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Titel: 500 Jahre Reformation: "Europa weiter reformierungsbedürftig"
Autor: MB
Quelle: www.kathpress.at vom 16.10.2017

Hochkarätig besetzte Podiumsdiskussionen und Symposien in Salzburg und Wien, u.a. mit EU-Kommissar Hahn, Altbundespräsident Fischer und Bischof Bünker

Reformationen sind in Europa und der Welt auch 500 Jahre nach Martin Luther weiter nötig: Darauf haben am Wochenende prominente Stimmen bei mehreren Veranstaltungen der Evangelischen Kirche anlässlich des Kirchenjubiläums hingewiesen. Einer der inhaltlichen Höhepunkte war dabei ein Gespräch zwischen dem evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker und dem früheren Bundespräsidenten Heinz Fischer am Samstag in Salzburg. Das Ex-Staatsoberhaupt zollte dabei den Leistungen der Evangelischen Kirche "viel Respekt".

Fischer kam auf das nahende Republiks-Gedenkjahr 2018 zu sprechen und befand, dass die Demokratie nach 1945 ihren "ungeheuren Fortschritt" offenbar "nicht rasch genug oder auf falschen Spuren" vollzogen habe. Mit zentralen Themen wie den Menschenrechten, dem Verhalten gegenüber Flüchtlingen oder der Revolution im Informationssystem beschäftige sich die Gesellschaft viel zu wenig. Dennoch sei ein "Lernen aus der Geschichte" möglich. "Wenn man einen Schuss Optimismus hat und dem Menschen als vernunftbegabtes Wesen vertraut, ist man begeisterter Europäer und erst recht begeisterter Österreicher", so der Altbundespräsident.

Der evangelische Bischof Michael Bünker sah seine Kirche in einem "besonderen Auftrag, sensibel zu sein und die Stimme für jene zu erheben, die an der Seite stehen". Dies ergebe sich aus der Tatsache der 200 Jahre Krieg nach dem reformatorischen Aufbruch und dem heutigen Leben in Vielfalt und Pluralität. Das gegenwärtig gute Verhältnis zwischen den Kirchen ebenso wie zwischen Kirchen und Politik sei eine "besondere Gabe und Aufgabe".

Angesichts der Tatsache, dass dem reformatorischen Aufbruch 200 Jahre Krieg folgten, während heute ein Leben in Vielfalt und Pluralität Kennzeichen und zugleich Herausforderung unserer Zeit sei, hätten Evangelische einen "besonderen Auftrag, hier sensibel zu sein und die Stimme für jene zu erheben, die an der Seite stehen", sagte Bischof Bünker.

Als besonderes Anliegen hob Bünker ein "mehr an kritischer Bildung" hervor. Evangelische Christen seien dazu verpflichtet, zu friedlichem Zusammenleben "und nicht zur Verhetzung und Polarisierung" beizutragen. Nötig sei auch das Ingangsetzen einer "ökologischen Reformation".

Nachwirkungen bis heute

Zuvor hatte bereits am Freitag in Wien ein Symposium den bleibenden Impulsen der Reformation nachgespürt. Einige davon nannte bei der Veranstaltung im Außenministerium zum Thema "Europa semper reformanda" Bischof Bünker selbst: Die mit der Reformation verbundene "unbedingte Anerkennung jedes Menschen als Person" sei weiter höchst aktuell, ebenso wie das mit der Bibelübersetzung begründete Recht auf Muttersprachlichkeit. Dass die Bibel dem Zugriff der Wissenschaft ausgesetzt worden sei, könne man auch als Förderung der Selbstkritik und als "Weg, um Fundamentalismus zu bekämpfen" sehen.

Luthers Neuansätze bestimmten die evangelische Theologie und Kirche bis heute, erklärte die Mainzer Religionswissenschaftlerin Irene Dingel. Sie führte hier vor allem die Anerkennung der Bibel - statt der Kirche - als einzige Autorität sowie das unmittelbare Gottesverhältnis des Einzelnen unabhängig von Leistung, Stand und Geschlecht an. Reformatorische Theologie habe die "Freiheit der Weltgestaltung" betont und wesentlich zu Emanzipation und Gesellschaftsveränderung beigetragen. Europa verändert habe auch die "Neuentdeckung der Bildung" durch den Anspruch, dass Bildung für alle erreichbar sein müsse. Auch heute brauche es wieder den "Reformimpuls im Bildungsbereich", sagte Dingel.

Von einem "mutmachenden Potenzial" der Reformation im Bildungswesen sprach auch EU-Kommissar Johannes Hahn im Rahmen des Symposiums. Bildung müsse mehr sein als Ausbildung und sei ein "europäisches Anliegen um Zukunft abzusichern", so der Präsident des Rings Österreichischer Bildungswerke. Als wichtige Fähigkeit Europas bezeichnete Hahn zudem das Hören und Einbinden von Minderheiten. Letztere machten insgesamt eine "Mehrheit der Fantasie, Vielfalt und Pluralität - und das ist das, was Europa stark macht".
Verfasst am: 17.10.17, 09:19
Titel: Schützenhöfer bittet Evangelische um Vergebung
Autor: MB
Quelle: www.orf.at vom 14.10.2017

Die Evangelische Kirche hat am Samstag im Landtag das Reformationsjubiläum gefeiert. Dabei bat Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) um Vergebung für das Unrecht, das zu Zeiten der Gegenreformation angetan wurde.

Es war eine ungewöhnliche Festsitzung im Landtag: Wo sonst die Politik tagt, versammelte sich aus Anlass des Jubiläumsjahres „500 Jahre Reformation“ das höchste Gremium der Evangelischen Kirche in der Steiermark gemeinsam mit höchsten weltlichen und geistlichen Verantwortungsträgern. Damit werde, so Landtagspräsidentin Bettina Vollath (SPÖ), „ein Symbol der gelebten Ökumene, ein Symbol des harmonischen Miteinanders der Religionen in der Steiermark gesetzt“.

Dennoch gedachte man auch vergangener, schwieriger Zeiten - der Verfolgung und Vertreibung tausender Protestanten, besonders auch in der Steiermark. Landeshauptmann Schützenhöfer sprach in seiner Rede von Unrecht, „auch von Seiten der politischen Machtträger, das ich nur mit Bedauern und Entschuldigung für damals gesetzte Gewalt und geschehenes Unrecht betonen kann“.

„Historische Lücke geschlossen“

Schützenhöfer habe mit seiner Erklärung eine historische Lücke geschlossen, sagte der evangelische Superintendent Hermann Miklas, der dann den Ängsten der Reformationszeit heutige Ängste gegenüberstellte: „Und säkulare Ablassprediger unserer Zeit stehen auch nicht an, das Geschäft mit der Angst noch lustvoll zu schüren, um damit eigene politische Gewinne einfahren zu können, egal von welcher Seite das kommt - ich glaube, das ist ein höchst riskantes Spiel.“

Schließlich erhielt Landeshauptmann Schützenhöfer den höchsten Ehrenpreis der Evangelischen Kirche in Österreich, und im Hof des Landhauses wurde ein Gedenkstein gelegt: Der „Stein der Versöhnung“ soll an die wechselvolle Geschichte und an heutiges Miteinander erinnern.
Verfasst am: 16.10.17, 11:57