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Titel: Kurz: Kirchen sind „gesamtgesellschaftlicher Kitt“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 5.12.2018

Glaubensgemeinschaften bei Adventempfang in Bundeskanzleramt

„Der Glaube bietet Halt, Geborgenheit und Orientierung“, ließ Bundeskanzler Sebastian Kurz die Vertreter österreichischer Kirchen wissen, die am Dienstag, 4. Dezember, der Einladung zum diesjährigen Adventempfang ins Bundeskanzleramt gefolgt waren. Gemeinsam mit Kanzleramtsminister Gernot Blümel empfing Kurz hochrangige Repräsentanten der heimischen Glaubensgemeinschaften, darunter den römisch-katholischen Kardinal Christoph Schönborn, den evangelisch-lutherischen Bischof Michael Bünker, den reformierten Landessuperintendenten Thomas Hennefeld sowie den methodistischen Superintendenten Stefan Schröckenfuchs und den griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios Kardamakis.

„Der Glaube ist wichtig für die Menschen und bereichert die Gesellschaft“, so Kurz, der schon als Staatssekretär für Integration (2011-2013) bewusst den Austausch mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften gesucht habe. In seiner Ansprache würdigte er das karitative Engagement der Kirchen. Sie leisteten jedoch auch durch die Glaubensweitergabe viel und erwiesen sich somit als „gesamtgesellschaftlicher Kitt“. Als Politiker schätze und pflege er den regelmäßigen Austausch mit den Kirchen, so der Bundeskanzler. In diesem Zusammenhang dankte er dem Apostolischen Nuntius in Österreich, Erzbischof Peter Stephan Zurbriggen, ausdrücklich für sein fast zehnjähriges Wirken im Land.

Dass „Religionen ein Teil der Lösung“ im Blick auf große gesellschaftliche Themen seien, betonte Kanzleramtsminister Blümel. Es gebe ein „Seelenbedürfnis der Verwurzelung“, so der für Religionsthemen zuständige Minister unter Verweis auf die Philosophin Simone Weil. Kirche – bzw. Religionen – hätten hierin eine wichtige Aufgabe, denn „ohne ausgeglichenes Seelenleben gibt es auch kein zufriedenes Leben“.

Schönborn: Lernbedarf auf religiöser Seite

Kardinal Schönborn unterstrich beim Adventempfang, dass das gemeinsame Ziel von Politik, Zivilgesellschaft sowie Kirchen und Religionen das Gemeinwohl sein müsse. Begegnungen wie die aktuelle brächten eine „Stärke des Landes“ zum Ausdruck, die im internationalen Vergleich nicht selbstverständlich sei: „In Österreich gibt es nicht nur Religionsfrieden, sondern auch ein gutes Miteinander von Kirchen und Religionen mit den Regierungen.“ Dafür und beispielsweise für den Religionsunterricht gebe es eine „solide religionsrechtliche Basis“ durch das Konkordat und diverse Spezialgesetze für die einzelnen Kirchen und Religionen.

Gleichzeitig sprach der Kardinal auch von einem „nötigen Lernbedarf“ auf religiöser Seite. Es sei leider ein Faktum, dass bei Konflikten „Religion auch Teil des Problems“ sein könne. Kirchen und Religionen müssten bereit sein, sich auch von einer mitunter religionskritischen säkularen Gesellschaft etwas sagen zu lassen. „Die aus christlicher Sicht gleiche Würde aller Menschen bedeutet, dass uns diese Menschen etwas zu sagen haben“, so der Kardinal.

Unmittelbar vor dem Adventempfang waren Bundeskanzler Kurz, Kanzleramtsminister Blümel und ihre engsten Mitarbeiter mit den Kirchenvertretern zu einem Gespräch in kleiner Runde zusammengekommen. Teilnehmer waren neben Schönborn, Bünker und Kardamakis auch Bischofskonferenz-Generalsekretär Peter Schipka, Nuntius Erzbischof Zurbriggen, Nuntiaturrat Msgr. George Panamthundil, der koptisch-orthodoxe Bischof Anba Gabriel sowie Pastor Reinhold Eichinger von den Freikirchen in Österreich.
Verfasst am: 06.12.18, 11:09
Titel: Europäische Kirchen fordern zu Weihnachten „inklusives Europa“
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 5.12.2018

Gemeinsames Dokument an EU-Parlament in Brüssel übergeben

Eine Weihnachtsbotschaft der europäischen Kirchen für ein „gastfreundliches und inklusives Europa“ wurde am Dienstag, 4. Dezember, von führenden Kirchenvertreterinnen und -vertretern an die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments in Brüssel, die Irin Mairead McGuinness, übergeben. „Im Geiste von Weihnachten“ bitten mehr als 30 Unterzeichnende, darunter der österreichische evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker, die Nationen und Völker Europas, nicht zuzulassen, dass Gleichgültigkeit gegenüber dem Leiden anderer um sich greife. Vielmehr solle für die Würde derer gesorgt werden, „die unsere Hilfe benötigen“. Fremde willkommen zu heißen „gehöre zu unserem christlichen und europäischen Erbe.“ Mit großer Sorge würden die Kirchen die Entwicklungen in Europas Antwort auf die Flüchtlingsbewegung beobachten. Es sei inakzeptabel, dass der Umgang mit Migration zu Situationen führe, in denen der massive Verlust von Menschenleben auf dem Weg nach Europa „normal“ geworden sei.

Parlaments-Vizepräsidentin McGuiness meinte im Rahmen der Überreichung, die Botschaft komme zur rechten Zeit, sie sei „herausfordernd und wert, sie zu lesen. Sie ruft uns alle, die wir starke Schultern haben, auf, mehr zu tragen als diejenigen, die weniger starke Schultern haben“. Wann, wenn nicht zu Weihnachten, sei die beste Zeit, sich um weniger Begünstigte zu kümmern, fragte die EU-Repräsentantin.

Die Kirchen erinnern in dem Papier zudem daran, dass auch Jesus, dessen Menschwerdung zu Weihnachten gedacht werde, Flüchtling gewesen sei: „ Als Kind fand er in Ägypten Zuflucht, als Maria und Josef flohen, weil Herodes drohte, Jesus zu töten. Jesus wird ohne Zuhause geboren und er erlebt Gewaltherrschaft und Leiden. Er identifiziert sich mit den Flüchtlingen und den Unterdrückten und ruft uns auf, uns in ähnlicher Weise mitfühlend mit den Schutzbedürftigen zu identifizieren.“ Die Glaubensgemeinschaften rufen in Erinnerung, dass kein Mensch oder keine Gruppe von Menschen ein „Problem“ darstellen dürfe, sondern jeder Person mit Respekt für die Würde begegnet werden solle, mit der sie von Gott geschaffen sei: „Wir sind alle Teil der gleichen Menschheit, frei von Unterschieden zwischen Fremden und Einwohnerinnen und Einwohnern.“

An der Übergabe in Brüssel beteiligt waren Mitglieder der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa (CCME) und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK). Zu den unterzeichnenden Kirchen gehören neben der evangelisch-lutherischen Kirche Österreichs die Evangelische Kirche in Deutschland oder die Church of Scotland sowie internationale Organisationen wie der Lutherische Weltbund.
Verfasst am: 06.12.18, 11:08