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Titel: Halber Feiertag am Karfreitag trifft auf wenig Gegenliebe
Autor: MB
Quelle: www.derstandard.at vom 18.2.2019

Der evangelische Bischof Bünker erinnert die Regierung an ihre Zusage, dass niemand etwas verlieren soll

Wien – In der Karfreitagsdebatte kursiert nun ein weiterer Kompromissvorschlag – nämlich ein halber Feiertag für alle Arbeitnehmer. Der Arbeiterkammer wäre diese von der "Kronen Zeitung" am Montag kolportierte Variante aber zu wenig. Und auch der evangelische Bischof Michael Bünker gibt auf APA-Anfrage zu bedenken, dass Protestanten damit einen halben Feiertag verlieren würden.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat am 22. Jänner entschieden, dass der Feiertag am Karfreitag allen Arbeitnehmern in Österreich zusteht. Die bisherige Regelung, wonach nur Protestanten, Altkatholiken und Methodisten am Freitag vor Ostern freihaben, wurde als diskriminierend aufgehoben. Die Regierung hat daraufhin eine Neuregelung angekündigt, die die Wirtschaft nicht belasten, aber niemandem etwas wegnehmen werde.

Wenn alle Seiten nachgeben

Als möglicher Kompromissvorschlag kursiert nun, dass der Karfreitag – er fällt heuer auf den 19. April – ein halber Feiertag werden könnte. Bünker räumt zwar ein, dass diese Variante den Vorteil hätte, dass alle Seiten nachgeben würden. Er erinnert allerdings an die Ankündigung der Regierung, dass niemand etwas verlieren werde. "Das würde dann nicht mehr ganz stimmen", so Bünker, denn evangelische Christen hätten dann einen halben Feiertag weniger. Er geht davon aus, dass für die Wirtschaft wahrscheinlich auch ein ganzer Feiertag verkraftbar wäre.

Noch deutlicher ist die Absage der Arbeiterkammer. "Wir halten das für zu wenig", deponiert Direktor Christoph Klein. "Wenn man jetzt den halben Karfreitag hergibt, wo den Menschen nach dem Gerichtsurteil der ganze Karfreitag zusteht, nimmt man den Menschen etwas weg."

Außerdem haben laut Klein etwa 40 Prozent der Arbeitnehmer in einer Umfrage angegeben, am Freitagnachmittag in der Regel ohnehin nicht zu arbeiten. Und zwar nicht nur Teilzeitmitarbeiter, sondern auch jene Arbeitnehmer, die von Montag bis Donnerstag neun Stunden arbeiten, am Freitag dafür aber nur vier ("Freitag-Frühschluss").

Beschluss drängt

Sollten ÖVP und FPÖ den Karfreitag als Feiertag für alle Arbeitnehmer streichen wollen, drängt die Zeit jedenfalls. Der Nationalrat müsste die Gesetzesänderung spätestens am 27. oder 28. März beschließen. Andernfalls wäre der 19. April für alle frei. Für einen regulären Gesetzesbeschluss inklusive kurzer Begutachtung müsste die Koalition ihre Pläne daher in den nächsten Wochen bekanntgeben. Gespräche gibt es derzeit aber weder mit der AK noch mit der Kirche.

Aus der Regierung gab es dazu am Montagvormittag keine Stellungnahme. Auch die Wirtschaftskammer wollte sich nicht zum möglichen halben Feiertag äußern. (APA 18.2.2019)
Verfasst am: 19.02.19, 11:20
Titel: Evangelischer Bischof Bünker: Gleichgeschlechtliche Trauung kommt
Autor: MB
Quelle: https://kurier.at vom 18.2.2019

Evangelische Kirche. Bischof Bünker rechnet mit einer baldigen Entscheidung in der Synode

In der Diskussion um den Karfreitag sind evangelische Kirchen mit ihren 300.000 Mitgliedern in den Fokus gerückt. Die Debatte um einen ihrer höchsten Feiertage ist aber nur ein Thema, das die Gläubigen bewegt. Der KURIER sprach mit Michael Bünker, dem Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche, über Weichenstellungen, vor denen seine Kirche steht, wie die Frage der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare – und seine Nachfolge.

KURIER: Herr Bischof, wenn man sich die Diskussion um den Karfreitag ansieht, mit den Tauschgeschäften zwischen verschiedenen Feiertagen, kommt einem fast das Bild von Jesus in den Sinn, wie er die Händler aus dem Tempel vertreibt. Wie fühlt man sich als religiöser Mensch, wenn mit einem der höchsten Feiertage regelrecht geschachert wird?

Michael Bünker: Es ist fast die Signatur unserer Zeit, dass Religionen mit ihren Anliegen in gesellschaftliche Interessenskonflikte geraten. Im Fall des Karfreitags geht es um einen Streit zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern. Hier das Religiöse sichtbar zu machen, ist gar nicht leicht.

Die Diskussion begann ja als arbeitsrechtlicher Konflikt und endete damit, dass der EuGH befand, dass die gesetzliche Regelung, wonach der Karfreitag nur für Evangelische ein Feiertag ist, diskriminierend ist.

In dem Rechtsstreit wurde die Evangelische Kirche übrigens nie gehört. All die Jahre nicht. Dass wir jetzt in die Gespräche einbezogen werden, ist ein Fortschritt. Immerhin geht es um ein Herzensanliegen der evangelischen Kirche. Und da nehme ich Bundesminister Gernot Blümel beim Wort, dass niemandem etwas weggenommen werden soll.

Seit diesem Jahr können homosexuelle Paare standesamtlich heiraten. Am 9. März entscheidet die Synode (das sind Parlamente der kirchlichen Selbstverwaltung), ob in der evangelischen Kirche auch eine kirchliche Trauung möglich sein soll. Bis dahin nehmen die einzelnen Pfarrgemeinden Stellung. Zeichnet sich eine Entscheidung ab?

Die Frage beschäftigt alle Gemeinden sehr. Das war zu erwarten. Für viele – vor allem die Gegner der gleichgeschlechtlichen Ehe – geht es um zentrale Fragen der Bibel. Es ist jetzt schon klar, dass wir keinen Konsens finden werden. Die Frage ist, wie wir mit dem Dissens umgehen. Wie kann auch die Minderheit zu ihrem Recht kommen? Wie kommen wir mit möglichst wenig Zerwürfnis aus der Sache heraus?

Wie?

Möglich wäre zum Beispiel, dass die einzelnen Gemeinden entscheiden, wie sie das handhaben. Aber es wird eine Grundsatzentscheidung brauchen. Der Trend der Stellungnahmen der Gemeinden ist vorsichtig positiv. Und wir als Synode werden auch eine grundsätzliche Möglichkeit der gleichgeschlechtlichen Trauung vorschlagen.

Wer entscheidet das dann in der Gemeinde? Der Pfarrer oder der Gemeinderat?

Letztlich muss die freie Entscheidung von Pfarrern und Pfarrerinnen wie bisher gewahrt bleiben. In dieser Frage empfiehlt sich aber ganz bestimmt eine enge Abstimmung mit dem Presbyterium, dem Leitungsorgan der Gemeinde.

Ihre Amtszeit als Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche endet im August. Reden wir über Ihren Nachfolger oder Ihre Nachfolgerin.

Eine Frau wäre ein wichtiges und gutes Zeichen.

Gibt es da eine Person, die Sie sich für die Nachfolge wünschen?

Das entscheidet die Synode am 4. Mai. Dem kann und will ich nicht vorgreifen.

Was wird die große Herausforderung für Ihren Nachfolger?

Einerseits geht es um die Frage, wie es gelingt, in einer zunehmend polarisierenden Gesellschaft ein Brückenort zu sein: verbindend, aber trotzdem mit eigenen Positionen. Die zweite Herausforderung ist die Mitgliederfrage. Wir haben eine demografische Entwicklung, die uns nachdenklich stimmt.

Seit den 70er-Jahren hat die evangelische Kirche in Österreich ein Drittel ihrer Mitglieder verloren. Im Verhältnis weit mehr als die Katholische.

Es ist richtig: Die Kirchenbindung ist bei Evangelischen nicht so stark wie bei Katholiken. Gerade in Städten ist die Austrittsbereitschaft höher. Nicht, dass die Menschen nicht gläubig wären, aber viele Evangelische sind der Meinung, dass sie auch ohne die Kirche gute Christen sein können.

Die größte Zuwanderergruppe in Österreich kommt aus Deutschland, wo rund ein Drittel protestantisch ist. Wirkt sich das auf die evangelische Kirche in Österreich aus?

Das ist eher durchwachsen. Im Westen ist es durchaus spürbar. Aber insgesamt wirkt es sich nicht so aus, wie es sollte. Das liegt vor allem daran, dass viele aus den neuen Bundesländern nach Österreich kommen. Das sind hochgradig entkirchlichte Gebiete. In Sachsen zum Beispiel sind 80 Prozent konfessionslos.

Welchen Ratschlag haben Sie an Ihren Nachfolger?

Man muss gut in der Öffentlichkeit auftreten. Das brauchen die Kirchen heutzutage. Gerade in einer Zeit, wo Werte ins Wanken kommen, gilt es, sich einzubringen. Sehr wichtig ist auch der Kontakt zu den Gemeinden. Ich habe das immer sehr positiv erlebt. Und wichtig sind die Ökumene und der interreligiöse Dialog.

Wie steht es darum?

Die Ökumene läuft sehr gut. Wir haben eine gute Gesprächsbasis mit allen Glaubensgemeinschaften. Kennzeichnend dafür ist die Kirchliche Pädagogische Hochschule, wo Religionslehrer und Religionslehrerinnen acht verschiedener Glaubensrichtungen ausgebildet werden. Ich glaube, es ist kein Zufall, dass das in Österreich passiert.
Verfasst am: 19.02.19, 11:19