Medien.

"Die Pfarren halten ihre Kirchen tagsüber offen und laden ein zum persönlichen Gebet", wird erneut festgehalten. Nach wie vor darf man sich beim Gottesdienst zum Friedensgruß nicht die Hand reichen. Körbchen für die Kollekte sollen nicht weitergereicht, sondern z. B. am Ein- und Ausgang aufgestellt werden.

Messe und Kommunionempfang

Detaillierte Regel gibt es weiterhin zur Messfeier und zum Kommunionempfang: Während der Messe müssen die Hostien bis zur Kommunionspendung zugedeckt sein. Kurz vor dem Austeilen der Hostien muss der Priester bei der Kredenz im Altarraum die FFP2-Maske anlegen und die Hände gründlich waschen oder desinfizieren. Das gilt auch für die anderen Kommunionspender, "sie empfangen die Kommunion aus hygienischen Gründen erst nach dem Kommuniongang der Gemeinde", wird wie bisher festgehalten.

Beim Kommuniongang ist von den Gläubigen "ein ausreichender Abstand" einzuhalten. Wie schon seit 19. Mai werden die Worte "Der Leib Christi - Amen" beim Empfang der Kommunion durch den Priester bzw. Gläubigen wieder gesprochen. "Handkommunion ist dringend empfohlen", wird betont und weiter heißt es dazu: "Mit der heiligen Kommunion in den Händen treten die Gläubigen ausreichend weit zur Seite, um in Ruhe und Würde die Kommunion zu empfangen", wobei dabei die FFP2-Maske angehoben wird. Zur Mundkommunion gilt wie zuletzt: Sie ist "nur möglich, wenn diese zum Abschluss des Kommuniongangs empfangen wird".

Auch die Evangelische Kirche in Österreich verkündet strengere Auflagen

Auch während des bundesweiten Lockdowns ab Montag, 22. November, bleiben Gottesdienste unter strengen Auflagen möglich. Das hat Bischof Michael Chalupka am Freitag, 19. November, den evangelisch-lutherischen Pfarrgemeinden in einem Brief mitgeteilt. Es werden aber strenge Mindestregeln gelten: Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Gottesdiensten müssen eine FFP2-Maske tragen, Mitwirkende sind im unumgänglichen Ausmaß hiervon ausgenommen, wenn die notwendigen Ersatzmaßnahmen wie etwa größere Abstände eingehalten werden können. Es ist ein Mindestabstand von einem Meter zu anderen Personen einzuhalten, sofern diese nicht im selben Haushalt leben. Gemeindegesang ist stark zu reduzieren oder auszusetzen. Chorgesang kann nicht stattfinden, es sind höchstens vier Solistinnen und Solisten erlaubt. Ebenso können bis zu vier Instrumentalisten und Instrumentalistinnen Gottesdienste mitgestalten.

Darüber hinaus seien alle Presbyterien dringend aufgerufen, über diesen Mindeststandard hinaus “weitere Maßnahmen vorzusehen, wobei die Größe der Gottesdiensträume, die Möglichkeit digitaler Formate, die lokale Corona-Situation und sonstige Umstände vor Ort berücksichtigt werden sollen”. Den Presbyterien stehe es frei, Gottesdienste je nach Umständen auszusetzen: “Niemand soll sich unter Druck gesetzt fühlen, einen Gottesdienst abhalten zu müssen”, so Chalupka.

Mit Verweis auf den Lockdown und die angekündigte Impfpflicht ab Februar ruft Chalupka die Verantwortlichen in den Pfarrgemeinden dazu auf, “als Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner zur Verfügung zu stehen”, da die Maßnahmen “auch zu heftigen Diskussionen in der Bevölkerung führen werden”. Dabei sollten sie “den Schutz der eigenen Gesundheit und der Gesundheit der anderen als Ziel in den Vordergrund stellen und Stigmatisierung und Überlegenheitsgefühle vermeiden helfen”.

Verfasst am: 22.11.21, 11:15
Titel: Körtner: „Triage ist das letzte Mittel“
Autor: MB
Quelle: www.evang-wien.at vom 20.11.2021

Aussichtslose Therapien „unethisch“ – „Zeit, Impfskeptiker gewähren zu lassen, ist vorbei“

Wien (epdÖ) – In der wegen der Coronapandemie angespannten Situation auf den Intensivstationen hat der Wiener evangelische Theologe und Ethiker Ulrich Körtner Kriterien für eine mögliche Triage benannt. Im Fall der Überlastung der Intensivkapazitäten könnte die Entscheidung darüber, wer behandelt wird und wer nicht, anstehen – wenngleich sie nur das „letzte Mittel der Wahl“ sei, wie Körtner in einem Gastkommentar für science.orf.at(link is external) schreibt. Diese Entscheidung könne keine Einzelfallentscheidung sein, sondern müsse nach einem transparenten Kriterienkatalog getroffen werden. Körtner nennt vier grundlegende Prinzipien für Priorisierungsentscheidungen: „1.) Das Prinzip der Gerechtigkeit (Fairness), 2.) das Prinzip der Patientenautonomie – d.h. soweit bekannt, der Patientenwille, 3.) die Menschenwürde, 4.) die Überlebenschancen und die klinische Erfolgsaussicht.“

„Vor-Triage“ in Pflegeheimen
Aussichtslose Therapien, die das Leiden Betroffener verlängern und Ressourcen binden, die dann nicht für andere Patientinnen und Patienten eingesetzt werden können, hält Körtner für „unethisch“. Eine Behandlung sei auch dann nicht gerechtfertigt, wenn das Überleben einer Person „an den dauerhaften Aufenthalt auf einer Intensivstation gebunden“ sei: „Diese Form der Triage, bei der am Ende möglicherweise doch auch das Alter der Patienten in die Entscheidung einbezogen würde, ist freilich ethisch und rechtlich höchst umstritten, weil das Prinzip der Menschenwürde verbietet, ein Menschenleben gegen ein anderes aufzuwiegen.“ Es bestehe ein Verbot der Altersdiskriminierung, die jüngeren Patientinnen und Patienten automatisch den Vorzug vor älteren gebe. Für Pflegeeinrichtungen brauche es aber eine „Vor-Triage“, bei der festzustellen sei, ob die Person „nicht in der Pflegeeinrichtung verbleiben und gegebenenfalls auch dort mit palliativer Begleitung versterben kann“.

Ethikboard muss entscheiden
Die Entscheidung über die Triage müsse jedenfalls „möglichst weit weg vom einzelnen Patienten getroffen werden“, unterstreicht Körtner. Auch sei die Entscheidung nicht von einem Arzt oder einer Ärztin alleine, sondern von einem mehrere Personen umfassenden Ethikboard zu treffen. Dabei hätten sie sich an einem „festgelegten Entscheidungsablauf und an medizinischen Parametern in Form eines Punktesystems“ zu orientieren.

Zwar habe Österreich im europäischen eine relativ hohe Zahl an Intensivbetten. Engpässe seien aber dennoch nicht zu vermeiden, da auch bei ausreichender Versorgung mit Betten und Geräten personelle Kapazitäten begrenzt seien. Und das nicht nur im Intensivbereich, sondern auch in anderen Abteilungen, wenn von dort Personal abgezogen werde.

Behandlung darf nicht von Impfstatus abhängig sein
Körtner hebt in seinem Beitrag auch die Notwendigkeit der Corona-Impfung als „Akt der Solidarität“ hervor. Eine Pandemie sei keine Privatsache, betont er mit Verweis auf eine Stellungnahme der Bioethikkommission. Hinsichtlich des Schutzes der Gesundheit und der öffentlichen Sicherheit gebe es daher gute Argumente für eine Impfpflicht, wie sie jetzt ab Februar vorgesehen ist. Intensivmedizinische Behandlung von einer Impfung abhängig zu machen sei jedoch nicht zulässig: „In einem auf dem Solidarprinzip basierenden Gesundheitswesen darf der Impfstatus kein Kriterium für die Triage sein. Das ist jedoch kein Freifahrtschein für Impfskeptiker und Impfgegner. Die Zeit, sie weiter gewähren zu lassen, ist vorbei.“

Verfasst am: 22.11.21, 11:13