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Titel: Bauherrenpreis der österreichischen Architekten für Kirche in Mitterbach
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 20.11.2017

Pfarrerin Birgit Lusche: „Verborgenes aus dem Verdeckten geholt“

Mit dem Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs ist Pfarrerin Birgit Lusche für die Neugestaltung der evangelischen Kirche in Mitterbach ausgezeichnet worden. Bei der Verleihung des Preises am Freitag, 17. November im Wiener Odeon-Theater würdigte die Fachjury die Arbeit des Wiener Architektenduos Anja Fischer und Ernst Beneder, das unter der Ägide von Bauherrin Lusche die Toleranzkirche aus dem 18. Jahrhundert renoviert hatte. Durch die Renovierung sollte der ursprüngliche Charakter des Kirchenbaus im Bethausstil wieder besser zur Geltung kommen.

„Ich sehe diesen Preis als Würdigung der Geschichte der ersten Evangelischen in Österreich und als Anerkennung des Engagements und Miteinanders der Pfarrgemeinde Mitterbach“, sagte Pfarrerin Lusche in ihren Dankesworten. „Wir sind auch immer wieder überrascht, mit welchem Einfühlungsvermögen die PlanerInnen Verborgenes aus dem Gegebenen und Verdeckten herausholen konnten.“ Für die Erneuerung der Kirche hatten Lusche und das Architektenteam erst im Oktober die Auszeichnung für vorbildliche Bauten des Landes Niederösterreich erhalten.
In der Begründung der Jury für die Verleihung heißt es: „Im Zusammenspiel aller Maßnahmen und beteiligten Akteure entstand eine raumplastische Komposition, in der Bestehendes und Neues wie selbstverständlich verschmelzen; mit hoher Sorgfalt, bis ins kleinste Detail überlegt und gestaltet.“ In der Kirche in der Ötscherregion sind heute noch deutliche Spuren aus der Zeit ihrer Errichtung durch Holzarbeiterfamilien zu sehen: In den Brüstungen finden sich die Namen der ersten evangelischen „Bekenner“, die sich nach dem Toleranzpatent von 1781 und dem Ende des jahrhundertelangen Geheimprotestantismus offen als Evangelische äußerten.

Der Bauherrenpreis der Zentralvereinigung der Architekten Österreichs wird seit 1967 vergeben und gilt als renommiertester Architekturpreis in Österreich. Der Preis geht alljährlich an „Persönlichkeiten oder Personenkreise, die sich in besonderer Weise für die Baukultur in Österreich verdient gemacht haben.“ Im Fokus stehen dabei „die architektonische Gestaltung sowie der innovative Charakter“. Gemeinsam mit der evangelischen Kirche in Mitterbach wurden fünf weitere Projekte ausgezeichnet: der Catering Pavillon Wolke 7 in Grafenegg (NÖ), die Basilika und das Geistliche Haus in Mariazell (Stmk), der Erste Campus in Wien, die Kapelle Salgenreuthe in Krumbach (V) und die Sägerbrücke in Dornbirn (V). Insgesamt waren 82 Projekte eingereicht worden, 23 davon kamen auf die Shortlist, aus der die Sieger gewählt wurden. Die ausgezeichneten Projekte werden gemeinsam mit allen nominierten Projekten von 7. Dezember bis 12. Jänner im Wiener Ringturm ausgestellt.
Verfasst am: 21.11.17, 11:26
Titel: Ökumenischer Studientag über "Option für die Armen in Pfarren"
Autor: MB
Quelle: https://www.kathpress.at vom 19.11.2017

Vertreter von katholischer, evangelischer und orthodoxer Kirche befassten sich in St. Pölten mit Armutssituation und lokalen Initiativen der christlichen Kirchen

"Genug für alle. Die Option für die Armen in der Praxis unserer Pfarrgemeinden" - unter diesem Titel fand ein ökumenischer Studientag im St. Pöltner Bildungshaus St. Hippolyt statt. Der Termin der Veranstaltung am Freitag war bewusst im Vorfeld zum "Welttag der Armen" gewählt. Grundsätzlich sei global gesehen genug für alle Menschen da, aber nicht bei dem Lebensstil, den wir derzeit im Westen pflegen. So lautete das Resümee des Studientages, über den die Diözese St. Pölten am Sonntag in einer Aussendung berichtete.

Ausgangspunkt für die Beratungen bildete das Ökumenische Sozialwort, das 2003 durch die im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) verbundenen christlichen Kirchen beschlossen wurde. Magdalena Holztrattner, die Direktorin der Katholischen Sozialakademie Österreichs, fasste den Studientag zusammen: "Genug für alle - bedeutet weniger für uns. Die biblischen Texte, allen voran Jesaja fordern, dass die Gottesliebe sich in der Nächstenliebe erweisen muss und dass Liebe politisch werden muss: Nicht mehr betteln, sondern gerechte Strukturen schaffen." Die "Option für die Armen" sei der rote Faden des Evangeliums. Sie rief zu einem zukunftsfähigen persönlichen Lebensstil auf, der "ein weniger als mehr" wahrnehme.

Der evangelische "Armutsexperte" Martin Schenk warnte im Blick auf die bedarfsorientierte Mindestsicherung und andere Sozialleistungen vor einem Angriff auf das unterste soziale Netz. Verschlechterungen würden sich bei den Ärmsten ganz konkret auf ihre Gesundheit negativ auswirken, wie internationale Studien zeigten . Armut könne als ein Mangel an Möglichkeiten und Teilhabe an der Gesellschaft beschrieben werden, so Schenk. Bei Armut würden oft mehrere Faktoren hineinspielen: Schlechte oder keine Jobs, keine Wohnung, schlechtere Bildungschancen und Gesundheit und letztlich eine kürzere Lebenserwartung.

Der serbisch-orthodoxe Bischof Andrej Cilerdzic führte aus, dass in der Orthodoxie soziale Aktivitäten eine Frucht der Eucharistie und der Liturgie sei. Zwar sei in der orthodoxen Kirche das soziale Engagement nicht immer unumstritten gewesen, allerdings hätten kirchliche Vorbilder wie der heilige Basilius gezeigt, dass die Liturgie die Quelle dafür sei.

Karl Langer, Geschäftsführer von "Emmaus St. Pölten", konnte konkrete Projekte im Umgang mit Armen präsentieren. Dabei sollten Arme neben materieller Hilfe auch Erfahrungen wie Wertschätzung, Respekt und Anerkennung machen können. Dafür bemühe sich die Emmaus-Gemeinschaft, die sich um Menschen am Rande kümmert und ihnen neue Perspektiven eröffnet. Langer ortete in der Kirche ein professionelles karitatives Handeln und einen hohen sozialen Grundwasserspiegel, allerdings sei es innerhalb den Gemeinden mitunter schwierig, Freiwillige für die pfarrliche Caritas zu finden.

Neben der "Emmausgemeinschaft" waren auch andere Best-practice-Beispiele Teil des Studientages. So präsentierte die katholischen Pfarren Beispiele für konkrete Nothilfe. Der Waldviertler Betriebsseelsorger Karl Immervoll stellte sein Grundeinkommensprojekt vor und die evangelische Pfarre Stockerau berichtete über Flüchtlingsbetreuung in und mit den Pfarrgemeinden.

Dem Studientag voraus gegangen war am Freitagnachmittag eine Protestkundgebung in St. Pölten, bei der die Katholischen Aktion der Diözese St. Pölten und das "NÖ Armutsnetzwerk" ein Umdenken der verantwortlichen Landespolitiker in Sachen Sozialpolitik gefordert hatten. Vertreter der beiden Organisationen traten öffentlich auf für "eine Mindestsicherung, die zum Leben reicht". Dies schaffe "gesellschaftlichen Mehrwert für alle", hieß es laut einer Aussendung der Diözese St. Pölten. Anlass für den Protest war der Jahrestag jener Landtagssitzung, in der am 17. November 2016 Verschärfungen des niederösterreichischen Mindestsicherungsgesetzes beschlossen wurden.
Verfasst am: 20.11.17, 12:44