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Titel: 100 Jahre Frauenschule – Festgottesdienst und Empfang in Wien
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 14.11.2018

Miklas: „War mutige Entscheidung, die Schule 1918 zu gründen“

Noch einen Tag vor der Republik Österreich feierte die Evangelische Frauenschule, später Evangelische Religionspädagogische Akademie und heute Kirchliche Pädagogische Hochschule Wien/Krems (KPH) am Sonntag, 11. November, ihr 100-jähriges Gründungsjubiläum. Mit einem Festgottesdienst in der Wiener Lutherischen Stadtkirche sowie einem anschließenden Empfang im Evangelischen Zentrum, bei dem auch die neu erschienene Publikation „Wir haben hier keine bleibende Stadt. 100 Jahre Evangelische Frauenschule – Evangelische Religionspädagogische Akademie – Kirchliche Pädagogische Hochschule“ präsentiert wurde, erinnerten KirchenvertreterInnen, Absolventinnen und HistorikerInnen an die Geschichte des Hauses. Dessen wechselvolle Entwicklung betonte auch Mitherausgeberin Dagmar Lagger, Leiterin des Instituts für Ausbildung an der KPH: „Für mich ist es besonders beeindruckend, wie sich die Aufgaben von der Frauenschule zur Kirchlichen Pädagogischen Hochschule verändert haben und wie sich die Ausbildung den Gegebenheiten der Zeit angepasst hat: Begonnen hat alles mit sozialer Arbeit, kurz nach dem 1. Weltkrieg – nun sind wir bei religiöser Bildung in der KPH.“

Helene Miklas, frühere Vize-Rektorin und interimistische Rektorin der KPH, betonte den Mut, der in der Rolle des Hauses immer wichtig gewesen sei: „Es war eine mutige Entscheidung, eine Frauenschule zu gründen und das am Tag des Waffenstillstandes am 11. November 1918.“ In der Zeit des Nationalsozialismus hätten sich die Hausverantwortlichen geweigert, in die NS-Struktur einverleibt zu werden. Diese Entscheidung habe zur Schließung des Hauses geführt, das erst 1947 wieder eröffnet wurde.

Bereits am Vormittag hatte Bischof Michael Bünker in seiner Predigt die Gründung der Frauenschule angesprochen. „Ein unglaubliches Wagnis war das vor hundert Jahren! Die radikal kleiner gewordene Kirche, in ihrer Existenz ungesichert, setzt einen Meilenstein“, sagte der Bischof in dem Gottesdienst, der ganz im Zeichen des Jubiläums stand. Von Anfang an, so Bünker, sei das Programm der Frauenschule, ihr Curriculum, ihre Berufsbilder ein „Programm für Kirche und Gesellschaft“ gewesen. Gestaltet wurde der Gottesdienst von Daniela Schwimbersky gemeinsam mit Elke Jost, Bischof Bünker und Landessuperintendent Thomas Hennefeld.

Der emeritierte alttestamentliche Univeristätsprofessor Siegfried Kreuzer, der von 1986 bis 1991 Direktor der Evangelischen Religionspädogischen Akademie war und gemeinsam mit Dagmar Lagger und Helene Miklas das Buch zum Jubiläum herausgegeben hat, hob hervor: „Die Frauenschule und ihre Nachfolgerinnen waren immer solide und verlässliche Ausbildungsstätten.“ Allerdings gehöre zu einer verlässlichen Ausbildung auch ein verlässliches Berufsbild: „Nach wie vor gibt es kein Amt der Gemeindepädagogik, so wie es etwa Amt und Ordnung der Kirchenmusik oder der Lektorenarbeit gibt“, monierte Kreuzer.

Historikerin und Kirchenarchivarin Waltraud Stangl, die die Geschichte des Hauses untersucht hat, meinte: „Es ist erstaunlich, dass von Anbeginn an Evangelische immer eine Rolle gespielt haben in der Geschichte des Hauses. Die gesamte Baugeschichte hindurch, sei es bei der Errichtung, verschiedenen Umbauten oder Anbauten, haben immer Evangelische eine maßgebliche Rolle gespielt.“ Der evangelische Einfluss begann dabei schon beim Architekten, dem evangelisch getauften Wiener Theophil Niemann, nach dessen Plänen das Haus in der Severin Schreiber Gasse 1922 oder 1923 errichtet worden war.

Ihren Dank an alle, die mit der Geschichte des Hauses verbunden waren und sind, sprachen auch der evangelisch-lutherische Bischof Michael Bünker und der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld aus. Er wage es zu behaupten, dass es Gottes Willen entsprochen habe, die Frauenschule zu gründen, meinte Hennefeld im Rahmen des Gottesdienstes am Vormittag und betonte, dass es immer sowohl reformierte als auch lutherische Einflüsse auf die Schule gegeben habe.

Musikalisch begleitet wurde die Buchpräsentation von den drei Schwestern Petra Kemper an der Violine, Ariane Biebl, Violoncello, und Heike Budde mit der Flöte. Petra Kemper ist selbst Absolventin der Evangelischen Religionspädagogischen Akademie.

Zum Buch

Das Buch „Wir haben hier keine bleibende Stadt. 100 Jahre Evangelische Frauenschule – Evangelische Religionspädagogische Akademie – Kirchliche Pädagogische Hochschule“ blickt nicht nur auf die Geschichte der Schule als Institution, sondern auch auf die dahinterstehenden Personen zurück. In kurzen Steckbriefen kommen AbsolventInnen zu Wort. So erinnert sich Maria Hladky, Absolventin aus dem Nachkriegsjahr 1950 und spätere Direktorin der Frauenschule, an den „vielfältigen, weitgespannten Un­terricht, an unsere Dozenten, an das einfache Gemeinschaftsleben in der Baracke“. Kurze Essays beleuchten Herausforderungen und Perspektiven für die Zukunft des Hauses.

Das im Evangelischen Presseverband erschienene Buch kann online bestellt werden unter https://epv-evang.at/shop oder telefonisch unter +43 (0)1 712 54 61.
Verfasst am: 19.11.18, 09:48
Titel: Mindestsicherungs-Kürzung trifft vor allem Behinderte
Autor: MB
Quelle: www.evang.at vom 14.11.2018

Diakonie: Höhere Lebenserhaltungskosten von Menschen mit Behinderung berücksichtigen

Die Diakonie warnt vor den Auswirkungen der anstehenden Reform von Arbeitslosengeld und Mindestsicherung auf Menschen mit Behinderung. Kommt die Gesetzesänderung, heiße das für Betroffene „weniger Geld, keine Pension und Erspartes aufbrauchen müssen“. Laut einer Studie des „Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung Wien“ (WIFO) lebe jede dritte Person, die die Notstandshilfe verlieren würde, mit einer Behinderung, heißt es in einer Aussendung der evangelischen Hilfsorganisation. Demnach würden 121.000 Arbeitslose im neuen System keinerlei Versicherungsleistungen mehr bekommen, 37.000 davon seien Menschen mit Behinderung.

Menschen mit Behinderung treffe es besonders hart. „Eine neue Batterie für den Rollstuhl wird ebenso zum Problem wie eine kleine Reparatur des Treppenlifts. Denn in der Mindestsicherung ist nichts vorgesehen für benötigte Hilfsmittel“, erläutert Diakonie-Direktorin Maria Katharina Moser. Sie erinnerte daran, dass Österreich vor zehn Jahren die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert hat. „Ausgerechnet in diesem Jubiläumsjahr Maßnahmen zu initiieren, welche die Situation von Menschen mit Behinderung verschlechtern, kann nicht unser aller Ziel sein. Ich gehe davon aus, dass die Regierung angesichts der Ergebnisse der vom Sozialministerium in Auftrag gegebenen Studie ihre Pläne überdenkt.“

Reformen wären durchaus sinnvoll, meinte Moser. Ziel müsse aber sein, Existenz und Chancen zu sichern und nicht Menschen weiter in den Abgrund zu treiben. Wo etwas geschehen müsse, sei „die Berücksichtigung der höheren Lebenserhaltungskosten von Menschen mit Behinderung im Rahmen der Mindestsicherung“. Moser erinnerte auch dran, dass Hilfesuchende vielfach Wochen bis Monate warten müssten, bis sie Mindestsicherung bekommen. Es brauche deshalb eine „effektive Soforthilfe“, da sich Anspruchsberechtigte „in einer existenziellen Notlage befinden“.

„Es macht uns alle stark, wenn wir aufeinander schauen“, betont die Diakonie-Direktorin. „Zusammenhalt heißt auch, niemanden als Almosenempfänger zu sehen, sondern alle als Menschen mit gleicher Würde und sozialen Rechten. Nur das schafft Sicherheit.“
Verfasst am: 19.11.18, 09:47