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Titel: „tirol.feiert.evangelisch“ zum Reformationsjubiläum
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 18.10.2017

Fest in ausgebuchter Messe Innsbruck

Mit einem Reformationsfest unter dem Titel „tirol.feiert.evangelisch“ findet am Samstag, dem 21. Oktober, der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum Reformationsjubiläum in Tirol statt. In der Messe Innsbruck wird ein vielfältiges Programm aus Festreden, Musik, Kulinarik und Kabarett geboten. In einer Presseaussendung der Diözese Salzburg und Tirol, die das Fest mit Unterstützung von Stadt Innsbruck und Land Tirol veranstaltet, heißt es: „Wir feiern das Reformationsjubiläum und zeigen, was uns wichtig ist, was wir lieben: den christlichen Glauben evangelischer Prägung, unsere kleine, aber lebendige und engagierte Kirche, das bunte Leben in unseren Gemeinden und Einrichtungen.“

Den Festvortrag hält Bischof Michael Bünker, es sprechen zudem Superintendent Olivier Dantine, die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer sowie der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter. Geladen sind auch Vertreter der Tiroler Religionsgemeinschaften. Der Innsbrucker Saxophonist und Komponist Florian Bramböck zeichnet mit vielen weiteren Künstlern für die musikalische Gestaltung des Abends verantwortlich. Bei einem „Markt der Evangelischen Vielfalt in Tirol“ werden Speisen aus dem Kochbuch „So is(s)t Kirche“ von Olivier Dantine serviert. Für den heiteren Ausklang des Abends sorgen Oliver Hochkofler und Imo Trojan mit ihrem Reformationskabarett „Luther 2.0 hoch 17“.

Die Platzkarten für die um 16 Uhr beginnenden Feierlichkeiten sind bereits seit Mitte September vergeben. Superintendent Dantine freut sich über die große Nachfrage: „Wir sind überwältigt von dem Zuspruch und dem Interesse an diesem Fest, das weit über die Mitglieder der Evangelischen Kirche hinaus reicht. Leider bedeutet das auch, dass das Fest bereits ausgebucht ist und keine weiteren Anmeldungen angenommen werden. Zum Nachlesen und Nachschauen der Reformationsfeierlichkeiten in Tirol wird aber ein digitales Archiv eingerichtet.“ Fotos und vieles mehr werden unter www.sichtbar-evangelisch.at/reformation-tirol abrufbar sein.

In der seit 1966 bestehenden Diözese Salzburg und Tirol leben auf einem Gebiet von etwa 20.000 Quadratkilometern rund 30.000 Evangelische, davon knapp 12.000 in Tirol. Sieben der 16 Gemeinden befinden sich auf dem Tiroler Landesgebiet. Seit 2012 ist Olivier Dantine Superintendent der Diözese.

Weitere Information erhalten Sie unter ta.gnave@treief.lorit oder 0512 58 88 24.
Verfasst am: 19.10.17, 13:18
Titel: Salzburg: Tag der Evangelischen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 18.10.2017

Bischof Bünker im Gespräch mit Heinz Fischer

An mehreren Stationen in der Stadt Salzburg haben die evangelischen Pfarrgemeinden, Werke und Vereine am Samstag, 14. Oktober, 500 Jahre Reformation gefeiert. Einer der Höhepunkte im Jubiläumsprogramm war ein Gespräch zwischen dem evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker und dem früheren Bundespräsidenten Heinz Fischer.

Die hohe Aufmerksamkeit, die die Evangelischen Kirchen im Jahr des Reformationsjubiläums finden, sei zwar „schmeichelhaft“, dürfe aber nicht darüber hinwegtäuschen, „dass wir nicht uns selbst feiern, sondern eine Ereignis von gesamtgesellschaftlicher Relevanz“, meinte der Superintendent der Diözese Salzburg/Tirol, Olivier Dantine, zu Beginn des Podiumsgesprächs, das unter dem Motto des Jubiläumsjahrs „Freiheit und Verantwortung“ stand. Das Verhältnis zwischen diesen beiden Polen, so der Superintendent, müsse immer wieder neu gedeutet und ins Heute übersetzt werden.

Angesichts der Tatsache, dass dem reformatorischen Aufbruch 200 Jahre Krieg folgten, während heute ein Leben in Vielfalt und Pluralität Kennzeichen und zugleich Herausforderung unserer Zeit sei, hätten Evangelische einen „besonderen Auftrag, hier sensibel zu sein und die Stimme für jene zu erheben, die an der Seite stehen“, sagte Bischof Bünker. Das gute Verhältnis zwischen den Kirchen ebenso wie zwischen Kirchen und Politik sei eine „besondere Gabe und Aufgabe“. Im Blick auf die globalen Herausforderungen wie den Klimawandel – einmal mehr forderte Bünker hier eine ökologische Reformation – oder die Digitalisierung sprach sich Bünker für ein „Mehr an kritischer Bildung“ aus, damit Menschen in der Lage seien, sich zu orientieren. Evangelische Christinnen und Christen, so der Bischof, erfüllten nur dann ihren Auftrag, wenn sie zu einem friedlichen Zusammenleben und nicht zu Verhetzung und Polarisierung beitragen.

„Viel Respekt“ vor den Leistungen der Evangelischen Kirche brachte der frühere Bundespräsident Heinz Fischer zum Ausdruck. Entgegen den herrschenden Zukunftsängsten zeigte sich Fischer als Optimist. Dass Menschen vergangene Zeiten oft positiver als Gegenwart und Zukunft beurteilten, erklärt Fischer psychologisch, weil Menschen stolz seien „auf das, was sie überlebt haben“. Die Grenze zwischen Gut und Böse gehe durch jeden Menschen. Freiheit und Verantwortung stehen, so der frühere Bundespräsident, in einem Spannungsverhältnis, aus dem sich „eine Vielfalt an Lösungsmöglichkeiten“ ergebe. Zur Politikverdrossenheit meinte Fischer, dass das demokratische System nach 1945 zwar ein „ungeheurer Fortschritt“ im Vergleich zu dem System davor gewesen sei, sich aber offenbar „nicht rasch genug oder auf falschen Spuren“ weiterentwickelt habe. „Wir beschäftigen uns mit Problemen, die vielleicht gar nicht so wichtig sind, und lassen zentrale Themen beiseite.“ Konkret nannte Fischer hier etwa die Menschenrechte oder das „unbeholfene Verhalten“ gegenüber Flüchtlingen, „da haben wir nichts dazugelernt“. Übersehen werde dabei auch die „wirkliche Revolution im Informationssystem“. Die Art, wie Informationen heute transportiert werden, ist für Fischer ein „Hauptgrund für den Niedergang politischer Parteien“.

Dennoch zeigt sich der frühere Bundespräsident, der die Feiern der Republik zum Gedenkjahr 2018 vorbereitet, überzeugt, dass Menschen aus der Geschichte lernen. Europa habe große Qualitäten. „Wenn man einen Schuss Optimismus hat und dem Menschen als vernunftbegabtem Wesen vertraut, ist man begeisterter Europäer und erst recht begeisterter Österreicher“, betonte Fischer. Und Michael Bünker ergänzte: „Wir sollten uns vor jenen hüten, die das Totenglöckchen der europäischen Idee läuten.“

Das Festprogramm begann in Salzburg bereits am Vormittag mit einem Frühschoppen bei der Matthäuskirche, anschließend stellten sich die gastgebenden Einrichtungen im Diakoniezentrum in der Guggenbichlerstraße vor. Am Nachmittag führten in der Auferstehungskirche Kinder Tänze aus der Zeit der Reformation zu Musik auf Originalinstrumenten auf, parallel dazu fanden im Evangelischen Zentrum der Christuskirche Workshops statt, die sich unter anderem mit feministischer Bibellektüre und Bibelarchäologie befassten. Nach dem Gespräch zwischen Bischof Bünker und Heinz Fischer bildete eine restlos ausverkaufte Aufführung von Johann Sebastian Bachs Messe in h-Moll (BWV 232) im Evangelischen Zentrum Salzburg-Christuskirche den Abschluss. Zu hören waren das „BachWerkVokal Salzburg“ und „Kontra.Punkt – Das Barockorchester“ unter der Leitung von Diözesankantor Gordon Safari.
Verfasst am: 19.10.17, 13:17