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Titel: Anschlag auf Moscheen: Trauer, Schock und Entsetzen
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 20.3.2019

Reaktionen aus Religionen, Kirchen und Politik – Bünker: Religionen stehen zusammen

Wien (epdÖ) – Vertreter aus Kirchen, Religionsgemeinschaften und Politik in Österreich haben mit Entsetzen auf den Terrorangriff auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch reagiert.

„Ich bin erschrocken und tief betroffen, dass betende Menschen Opfer von terroristischen Anschlägen geworden sind. Meine Gedanken und Gebete sind bei allen Opfern und ihren Angehörigen“, sagte der evangelische Bischof Michael Bünker am Freitag, 15. März, gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. „Religionen stehen zusammen“, unterstreicht der Bischof, „ich bin wie viele andere solidarisch mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, die um ihre Geschwister im Glauben trauert. Dieser Hass vergiftet das Miteinander. Es braucht eine verantwortungsvolle Politik, die wirksam gegensteuert.“

Der gegen zum Gebet versammelte Menschen gerichtete Anschlag „erschüttert mich zutiefst“, schrieb Kardinal Christoph Schönborn am Freitag auf Twitter. „Im Gebet sind wir bei den Opfern und ihren Familien, und als Christen an der Seite aller Menschen, die sich für ein friedliches Zusammenleben einsetzen“, so der Wiener Erzbischof.

„Es ist wichtig, gegen menschenverachtende Ideologien und Extremismus aufzutreten und den Frieden und die Verständigung zwischen den Religionen und allen Menschen guten Willens zu fördern“, hat der Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld, am Samstag aus Anlass der Terror-Tat in Christchurch betont. Das „grauenhafte Massaker an betenden Menschen“ in Neuseeland habe in ihm Erschütterung und Betroffenheit ausgelöst; er wolle der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich sein Mitgefühl und seine Solidarität zum Ausdruck bringen, so der Superintendent. Er beobachte „mit zunehmender Sorge, wie in Teilen Europas und auch in unserem Land muslimische Flüchtlinge und Zuwanderer immer wieder stigmatisiert und pauschal in ein extremistisches Eck gestellt werden. Lassen wir nicht zu, dass sich ein Gedankengut breit macht, das in letzter Konsequenz zu so entsetzlichen Taten wie in Christchurch führen kann.“

Aus dem Judentum drückte Präsident Oskar Deutsch für die Israelitische Kultusgemeinde Wien der Islamischen Glaubensgemeinschaft „ob des verbrecherischen Anschlages gegen zum Gebet versammelte Muslime“ Mitgefühl und Solidarität aus. „Hier haben Extremisten Menschen aus nur einem Grund ermordet: weil sie Muslime waren. Dieser Menschenhass ist Gift für die Welt. In Gedanken bin ich bei den Angehörigen der Opfer und wünsche den Verletzten baldige Genesung“, so Deutsch.

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Ümit Vural, sprach in seiner Erklärung von einem „brutalen Terroranschlag“. Die Attacke sei „logische Konsequenz anti-muslimischer Hetze“, so Vural. Eine bloße Verurteilung des Terrors reiche auch in Österreich nicht aus. Vielmehr müsse die Politik „endgültig aktiv und glaubwürdig gegen anti-muslimische Hetze vorgehen“, forderte der IGGÖ-Präsident.

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen prangerte den Anschlag als „schreckliche und barbarische Attacke auf Menschen, die beten (…) wollten“ an. „So eine grausame und bösartige Tat muss sehr stark verurteilt werden“, schrieb Van der Bellen auf Twitter. „Unsere Solidarität gilt den Menschen in Neuseeland, unser Mitgefühl ist bei den Opfern, deren Verwandten und Freunden.“

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) äußerte sich ebenfalls auf Twitter „schockiert und traurig“ über den Terroranschlag. „Mein tief empfundenes Beileid gilt den Verletzten, den Familien der Opfer und dem neuseeländischen Volk“, so der Regierungschef. Auch Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) verurteilte die „abscheulichen Terrorattacken“.

Von einem „dunklen Tag“ sprach SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner. „Rechte Terroristen“ hätten friedlich betende Menschen ermordet, schrieb sie auf Facebook. „Sie alle sind Opfer von strukturellem Hass und rassistischer Hetze gegen den Islam geworden. Wir dürfen das nicht zulassen. Ich sende allen Angehörigen mein tiefes Mitgefühl. Austria stands with you!“, so Rendi-Wagner.

Bei den Angriffen auf zwei Moscheen in Christchurch sind 50 Menschen erschossen worden. Der 28jährige Hauptverdächtige mit rechtsextremistischem Hintergrund ist in Haft.
Verfasst am: 21.03.19, 10:53
Titel: Synode H.B. beschließt völlige Gleichstellung homosexueller Ehepaare
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 20.3.2019

Landessuperintendent Hennefeld: „Wichtiger Schritt für unsere Reformierte Kirche“ – Karfreitag: „Religion ins Private verdrängt“

Linz (epdÖ) – In der evangelisch-reformierten Kirche (Evangelische Kirche H.B.) wird künftig auch homosexuellen Paaren die Trauung offen stehen. Darauf hat sich die Synode H.B., das reformierte Kirchenparlament, am Samstag, 16. März, in Linz einstimmig geeinigt. Damit ist eine völlige Gleichstellung verheirateter homo- und heterosexueller Paare erreicht, heißt es von der Kirchenleitung.

„Der Beschluss unserer Synode, die Trauung für alle einzuführen, ist kein großer aber ein wichtiger Schritt für unsere Reformierte Kirche“, betont Landessuperintendent Thomas Hennefeld gegenüber dem Evangelischen Pressedienst. Hennefeld weiter: „Damit wurden die letzten Reste an Diskriminierung gegenüber homosexuellen Menschen beseitigt, die in der Vergangenheit viel Leid erfahren haben. Ab nun können in unserer Kirche alle Paare getraut werden und bekommen dafür den Segen. Und das ist gut so.“

Für eingetragene Partnerschaften wird es (wie bisher) die Möglichkeit einer Segnung im Gottesdienst geben. Beim Beschluss in Linz ist die Synode dem Antrag des Theologischen Ausschusses einstimmig gefolgt. Bereits seit 1999 waren in der reformierten Kirche Segnungen homosexueller Paare in öffentlichen Gottesdiensten möglich gewesen. Anlass zur neuerlichen Diskussion um die „Ehe für alle“ war die seit Jänner bestehende Möglichkeit zivilrechtlicher Eheschließungen von Homosexuellen.

Karfreitag: Neue Regelung verdrängt Religion ins Private

Beim Thema Karfreitag hat sich die Synode H.B. der Resolution der Synode A.B. vom 9. März angeschlossen. Zusätzlich wird das Recht auf freie Religionsausübung unterstrichen. Dieses sei „ein Menschenrecht und muss in allen Fällen sichergestellt werden“, so die Synode H.B. Durch die neue Regelung werde Religion aus dem öffentlichen Raum ins Private verdrängt, kritisiert die evangelisch-reformierte Kirche, doch „nur dort, wo Religion sich auch öffentlich entfalten kann, haben Staat, Gesellschaft und Menschen einen Nutzen davon“.

Die Synode der Evangelische Kirche H.B. setzt sich laut Kirchenverfassung aus den GemeindepfarrerInnen, gewählten Presbyterinnen und Presbytern – also ehrenamtlichen Gemeindemitgliedern – und je einem Vertreter oder einer Vertreterin der Theologischen Fakultät, der ReligionslehrerInnen sowie der Diakone und Diakoninnen zusammen. Zur Evangelisch-reformierten Kirche in Österreich gehören rund 13.000 Mitglieder in 9 Pfarrgemeinden.
Verfasst am: 21.03.19, 10:53