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Titel: Evangelische Akademie Wien - Newsletter Dezember 2018
Autor: MB
Quelle: Evangelische Akademie Wien vom 14.12.2018

Vorschau Jänner 2019

Di, 15. Jänner 2019, 17 Uhr,
Albert Schweitzer Haus, Kapelle (4. Stock)

Filmvorführung: "Ich, Daniel Blake"

"Daniel Blake ist ein geradliniger Durchschnittsengländer, der seine Steuern zahlt und das Leben so nimmt, wie es kommt. Doch eines Tages macht ihm seine Gesundheit einen Strich durch die Rechnung, und er ist auf staatliche Hilfe angewiesen.“ (Quelle: www.daniel-blake.de)

Filmvorführung in Kooperation mit der Armutskonferenz und dem Ampuls Verlag.

Anschließend findet um 19 Uhr ein Podiumsgespräch mit SozialexpertInnen statt (s.u.).

Ort: Albert Schweitzer Haus, Schwarzspanierstr. 13, 1090 Wien
Die Teilnahme an unseren Veranstaltungen ist kostenlos, aus organisatorischen Gründen bitten wir jedoch um Anmeldung

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Di, 15. Jänner 2019, 19 Uhr,
Albert Schweitzer Haus, Kapelle (4. Stock)

Von der Wirtschaftskrise zur Krise der
Solidarität?

Prognosen zufolge ist die jüngste Wirtschaftskrise überwunden. Dennoch gibt es Hinweise, dass die krisenhaften Entwicklungen nachhaltige Auswirkungen auf die Gesellschaft hätten. Stereotype, teils ethnisch-kulturell ausgrenzende Diskriminierungen von Mindestsicherungsbezieher_innen als „faule Durchschummler“ prägen einen Diskurs, der gegen sozial Schwache mobilisiert. Stecken wir in einer Krise der Solidarität? Wie wirkt sich eine an Leistung orientierte Debatte auf die menschliche Würde aus?

Cecily Corti, Gründerin und ehemalige Obfrau der VinziRast - Einrichtungen für obdachlose Menschen
Alban Knecht, Lehrbeauftragter an der FH Campus Wien
Martin Schenk, Armutskonferenz, Diakonie Österreich

Moderation: Michaela Moser, Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung, FH St. Pölten


Ort: Albert Schweitzer Haus, Schwarzspanierstr. 13, 1090 Wien
Die Teilnahme an unseren Veranstaltungen ist kostenlos, aus organisatorischen Gründen bitten wir jedoch um Anmeldung

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Do, 24. Jänner 2019, 19 Uhr,
Albert Schweitzer Haus, Kapelle (4. Stock)

"Im Verborgenen"

Abseits, „Im Verborgenen“, gab es in der Zeit des Nationalsozialismus viele menschliche Schicksale. Die Journalistin und Slawistin Ljuba Arnautovic erzählt in ihrem Roman die Geschichte ihrer Großmutter Genofeva, Büroleiterin des Evangelischen Oberkirchenrats. In ihrer Dienstwohnung versteckte sie seit 1944 verfolgte Juden. Der Roman schildert das Leben einer mutigen Frau, die zunächst den Entwicklungen in der UdSSR begeistert gegenübersteht, dann inhaftiert wird, über Jahrzehnte den Kontakt zu ihren in der Sowjetunion lebenden Kindern verliert, allein den Alltag bestehen muss. Der beharrliche und dennoch unaufdringliche Kontakt, den der Gefängnispfarrer Hans Rieger zu ihr aufbaut, eröffnet neue Perspektiven. Eines jedoch bleibt: ihr Wunsch zu studieren. Mit 66 Jahren verlässt Genofeva die Wiener Universität als geprüfte Juristin.
Wir freuen uns auf Lesung und Gespräch mit der Autorin.

Moderation:
Kirsten Beuth, Evangelische Akademie Wien
Gerti Rohrmoser, Evangelische Frauenarbeit in Österreich

Kooperation: Evangelische Frauenarbeit in Österreich

Ort: Albert Schweitzer Haus, Schwarzspanierstr. 13, 1090 Wien
Die Teilnahme an unseren Veranstaltungen ist kostenlos, aus organisatorischen Gründen bitten wir jedoch um Anmeldung
Verfasst am: 17.12.18, 09:37
Titel: „Trauung für alle“: Intensive Debatte und Transparente
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 7.12.2018

Stimmen und Stimmungen aus der Synode

Dem Beschluss zur Frage der Trauung von homosexuellen Paaren war eine fast vierstündige intensive Diskussion mit zahlreichen Wortmeldungen vorangegangen. Neben den Synodalen hatten auch zahlreiche Interessierte die öffentliche Debatte mitverfolgt.

Bischof Michael Bünker hatte sich zu Beginn dafür ausgesprochen, dass sich die Kirche für die Trauung für homosexuelle Paare öffnen solle: „Homosexuelle Menschen sind Mitglieder unserer Kirche. Wir sollten in dieser Diskussion auf alles verzichten, was wir diesen Menschen nicht in die Augen sagen würden.“ Bünker hob hervor, dass es zwar in der Kirche keinen Konsens in der Frage gebe, aber ein „aufrichtiges Bemühen um die Form, wie mit diesen Unterschieden umzugehen ist.“

Synodenpräsident Peter Krömer wies auf die Unterscheidung von Ehe und eingetragener Partnerschaft hin und die Notwendigkeit für die Kirche, die beiden staatlichen Rechtsinstitute zu bewerten: „Was ist für uns eine Ehe? Wie bewerten wir andere Formen des Zusammenlebens, können wir bei diesen auch eine Segnung vornehmen?“ Dies sei letztlich auch eine Frage des Schriftverständnisses. Krömer sprach sich im Sinne der kirchlichen Einheit dafür aus, dass sich die Gemeinden mit der Frage befassen.

Inwieweit die Kirche „die durch die Bibel und die Bekenntnisschriften vorgegebenen Sachverhalte abändern dürfe“ stellte der oberösterreichische Superintendent Gerold Lehner in Frage. Die Ehe als Verbindung von Mann und Frau versteht Lehner als Teil der Schöpfungsordnung. Auch Jesus habe die Ehe „entlang dieser Verbindung verstanden“, so Lehner.

„Unsere Kirche hat genug an Respektlosigkeit, an verachtendem und verächtlichem Umgang homosexuellen Menschen gegenüber auf sich geladen. Es ist an der Zeit, sich davon zu verabschieden“, meinte die Vizepräsidentin der Synode, Gisela Malekpour. Es sei wesentlich, dass beide Positionen gehört und gewürdigt würden. Niemand solle mit der Angst vor drohenden Austritten Stimmung machen: „Das ist keine Art, miteinander umzugehen.“

„Es schmerzt mich, dass in vielen der geäußerten Stellungnahmen zu hören ist, dass nach den langen Diskussionen Homosexuelle immer noch unter dem Verdikt der Sünde stehen – in ihrem Wesen als Homosexuelle“, erklärte Olivier Dantine, Superintendent von Salzburg und Tirol. Dantine sprach sich dagegen aus, das Eheverständnis an die biologische Möglichkeit der Zeugung von Kindern zu binden. Der Blick solle hier vor allem auf das Kindeswohl gerichtet werden: „Was Kinder brauchen, können nicht nur leibliche Eltern bieten, sondern auch Pflege- und Adoptiveltern und Eltern in Patchworkfamilien.“

Der niederösterreichische Superintendent Lars Müller-Marienburg, selbst bekennender Homosexueller, forderte eine Öffnung der Kirche für alle Bevölkerungsgruppen: „Mein Bild von Kirche ist, dass wir ja zu Menschen sagen, und zu je mehr Menschen, desto besser.“ Homosexualität sei keine zeitgeistige Erscheinung, sondern Teil des Menschseins: „Auch Menschenrechte sind vielleicht modern, aber nicht zeitgeistig.“

Fritz Gattermayer, Kurator in Eferding und Mitglied der Synode, warnte, die Entscheidung „über´s Knie zu brechen“. Es gelte, die Pfarrgemeinden einzubinden, sie bräuchten mehr Zeit. Die Wiener Pfarrerin Marianne Fliegenschnee meinte dagegen: „Wir diskutieren das Thema seit 30 Jahren, es ist nicht so, dass Gemeinden darüber keine Meinung hätten.“

„Fürchtet euch nicht“, appellierte der steirische Superintendentialkurator Michael Axmann an die Gegner der Trauung für alle. „Wer kann Menschen wegschicken, die für einander einstehen, Verantwortung füreinander wahrnehmen und dafür den Segen Gottes erbitten? Sie stärken unsere Gesellschaft“, so der Grazer Rechtsanwalt, der auch den finalen Antrag zur Trauung für alle eingebracht hatte. Er sei „stolz, in einer weltoffenen Kirche zu sein, in der Menschen unterschiedlicher Überzeugung Platz haben und sie der Glaube eint.“

Rund 30 Studierende und junge, in der Kirche aktive Menschen hatten die synodale Diskussion beobachtet und mit Transparenten klar für eine Trauung homosexueller Paare Stellung bezogen. Im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst sagte der Theologiestudent Stefan Haider: „Es muss eine Bewegung in Richtung der Öffnung für eine Ehe für alle geben.“ Stephanie Faugel, die ebenfalls in Wien Theologie studiert, betonte: „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die Synode auch uns vertritt und dass wir ein ziemlich großer Teil und die Zukunft der Kirche sind.“
Verfasst am: 10.12.18, 09:35