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Titel: Scheuer würdigt bei Mauthausen-Gedenken politische Widerstandskämpfer
Autor: MB
Quelle: www.katholisch.at vom 15.5.2022

Gemeinsamer Gottesdienst des Linzer Bischofs mit evangelischem Bischof Chalupka und orthodoxem Erzpriester Nikolitsis bei internationaler KZ-Befreiungsfeier unter dem Motto "Politischer Widerstand"

Bischof Manfred Scheuer hat bei der internationalen Gedenkfeier zur Befreiung des ehemaligen Konzentrationslagers (KZ) Mauthausen den Einsatz von Widerstandskämpfern für Gerechtigkeit gewürdigt. Politischer Widerstand dürfe nicht losgelöst werden von Ethik und Recht, von Freiheit, Gerechtigkeit, Menschenwürde und Menschenrechten. "Widerstandskämpfer sind so gesehen wie Leuchttürme gegen die Resignation in das Schicksal, sie bezeugen, dass der Einzelne nicht einfach machtlos naturalen Prozessen ausgeliefert ist", sagte Scheuer am Sonntagmorgen bei einem ökumenischen Gottesdienst im früheren KZ, mit dem das Gedenken zum 77. Jahrestag der Befreiung des Lagers ihren Auftakt nahm. Mitfeiernde waren der evangelische Bischof Michael Chalupka und der orthodoxe Erzpriester Ioannis Nikolitsis.

Der Linzer Bischof verwies in seiner Predigt exemplarisch auf das Lebenszeugnis einiger Menschen, die aus christlicher Motivation politischen Widerstand geleistet hatten. Dabei nannte er den aus Hörbranz (Vorarlberg) stammenden Josef Anton King (1923-1945), der so wie der Wiener Kaplan Heinrich Meier (1908-1945) in den letzten Tagen des Nazi-Regimes ermordet wurde. Ausdrücklich erwähnte Scheuer Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), den einzigen evangelische Pfarrer, der das Attentat auf Hitlers befürwortet und mit vorbereitet hatte. Von ihm stammen die bekannten Worte: "Wir können nicht nur die Wunden der Opfer verbinden, wir müssen dem Rad in die Speichen fallen", die Ausdruck Bonhoeffers Überzeugung waren.

Wie der Stellvertretende Vorsitzende der Bischofskonferenz weiter ausführte, finde aktiver Widerstand seine Begründung in dem auch von der katholischen Sittenlehre anerkannten Recht auf Notwehr, das geltend gemacht wird, um den Staat auf seine Gemeinwohlfunktion zu beschränken. Gleichzeit warnte Scheuer aber auch vor einem falsch verstandenen und religiös aufgeladenen Märtyrertum im Zusammenhang mit politischem Widerstand und sagte: "Jede zwanghafte, fanatische oder hysterische Identitätssicherung ist eine ideologische Perversion und auch eine Zerrform des Glaubens."

Der Einsatz von Widerstandskämpfern für Gerechtigkeit habe schließlich auch einen inneren Berührungspunkt mit dem christlichen Glauben, so der Linzer Bischof abschließend: "Die Botschaft Jesu vom Gericht Gottes stellt in Aussicht, dass die Sehnsucht des Menschen nach einer letzten und endgültigen Gerechtigkeit keine leere Hoffnung bleibt. Dies ist eine Frohbotschaft insbesondere für alle Benachteiligten und An-Rand-Gedrängten, aber auch für jene, die sich für eine gerechtere Welt einsetzen und oft auf verlorenem Posten kämpfen."

Am Beginn des Gottesdienstes erinnerte Bischof Chalupka, der der Feier vorstand, dass im KZ Mauthausen die Religionsausübung mit dem Tod betraft wurde. "Kein laut gesprochenes Gebet, kein Segens- oder Kreuzzeichen, kein Lied, kein Gottesdienst waren hier möglich. Religion durfte hier als Ausdruck des Menschen keinen Platz haben." Mauthausen habe in der Weise des absoluten Verbots religiöser Handlungen sogar unter allen NS-Konzentrationslagern eine besonders grausame Sonderrolle eingenommen, hielt der evangelische Bischof eingangs fest.

In Mauthausen "trifft Schmerz auf Hoffnung. Hier verbindet sich der Kummer mit dem Lebenswillen", sagte Erzpriester Nikolitsis. Bleibend Aufgabe der Kirche sei es, die Kraft der Wahrheit und der Liebe zu verkündigen, um die Opfer mit Respekt zu ehren und Versöhnung zu ermöglichen.

Der ökumenische Wortgottesdienst, den auch der Linzer Altbischof Maximilian Aicher mitfeierte, wurde heuer von Jugendlichen mitgestaltet, die auch die Fürbitten sprachen. Die Liturgie endete mit einem Lied, dessen Text auch die Inschrift der Friedensglocke der Pfarrkirche Mauthausen bildet, die anlässlich ihrer Weihe erstmals am Appellplatz der Gedenkstätte angeschlagen wurde und wie folgt lautet: "Bemüht euch zu wahren die Einheit des Geistes durch das Band des Friedens!" Die Vertonung stammt von Alfred Hochedlinger, der für die musikalische Gestaltung der Feier durch den Chor der Pfarre Mauthausen verantwortlich war.

Erstmals sei Beginn der Pandemie fand die Befreiungsfeier wieder mit zahlreichen Abordnungen aus vielen Ländern und Organisationen in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen statt. "Politischer Widerstand" war der heurige Titel der weltweit größten KZ-Befreiungsfeier. In Mauthausen und seinen Nebenlagern waren rund 200.000 Menschen interniert, die Hälfte von ihnen wurde ermordet oder starb aufgrund der grausamen Haftbedingungen.

Zu der Feier kommen traditionell Abordnungen aus aller Welt, denn die in Mauthausen Inhaftierten stammten aus mehr als 70 Nationen. Die Botschafter von Russland und Belarus wurden nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine von den Veranstaltern gebeten, nicht zu kommen. Hilfsorganisationen, Überlebende und deren Angehörige aus diesen Ländern waren aber eingeladen. Traditionell sind auch Vertreter der Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie des offiziellen Österreichs dabei.

Quelle: kathpress
Verfasst am: 16.05.22, 12:29
Titel: Pflege: Diakonie fordert Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte
Autor: MB
Quelle: www.orf.at vom 11.5.2022

Die evangelische Diakonie fordert eine Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte für Pflegekräfte. „Österreich sucht händeringend nach Pflegekräften und verunmöglicht gleichzeitig Interessierten, den Pflegeberuf zu ergreifen“, so Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser.

11. Mai 2022, 11.27 Uhr
Moser verwies am Mittwoch in einer Aussendung anlässlich des Internationalen Tags der Pflege (12. Mai) einmal mehr auf die Hürden, die Menschen mit Interesse an einer Ausbildung im Bereich Pflege und Betreuung davon abhalten, auch wirklich eine Ausbildung zu beginnen: „Die Rot-Weiß-Rot-Karte wird derzeit in einigen Bereichen reformiert. Die Hürden für den Mangelberuf, die Pflege, werden aber nicht abgebaut.“

Die Rot-Weiß-Rot-Karte ist ein befristeter Aufenthaltstitel für qualifizierte Arbeitskräfte aus Drittstaaten. Antragstellende müssen Kriterien wie Berufsausbildung, Erfahrung, Alter, Deutsch- und Englischkenntnisse, die über ein Punktesystem bewertet werden, erfüllen.

„System ist nicht treffsicher“
„Das System ist nicht treffsicher, weshalb es den Fachkräftemangel in der Pflege noch verschärft, anstatt ihn zu verbessern“, konstatierte die Diakonie-Direktorin. So gibt es die vollen Punkte für das Alter nur bis 30 Jahre, ab 40 Jahren steigt man mit null Punkten aus.

„Eine Frau mit beispielsweise 42 Jahren, die eine Pflegeausbildung begonnen hat und erfolgreich auf ihre Berufstätigkeit zugeht, ist nicht zu alt für den Beruf. Ganz im Gegenteil, für die Pflege und Betreuung braucht es soziale Reife und Lebenserfahrung“, so Moser. Außerdem zeigten Studien, dass junge Pflege- und Betreuungskräfte eher aus dem Beruf aussteigen wollen. Ältere Arbeitskräfte hingegen blieben der Pflege und Betreuung eher erhalten.

„Im Zuge der Pflegereform möchte die Politik gezielt Berufsumsteigerinnen für die Pflege und Betreuung gewinnen. Warum hier ein Unterschied bei der Staatsbürgerschaft gemacht wird, ist uns nicht verständlich“, so Moser. Sie forderte das Aufheben der Altersgrenzen für alle Mangelberufe – insbesondere aber für den Pflege- und Betreuungsbereich.

Deutschkenntnisse wichtiger als Englisch
Auch die Sprachkenntnisse müssten für die verschiedenen Berufe jeweils spezifisch bewertet werden. „Fehlende Englischkenntnisse machen vielleicht in anderen Berufen einen wichtigen Unterschied. In einem oberösterreichischen Pflegeheim sind Englischkenntnisse aber sicher nicht ausschlaggebend“, wies Moser hin. Wichtig sei gutes Deutsch, das müsse stärker gewichtet werden.

Bis 2030 werden in Österreich 100.000 zusätzliche Pflege- und Betreuungskräfte benötigt. Um den Bedarf zu decken, brauche es eine Vielzahl an ambitionierten und kostenintensiven Maßnahmen. „Eine Anpassung der Altersgrenzen und der Sprachkenntnisse bei der Rot-Weiß-Rot-Karte ist hingegen kostenlos und kann sofort umgesetzt werden“, gab die Diakonie-Direktorin abschließend zu bedenken.

red, religion.ORF.at/KAP

Verfasst am: 16.05.22, 12:26